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Ich heiße Ulrich und bin Alkoholiker, nach 30 Jahren exzessiven Trinkens bin ich seit knapp 23 Jahren trocken.
Hallo nieszka, das hast du schön geschrieben und es gefällt mir so gut dass ich nicht nur ein like dalassen will. Ich dachte eigentlich, ich will hier nicht mehr so viel schreiben, aber dann fielen mir meine Sauftage ein und es wäre hochmütig jetzt vom trockenen hohen Ross herunterzuschauen auf diejenigen die noch kämpfen. Daher will ich lieber demütig sein und weiter meine Hilfe anbieten. Und durch die Berichte von mickey z.B. fällt mir ein, bei mir war es genau so. Ich konnte mir nicht vorstellen keinen Tropfen Alkohol mehr zu trinken, das war gaaaaaaaanz weit weg von meiner Vorstellungskraft. Vor meiner ersten Therapie dachte ich, jetzt gehst du da mal hin und nachher trinkst du wieder. Und genauso lief es dann auch, 30 Jahre lang. Nach jedem Entzug der Schwur: JETZT HÖR ICH AUF! Ich weiß nicht mehr wie oft ich das gesagt habe. Und der Alkohol zerstört ja nicht nur die Organe, er zerstört alles, Beziehungen, Freundschaften, die Seele, am Ende steht man ganz alleine da, halt, nein, nicht alleine, man hat ja noch eine Flasche in der Hand.
Deshalb noch ein Rat, auch wenn das manche(r) nicht hören will: Hört auf zu kämpfen, ihr könnt nicht gewinnen.
@ulrich Weiß nicht: "Hört auf zu kämpfen, ihr könnt nicht gewinnen."
Habe ich bei den AA auch gehört (die eine gute Arbeit machen, unbestritten, aber nicht jeder kann damit - ich auch nicht).
Der Satz ist in dem Bezug nicht logisch. Wenn ich mir jeden Tag sage "nur heute das erste Glas stehenlassen" (was ein genialer Zug ist), dann kämpfe ich jeden Tag. Und wenn ich das bis zu Schlafenszeit durchhalte, dann habe ich für diesen Tag gewonnen.
Was für mich nebenbei mit dem Nährstoffprotokoll kein Thema mehr ist. Ich denke nur noch an das Scheißzeug, wenn ich 1-2 mal pro Woche hier auftauche.
Für mich hört sich der Satz wie Aufgeben an. Wenn ich nicht gewinnen kann, dann kann ich ja gleich saufen.
@harley das kommt auf den Standpunkt an, ich kämpfe nicht mehr jeden Tag und der Satz bezieht sich auf den Alkohol und deswegen ist er logisch, gegen Alkohol kämpfen ist verlorene Zeit, er wird immer gewinnen.
Ich denke auch es hat nichts mit Kampf. Ich habe 40 Jahre getrunken. Habe alles probiert, weniger trinken, kontrolliert trinken, abdosieren, das ist Kampf und kostet nur unnötige Kraft und führt zu nichts. Das ganze Rumgeiere, der Selbstbetrug, die ganzen Lügen. Ich denke es funktioniert nur durch Einsicht wie Sucht wirklich funktioniert. Seit ich begriffen habe das nicht für meine Sucht verantwortlich bin, sondern der Alkohol, ist es ganz leicht. Wie kann man erwarten wenn man jahrzente lang eine giftige Substanz konsumiert das das ohne Folgen. Es gibt nur eine Option eine Entscheidung: Nicht mehr zu trinken. Das ist ungemein erleichtern, kein Kampf, keine Qual mehr. Das hat auch nichts mit Willenskraft zu tun, wenn man es nüchtern betrachtet, bringt Alkohol keinen einzigen Vorteil, ich habe sehr lange gebraucht um das zu verstehen.
Sorry für die Rechtschreibung, ich schreibe hier über Handy, ich hoffe es ist trotzdem rüber gekommen was ich sagen wollte....
@ulrich
...das ist mir auch klar, immer wieder, und ich kann nicht zählen, wie oft ich aufgehört und wieder angefangen habe. Allerdings waren lange Phasen, 2 x 10 Jahre, ohne Alkohol dabei, aber nie länger. Ich bin jetzt wieder 7 Monate ohne Alkohol. Mich interessiert, wie Du es schaffst, nicht rückfällig zu werden. Danke.
@jutta, ich habe lange nachgedacht und bin zu dem Schluß gekommen, dass ich das Leben das ich mit Alkohol geführt habe einfach nie mehr will, das heißt nicht dass ich jetzt keine Problem mehr habe, die sind immer noch da oder es kommen andere dazu, aber da trinken keine Probleme löst sondern neue hervorbringt verfolge ich eine andere Strategie: reden, reden, reden. Etwas anderes kann ich dir nicht bieten
@ulrich
... danke Dir, Ulli, das kenne ich auch und ich will auch kein Leben mit Alkohol mehr führen, kann Probleme ohne Alkohol auch viel besser lösen, bin psychisch und pysisch stark, kann Ziele / Wünsche erreichen, anderen helfen, meinen Grundsätzen treu bleiben, aus meinen vollen Kräften schöpfen - all' das ist mir bewußt, ABER: wenn es mir dann richtg gut ging, wurde ich immer wieder leichtsinnig, dachte, ich hätte die Alkoholprobematik wirklich verstanden und geriet wieder in den Strudel.... allerdings wußte ich nichts über den Hirnstoffwechsel, der ja unwiderruflich beschädigt ist... dieses Wissen könnte hoffentlich ausschlaggebend sein für dauerhafte Abstinenz bei mir. Ich danke Dir, daß Du mich so zum Nachdenken angeregt hast.
Liebe Jutta,
ich finde es beeindruckend, dass du so lange Phasen ohne Alkohol gelebt hast. Ich war noch nie so weit, aber auch bei mir war es das Gefühl, dass es vielleicht doch geht, oder am diesem Abend geht, oder ähnlich, was mich dazu verleitet hat wieder etwas zu trinken. Und es blieb dann nicht bei einem Glas an einem Abend.
Immer wenn ich daran zurückdenke, kommt mir der Spruch in den Sinn „Hochmut kommt vor dem Fall“. Und da wären wir wieder bei dem Thema „Kampf“. Diesem Duell dürfen wir uns wohl nicht mehr stellen?
Es ist gut zu wissen, dass es nicht nur am Anfang passieren kann.
Danke dir





