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Hallo starke Sober Gemeinde
Ich erreiche nun bald mein 55stes Lebensjahr und bin seit 540 Tagen trocken. Das erste Mal und es läuft so gut dass ich es manchmal kaum noch glauben kann, dass ich so viele Jahre immer wieder kläglich versagt habe beim Versuch nüchtern durchs Leben zu gehen.
Ich bin wahrscheinlich so das typische Beispiel was den Weg zur Alkoholikerin beschreibt.
Viele fast nüchterne Jahre im vorbildlichen Mutter da sein und immer eine gute Ehe und Putzfrau die für jeden da war. Stehts gesund gekocht und auch äusserlich zurecht gemacht und rank und schlank… Was will „Mann“, Kinder, Gesellschaft mehr 😉
Es war für mich in Ordnung so, ich vergass jedoch etwas ganz wichtiges dabei, nämlich dass ich das Meiste für meine Umwelt machte und Dankbarkeit erwartete, welche immer seltener kam, da vieles als selbstverständlich angesehen wurde.
Selbstwert war sehr wenig vorhanden und nach aussen war ich die Grossartige Frau und Mutter, die stehts alles unter Kontrolle hatte…ausser einer klitzekleinen Sache und von der wusste niemand und nicht mal ich nahm wahr wie es schleichend zum Zwang wurde.
Alkohol.
Mal beim Essen Abends und dann immer öfters auch danach.
Dann als Nervennahrung nach dem entgleiten der Elterlichen Erziehungsregeln, Wutausbrüchen und trotzereien der Kinder und auch zum aushalten des immer unberechenbar werdenden Ehemannes, welcher durch das enorm hohe Einkommen den Boden unter den Füssen verloren hatte und sich ein chaotisches Mehrfach (das war kein Doppelleben mehr) Leben gegönnt hatte.
Es lief in einer äusserlichen heilen Welt alles aus dem Ruder in meinem Inneren und Alkohol wurde meine tägliche und sehr treue Begleitung. Mein Hund hätte nicht treuer und zuverlässiger sein können. Alkohol gab mir ein Gefühl des bei MIR Seins. Ich schaffte so das Aussen nicht mehr in mein Inneres zu lassen und vieles wurde mir egal. Leider auch ICH!
Mein trinken war am Anfang zeitlich immer sehr genau geplant…wann haben die Kinder was los und ab welcher Zeit sind alle versorgt und haben alles erledigt was Schule, Sport, Musik und Freizeit betraf…dann endlich gab es das so vermeintlich verdiente Glas Wein…oder dann bald mal 2,3…
Ich bemerkte bald dass ich mich nicht merklich veränderte mit wenig Alkohol also durfte es dann auch mal ein Glas sein obwohl noch etwas in meinem Kalender stand. War ja kein Problem dachte ich. Ob ich nun etwas angesäuselt mit dem Hund ging oder den Garten pflegte und auch die Sachen der Kinder waren ja bereit gelegt und das Zvieri (in der Schweiz ist das der Nachmittagssnack) vorbereitet. So steigerte sich ganz langsam meine Konsumation von diesem Elends Gift. Was am Anfang soviel Entspannung und Selbstbewusstsein versprach, verarschte mich nun wie mein Mann und ich wurde zusehends gestresster und begann Ausreden zu finden um Termine nicht mehr wahrnehmen zu müssen. Ich begann ganz langsam zu der Frau zu werden die ich aufs gröbste Verurteilte…nämlich meine Mutter.
Ja diese Laufbahn war definitiv nicht mehr einzuholen und ich könnte einen Bestzeller schreiben über meine Kindheit, aber nun trank ich auch und hatte keine Macht mehr dieses Teufelszeug. Ab und zu gab es starke Tage und ab und zu musste ich 2 lt. Wasser nach kippen in der Hoffnung der Rausch lässt nach bevor die ganze Familie Zuhause ist.
So vergingen etwa 5 Jahre bis zur Trennung welche extrem übel war und mich enorm Stark machte. Alkohol war nur am Rande mitverantwortlich da wir andere grosse Probleme hatten. Auch die Eheberatung meinte es gäbe nur loslassen. Ich räumte unsere Villa alleine, verkaufte sie und zog mit den noch Zuhause wohnenden Kindern in eine Wohnung. 2 waren bereits Gross und ausgezogen. Immer noch ging es auf und ab mit Alkohol und nie in all den Jahren haben meine Kinder irgendetwas bemerkt. Unglaublich…! Aber wahr. Ich dachte das kann gar nicht sein, aber ich bin nun seit 1,5 Jahren, dank Gaby Guzek s heilsamen Buch: Alkohol Adé trocken, bin bei den AA‘s und habe mit all meinen Kindern ehrlich gesprochen und habe sie gefragt wie es ihnen mit mir gegangen ist. Sie waren alle 4 höchst erstaunt und meinten ich übertreibe es mit 0,0 und ich sei nie irgendwie nicht für sie da gewesen. Ich sei die beste Mama der Welt?!
Wowwww…ich könnte wohl gutes Geld verdienen beim Tipps geben: unsichtbares saufen!
Ich durfte vor 10 Jahren das unendlich grosse Glück haben und den wundervollsten Menschen der Welt kennen gelernt zu haben. Ich bin richtig wie ich bin und wir können über alles reden…fast alles…es war unfassbar…aus gemeinsamen Genuss zwischendurch wurde es nach etwa 6 Jahren wieder zur Regelmässigkeit. Diesmal ohne was verdrängen zu müssen 😔 Furchtbare Erkenntnis war das. Endlich begriff ich was das für eine Macht ist die da über mich herrscht!!!! Nun kam die endgültige Einsicht dass ich mit Alkohol nicht umgehen kann. Nie werde ich das können und einen Satz in meiner AA Gruppe rüttelte mich kräftig auf:
DU STIRBST NICHT AN ALKOHOL, DU VERECKST DARAN!
Ja harte Liebe war das und ich ging Nachhause und legte bei meinem allerbesten Partner alles in mir versteckte auf den Tisch und bat um Hilfe und Verständnis. Es brauchte etwas Zeit und viel Offenheit um erklären zu können welche Macht dieses Gift über mich hat und dass ich unser gemeinsames Leben so sehr liebe und wertschätze.
Er ist unendlich dankbar und glücklich über meine Abstinenz obwohl auch er nicht bemerkte wie viel ich plötzlich wieder getrunken hatte. Seit 1/2 Jahren trinkt auch er nichts mehr, obwohl er nie ein Problem hatte. Ich bewunderte ihn wie er einfach nach einem oder 2 Gläsern aufhören konnte oder tagelang nichts getrunken hatte. Heute bewundere ich ihn noch mehr dass er für uns gar nichts mehr trinkt und enorm froh ist darüber.
So bin ich nun hier in der Gruppe gelandet.
Zuerst vorsichtig was Anonymität betrifft und nun mutig da es nun mal in meine Lebensgeschichte gehört und ich nie vergessen darf dass jedes Glas nur eine Armlänge entfernt ist.
Auf noch viele gemeinsame, nüchterne und wertvolle 24 Stunden 🤗
Liebe Grüsse aus der Schweiz
@soberli Herzlichen Glückwunsch!!! Noch eine, bei der wie bei mir Gabys Buch der Anstoß war, die traurige Säuferkarriere aufzugeben. Alles Gute weiterhin!
Ach, und: Herzlich willkommen im Forum!
@lagertha, @natarie, @baileys23 @ulli1962, @bergwacht, @mina
Wow, krass und sooo mega ehrlich. Aber schön das wir daran teilhaben können, an deinem Leben, an deiner Geschichte und wir doch alle irgendwie was gemeinsames haben.....
Auch von mir ein herzliches Willkommen im Forum und danke, daß Du Deine Geschichte mit uns teilst!





