Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkohol adé-Forum. Zum geschützten Austausch für Betroffene
Als ich das Trinken gelassen habe, habe ich natürlich dann etwas gewartet, das Rauchen einzustellen. Und ja, es ist dann, wenn man beides einstellt, schon sehr belastend. Ist halt nur nicht zum gleichen Zeitpunkt gewesen.
Ohne das Trinken wird das Rauchen irgentwann auch öde. Weil sich für mich beides immer nur gut verknüpft hat, es gab auch Tage, da habe ich erst nur geraucht, wo ich getrunken hatte also die Zeit vorher.
Problem war natürlich dadurch, dass ich nicht mehr trank mehr geraucht habe. Das nennt man ja dann Suchtverlagerung … und ist ja beides irgendwo Nervengift.
Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek: Suchtverlagerung im Alkoholentzug
Warum hört das Rauchen nach dem Alkoholentzug oft nicht auf – und was steckt hinter dem Phänomen der Suchtverlagerung?
Was dieser Bericht beschreibt, ist ein gut dokumentiertes Muster: Wer eine Sucht aufgibt, greift häufig zunächst verstärkt auf eine andere zurück. Alkohol und Nikotin sind im Suchtgedächtnis oft eng miteinander verknüpft – sie wurden gemeinsam konsumiert, haben sich gegenseitig verstärkt und sind dadurch assoziativ verbunden. Fällt der Alkohol weg, bleibt das Rauchen zunächst als vertrauter Anker bestehen, manchmal sogar intensiviert. Dieses Phänomen wird als Suchtverlagerung bezeichnet. Dass das Rauchen mit der Zeit von selbst an Reiz verliert, wenn die Verbindung zum Trinken fehlt, ist ebenfalls nachvollziehbar: Das Suchtgedächtnis hatte beide Substanzen als Einheit gespeichert – löst sich eine auf, verliert auch die andere an Bedeutung. Das ist keine Garantie, aber eine Chance, die viele Abstinente tatsächlich erleben.
Häufig gestellte Fragen zu Suchtverlagerung und Abstinenz (FAQ)
Was bedeutet Suchtverlagerung nach dem Alkoholentzug?
Suchtverlagerung bedeutet, dass eine Abhängigkeit nach dem Wegfall der ursprünglichen Substanz durch eine andere ersetzt oder intensiviert wird. Im Fall von Alkohol und Nikotin ist das besonders häufig, weil beide Substanzen oft gemeinsam konsumiert wurden und im Gehirn eng verknüpft sind.
Hört man nach der Abstinenz auch automatisch mit dem Rauchen auf?
Nicht automatisch – aber viele Abstinente berichten, dass das Rauchen mit der Zeit an Reiz verliert, wenn der Alkohol als Verstärker wegfällt. Der Grund liegt in der engen Verknüpfung beider Gewohnheiten im Suchtgedächtnis. Eine Garantie ist das nicht, aber ein bekanntes Muster.
Ist es sinnvoll, Alkohol und Rauchen gleichzeitig aufzugeben?
Das hängt von der individuellen Belastbarkeit ab. Beide Entzüge gleichzeitig können sehr belastend sein. Viele Betroffene entscheiden sich deshalb, zunächst nur den Alkohol loszulassen und das Rauchen später anzugehen – ein medizinisch vertretbarer Ansatz, sofern die Abstinenz beim Alkohol stabil bleibt.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
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