Ich trinke seit 5 Monaten keinen Alkohol mehr. Ich habe damals von heute auf morgen an mehreren Stellschrauben gedreht. Ernährung umgestellt, regelmäßiges Schwimmen, eben Alkohol weg… ob das ein Fehler war gleich alles zu verändern? Nun ist es so. Ich habe dadurch zwar, wie gewünscht, Gewicht verloren, inzwischen, schätzungsweise, fast 20kg….aber komme immer wieder an einen Punkt, an dem ich mit mir zu hadern beginne.
Eigentlich fühle ich mich inzwischen körperlich total fit, mental viel wacher, in allem wesentlich belastbarer. Da könnte man sagen: na also! Jammer nicht. Dennoch merke ich immer wieder, in Momenten, nicht immer… aber eben immer wieder, es fehlt mir was.
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Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Kann es sein, dass man sich nach Monaten ohne Alkohol körperlich besser fühlt – und trotzdem eine innere Leere spürt?
Ja, und das ist ein gut dokumentiertes Phänomen. Alkohol greift tief in das Belohnungssystem des Gehirns ein und verschiebt dort die Schwellenwerte für Zufriedenheit und Freude. Wenn der Alkohol wegfällt, braucht das Gehirn Monate, um diese Schwellenwerte neu zu kalibrieren. In dieser Phase erleben viele Betroffene eine sogenannte Anhedonie – eine gedämpfte Fähigkeit, Freude zu empfinden, obwohl objektiv alles besser läuft. Der Verstand registriert die Fortschritte, aber das Gefühlssystem hinkt hinterher. Dass diese Autorin gleichzeitig Ernährung, Sport und Alkohol verändert hat, macht die Zuordnung zusätzlich schwer – das Gehirn hat keinen stabilen Referenzpunkt. Die gute Nachricht: Die Neurochemie erholt sich, und mit jedem Monat Abstinenz wächst die Chance, dass auch das emotionale Erleben wieder ins Gleichgewicht kommt.
Häufig gestellte Fragen zu Abstinenz und innerer Leere (FAQ)
Ist es normal, sich nach Monaten ohne Alkohol innerlich leer zu fühlen?
Ja. Das Belohnungssystem des Gehirns wurde durch Alkohol über längere Zeit manipuliert und braucht oft sechs bis zwölf Monate, um sich neu zu regulieren. In dieser Phase können positive Erlebnisse gedämpfter wirken als erwartet – auch wenn sich die körperliche Gesundheit bereits deutlich verbessert hat.
Kann zu viel Veränderung auf einmal die Abstinenz gefährden?
Ein radikaler Neustart kann anfangs Orientierung erschweren, weil das Gehirn keine einzelne Veränderung als klaren Erfolg verbuchen kann. Allerdings profitieren viele Betroffene langfristig davon, weil gesunde Routinen wie Sport und bessere Ernährung die neurobiologische Erholung beschleunigen.
Wann hört das Gefühl auf, dass trotz Abstinenz etwas fehlt?
Das ist individuell sehr unterschiedlich. Die Forschung zeigt, dass sich das Belohnungssystem bei den meisten Betroffenen innerhalb von sechs bis achtzehn Monaten weitgehend stabilisiert. Regelmäßige Bewegung, soziale Kontakte und ausreichend Schlaf unterstützen diesen Prozess messbar.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
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