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Ganz herzliche Grüße

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(@musenkuss)
Mitglied
Beigetreten: Vor 6 Tagen
Beiträge: 14
Topic starter  

Hallo Zusammen, ich bin weiblich, 52 Jahre und trinke seit 5 Monaten keinen Alkohol mehr. Ich habe damals von heute auf morgen an mehreren Stellschrauben gedreht. Ernährung umgestellt, regelmäßiges Schwimmen, eben Alkohol weg... ob das ein Fehler war gleich alles zu verändern? Nun ist es so. Ich habe dadurch zwar, wie gewünscht, Gewicht verloren, inzwischen, schätzungsweise, fast 20kg....aber komme immer wieder an einen Punkt, an dem ich mit mir zu hadern beginne. 

Eigentlich fühle ich mich inzwischen körperlich total fit, mental viel wacher, in allem wesentlich belastbarer. Da könnte man sagen: na also! Jammer nicht. Dennoch merke ich immer wieder, in Momenten, nicht immer... aber eben immer wieder, es fehlt mir was. 

Mein Trinkverhalten davor: ich gehöre zu denen, bei denen man sich nicht viel dachte. Ich stand auch dazu, recht gern und nicht gerade wenig Wein zu trinken. Nie unter Tags. Abends. Darauf freute ich mich auch unheimlich. So sehr, dass es meinen Tag erhellte, die große Vorfreude auf das Eintauchen in irgendwie noch eine andere Welt. Jahre lang alleinerziehend, selbständig, mehrfach belastet. Das ging über Jahre so. Das klingt natürlich jetzt erstmal toll, von außen gelesen. Dennoch merkte ich .. das Ziel war der Abend, nicht der Moment. Der Moment am Abend, realistisch betrachtet, war kurz. Der erste Schluck, ein Genuss... dann aber das Gefühl, den Moment halten wollen, mehr davon. So war im Nu über den Abend bald eine Flasche Weißwein leer. Irgendwann öffnete ich halt eine zweite, nur noch ein kleiner Schluck .. da war mir schon klar, ok ist das nicht mehr. Lange nicht mehr. Es dauerte auch immer länger in den Zustand zu kommen, manchmal klappte es gar nicht mehr. Am nächsten Tag, nun, nicht in allem sah ich beim Alkohol den Grund. Heute weiß ich, doch, der Alkohol war der Grund. Für Müdigkeit, weniger Belastbarkeit, gereizt sein, Gewichtszunahme und so vieles mehr. Und natürlich manche Tage die total vom Kater, Entzug.. geprägt waren. An denen ich das Gefühl hatte, ein Wunder das dass mein Körper so mitmachte. Bis dahin. Ich hatte irgendwann das Gefühl, ich drehte mich in einer Spirale und konnte mich nicht mehr sehen, nicht mehr leiden. Irgendwie schien mein Leben zu stagnieren. Noch schlimmer. Die Spirale drehte sich abwärts. Ich hatte oft Endzeitgedanken, nicht mir das Leben zu nehmen, ich spürte einfach es geht zunehmend in eine sehr ungute Richtung. Ich hatte davor schon öfter mal Alkoholfreie Phasen, paar Wochen, mal ein viertel Jahr. Ich dachte, mach mal wieder einen Stopp. Das tat ich dann. Am nächsten Tag bekam ich eine heftige Tachykardie. Puls über 200. Krankenwagen, Notarzt, Notaufnahme. Ob das von dem ersten Abend ohne Alkohol kam? Weiß ich bis heute nicht sicher. War vielleicht eine Stellschraube. Das Herz ist gesund. Sonst alles ok. Aber nun noch mehr ein Grund dran zu bleiben mein Leben zu verändern. Das machte ich und erlebte fast ein Wunder. In meinem Alter mich nochmal so zu verändern. Ich machte das alles alleine. Ohne ärztliche Hilfe, Selbsthilfegruppen oder Austausch. Ich erkundigte mich lediglich selbst im Internet, teils KI, über Ernährung etc. Mein Vorteil, so sehe ich es, ich lebe inzwischen alleine, die Kinder sind groß, ich bin selbständig. Ich kann meinen Tag, meine Ernährung, mein Trinken so gestalten, wie ich es für mich ok finde, muss auf niemanden Rücksicht nehmen. Jedoch jemanden zum Reden für Austausch, hatte ich bisher leider auch nicht. Deswegen bin ich nun hier gelandet, nach langem Überlegen was für mich passt. 

Denn, ja, ich sehe aktuell schon einiges, mit dem ich wirklich kämpfe. Anfangs gar nicht. Aber jetzt. Nun sitze ich hier, habe abgenommen, fühle mich fit, fühle mich aber nicht wirklich glücklich. Ja, ich weiß, es tauchen nun ungefiltert Themen auf. Und diese vielen Veränderungen sind vielleicht auch ein Thema. Wo genieße ich wirklich noch? Bei der Ernährung passe ich extrem auf, kein Alkohol, dann musste ich mich innerlich von einem Menschen verabschieden der extrem wichtig für mich, eine meiner Töchter, mit der ich eine sehr enge Verbindung habe, zieht 500km weg. Ich bin vor 2,5 Jahren das erste Mal umgezogen. Auch da weiß ich nicht mehr, ist der Ort noch das, was er für mich einmal bedeutete. 

Nun kommt hinzu, und das ist das Schwerste, ich hatte nicht wie viele anderen diese totalen Abstürze. Nur sehr selten. Ich konnte mich immer an alles erinnern. Ich tat im alkoholisierten Zustand nie etwas, das ich danach bereute. Im Gegenteil, ich habe viele schöne Momente erlebt. Sehr intensive Momente, tiefe Gefühle, Inspiration. Natürlich auch das Kippen und die Folgen, die sicher größer sind als der Moment. Aber genau diese Intensität vermisse ich. Dieses Fallenlassen. Ich kann eben nicht sage, ich sehe oder erlebe heute dafür alles viel schöner, klarer, wacher... ne, eben nicht alles. Bis jetzt zumindest. Auch wenn ich mich grundsätzlich viel gesünder und fitter fühle. Dann kommen die Gesellschaftlichen Themen dazu. Gemeinsames Beisammensein, fast jeder ein Glas Wein und ich weiß, wie schön sich dieser, besonders erste.. Schluck anfühlt. Ich vermisse ein bisschen auch was von mir, wie ich dann war. Losgelassen im Flow. Nein. Ich kann eben nicht alles schlecht reden. Das ist genau das Fatale, das Schlimme! Das Gefährliche! Auch wenn ich so verletzt und frustriert bin, wie oft in letzter Zeit weil ich persönlich gerade sehr viel verarbeiten muss. Was, wenn ich mal wieder eingeladen werde, auf ein Date gehe. Mir fällt auf, wie sehr das alles dazugehört: lass uns auf einen Drink gehen, ein Glas Wein. Ich komme mir wie eine Spielverderberin vor. Langweilig. Und ja, manchmal fühle ich mich selber langweilig. Es ist so gerade und eher sogar momentan leicht depressiv verstimmt. Nun bin ich eine Frau die auch um die Wechseljahre steht. Das sind alles Punkte, wo ich heute dachte. Ich brauch da mal ein Feedback, ich möchte mich austauschen. Nicht nur von anderen Berichte ansehen oder lesen. Denn, nein, ich kann halt nicht alle Momente nur verteufeln, und heute alles so schön und frei, befreit heißen. Denn ja, ich fühlte mich damals in manchen Momenten noch freier. Wenn auch von diesem Gift geleitet. Ja, das ist mir bewusst. Aber genau deswegen bin ich jetzt hier. 

Was Nahrungsergänzung angeht. Habe ich lange B12 Komplex genommen. Aktuell vom Kardiologen empfohlen ein Magnesium, Kalium, und B1 Präparat sowie Eisen und Vitamin C.

 

Ich schicke ganz liebe Grüße in die Runde und freue mich auf Austausch!

 

Herzlichst 

Musenküssin 😉

 



   
2
AntwortZitat
harley
(@harley)
Ich unterstütze Alkohol adé
Beigetreten: Vor 6 Jahren
Beiträge: 3013
 

@musenkuss Willkommen im Forum!

Fünf Monate ohne Nervengift, 20 Kilo runter, fitter, wacher, belastbarer — Du hast wahnsinnig viel geschafft, um das Dich andere beneiden werden, und bist trotzdem nicht glücklich. „Trocken aber nicht glücklich" könnte man das eventuell nennen, weiß´aber nicht, ob das genau passt. Bill W., dem Gründer der AA, ging es so, bis er mit Hochdosis-Niacin vom unglücklich Trockenen zum zufrieden Trockenen wurde. Seine Geschichte findest Du hier. 

Mehr über unglücklich trocken hier und hier – vielleicht findest Du hier etwas, was Dir weiter hilft?

Die Intensität, das Fallenlassen, der Flow, das zu vermissen ... Du hast schon wahnsinnig viel geschafft. Aber analysiere Dich selbst einmal darauf, ob sich Dein Suchtgedächtnis grad über die fiese Methode der Romantisierung wieder anschleicht. Sicher ist sicher. 

B12-Komplex, Magnesium und B1 habe ich auch genommen bzw. nehme sie noch heute. Schau mal in Gabys Buch und hier und bei Bertrams Liste — lies auch die Kommentare, da ändert sich immer was. Und stelle Fragen!

Und das mit der „Spielverderberin" bei Einladungen und Dates — ja, das nervt. Wird mit der Zeit leichter, aber ganz weg geht es nicht. Allerdings habe ich auch irgendwann nach Saufkumpanen und Freunden unterteilt, und die Saufkumpane aussortiert. Die interessierten sich nur für den besoffenen Harley.

Jedenfalls aber: Es gibt ein Leben ohne Alkohol, und es ist schön. Auch wenn es sich gerade noch nicht so anfühlt.

 

-----

@lagertha, @natarie, @ulli1962, @bergwacht, @mina



   
AntwortZitat
(@musenkuss)
Mitglied
Beigetreten: Vor 6 Tagen
Beiträge: 14
Topic starter  

@harley Lieber Harley, ich danke dir sehr für deine Worte!! Ich bin schon froh, mich endlich dafür entschieden zu haben mich mal auszutauschen, in einem Forum zu schreiben. Erstmal die Suche, was passt zu mir. Und dann so eine liebevolle und kompetente Antwort, ist für mich schon mal wie Öl. Danke nochmal! Ich hab die letzten Monate das alles mit mir selber ausgemacht. Ich bin zwar jemand mit sehr vielen Menschen um sich, draußen, im Beruf, teils auch mal privat...und trotzdem so allein wie aktuell, hab ich mich noch nie gefühlt. Ja, schon auch irgendwie einsam. Es kommen, zu der Abstinenz und Änderung meines ganzen Lifestyles eben auch die Themen: Wechseljahre, Abschied von einer meiner Töchter, innerliche Trennung von einer mir sehr nahen Person, einigen ehrenamtlichen Tätigkeiten die ich inzwischen in Frage stelle, das geht bis hin zu einer Identitätsfrage. Vieles passt vielleicht auch zur Veränderung, nun nüchtern .. 😉 auf alles blicken zu können. Und ja, da bin ich schon sehr ehrlich mit mir und wachsam, da schleicht sich immer wieder der Gedanke ein: für was das alles, kannst dich genauso gut wieder was trinken. Ich tu es aber nicht. Da ich schon auch den Wert erkenne, den mir das alles gebracht hat. Ich hab halt seither mehr mit Extrasystolen zu tun, meine frühere Angsterkrankung ist wieder etwas mehr aufgetaucht. Ich hatte massive Probleme mit meinem Nervensystem die erste Zeit. Die ersten 2, 3 Wochen ohne Alkohol waren da ne große Herausforderung. Ob alles davon kam? Ich weiß es nicht. Die erwähnte Tachykardie, Taubheitsgefühle im linken Bein, wegsacken, Beckenbodenspasmus mit Hämorrhoiden, Laryngospasmus (zum Glück nur leicht), jeder kleine Trigger brachte mich aus der Bahn und ein Symptom nach dem anderen tauchte auf. Inzwischen ist das ja alles herrlich und super. Fast nichts mehr von alledem. 

Ich werde mir auf jeden Fall die Links alle durchsehen, grob hab ich damit schon begonnen...und mich auch mit den Nahrungsergänzungsmitteln wieder intensiver befassen. Ich bin da nur etwas vorsichtig, da ich eine zeit lang auf alles Mögliche reagierte, da ich so hochsensibilisiert war Link entfernt Nun will ich gut überlegen, was passt zu den Präparaten die ich schon nehme und was ist zusätzlich wirklich sinnvoll für mich. Meine Ernährung ist schon recht gut. Wenn ich lese worin Niacin zu finden ist, das gehört zu meinen täglichen Nahrungsmitteln. Aber ob das reicht...?



   
1
AntwortZitat
harley
(@harley)
Ich unterstütze Alkohol adé
Beigetreten: Vor 6 Jahren
Beiträge: 3013
 

Verfasst von: @musenkuss

Ich hab die letzten Monate das alles mit mir selber ausgemacht.

Kenne ich. Musste absolut unter dem Deckel bleiben, sonst wäre der gute Job weg gewesen.

Verfasst von: @musenkuss

und trotzdem so allein wie aktuell, hab ich mich noch nie gefühlt

War bei mir anfangs sicher ähnlich, das hat sich aber umgestellt. Weg von vielen oberflächlichen Saufkumpaneien, hin zu weniger, aber intensiveren Freundschaften. Brauchte aber Zeit, echt Zeit.

 

Verfasst von: @musenkuss

meine frühere Angsterkrankung ist wieder etwas mehr aufgetaucht.

Bist Du denn darüber einst reingerutscht, so als Angstlöser?



   
AntwortZitat
(@musenkuss)
Mitglied
Beigetreten: Vor 6 Tagen
Beiträge: 14
Topic starter  

@harley wie meinst du das? reingerutscht? .. ich hatte für über 20 Jahren mal extreme Panikattacken. War alles weg, gut. Nach dem ersten Abend ohne Alkohol hatte Nachts plötzlich einen Puls von 210. Das war natürlich ein heftiges Erlebnis, danach kam dann eines zum anderen. Ich wurde wieder hochsensibel was mein Nervensystem angeht. In stetiger Beobachtung und Reaktionen auf alles. Das ist aber aktuell um vieles besser. Das war nur die ersten paar Wochen extrem. Nachts Schüttelfrost aus Angst (also kein körperlicher Entzug) sondern Angst- Panikgefühle usw



   
AntwortZitat
harley
(@harley)
Ich unterstütze Alkohol adé
Beigetreten: Vor 6 Jahren
Beiträge: 3013
 

@musenkuss Reingerutscht ... wie ich im Forum gelernt habe, haben viele zunächst gelernt, ihre Angst und Panik runterzutrinken und dann die Flasche als steten Begleiter zu bekommen ... schon wieder eine Fundstelle 😎 



   
AntwortZitat
(@musenkuss)
Mitglied
Beigetreten: Vor 6 Tagen
Beiträge: 14
Topic starter  

@harley das erste Mal hatte ich so krasse Panikattacken nach der Geburt einer meiner Töchter. Derzeit trank ich keinen Alkohol. Aber ja, die letzten Jahre überdeckte mein fieser Freund Alkohol schon sehr erfolgreich einige Themen! Sicher auch Ängste. Er hatte bei mir aber viele Funktionen: beruhigen, anregen, intensivieren, trösten usw. Ehrlich betrachtet war er aber nicht immer gut darin. Aber die Zeit wo er es schaffte, war natürlich wunderbar! 

Danke für die ganzen Verlinkungen deiner Fundstellen 😉


Dieser Beitrag wurde geändert Vor 6 Tagen durch musenkuss

   
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michl
(@michl)
Mitglied
Nüchtern: 10 monate
Beigetreten: Vor 11 Monaten
Beiträge: 137
 

Hallo @musenkuss, super wie du den Weg gehst und wir du dich reflektierst. Gedanken, dass Alk nicht nur schlechte Seiten hat, sind bei mir noch nie aufgekommen. Allerdings sehe ich jetzt oft Menschen mit einen Alkoholproblem in meinem Alter und denke mir dann, hmm ist Alk wirklich so schlimm, der, die trinkt ja auch und das noch mehr als ich früher und geht der Arbeit nach...so einen hatte ich heute wieder und dann mache ich folgendes, ich schaue genauer hin und sehe, da ist ein Problem und da und da... Danach geht's mir sofort wieder super. Ich weiß auch, dass das nur eine Strategie von vielen ist, die die Sucht sucht um mich wieder zu besetzen.

GLG Michl 



   
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