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MPU wegen Alkohol – der komplette Weg zurück zum Führerschein

    Nächtliche Polizeikontrolle: Ein Mann sitzt am Steuer seines Autos und übergibt einem Polizeibeamten seinen Führerschein. Im Hintergrund steht ein Streifenwagen mit eingeschaltetem Blaulicht.

    Die MPU wegen Alkohol ist der häufigste Grund für den sogenannten Idiotentest in Deutschland. Führerschein weg, tausende Euro Kosten, monatelange Abstinenz – und am Ende ein psychologisches Gespräch, das über Deine Mobilität entscheidet. Hier erfährst Du Schritt für Schritt, was auf Dich zukommt, was es kostet und wie Du den Weg zurück zum Führerschein so effizient wie möglich gestaltest.

    Dr. med. Bernd Guzek
    Dr. med. Bernd Guzek Arzt & Wissenschaftsjournalist

    Marco nimmt den Scooter. Vernünftig, denkt er.

    Marco hat einen guten Abend. Geburtstagsfeier, ein paar Bier, zwei Schnäpse. Das Auto lässt er stehen. Natürlich. Er ist ja nicht blöd. Also schnappt er sich den E-Scooter, der vor der Kneipe steht. Zehn Minuten bis nach Hause, frische Luft, was soll schon passieren.

    Was passiert: Polizeikontrolle. 1,2 Promille. Marco fühlt sich völlig klar im Kopf, keine Ausfallerscheinungen. Er denkt: Ist ja nur ein Roller, kein Auto. Und betrunken bin ich auch nicht wirklich.

    Zwei Wochen später weiß Marco es besser. Die Anzeige liegt im Briefkasten, dazu die Mitteilung, dass sein Führerschein eingezogen wird. Und dann fällt zum ersten Mal das Wort, vor dem sich jeder fürchtet, der gerne Auto fährt: MPU.

    Was ist die MPU überhaupt?

    Die Abkürzung steht für Medizinisch-Psychologische Untersuchung – im Volksmund wenig charmant Idiotentest genannt. Das ist ein Begutachtungsverfahren, das es in dieser Form nur in Deutschland gibt. Durchgeführt wird es von amtlich anerkannten Begutachtungsstellen wie TÜV, DEKRA oder privaten Trägern. Die Stelle suchst Du Dir selbst aus – die Führerscheinbehörde macht da keine Vorgaben.

    Der Zweck: Die Behörde will wissen, ob Du in Zukunft ein Fahrzeug sicher führen kannst. Bei der MPU wegen Alkohol heißt das konkret: Hast Du ein Alkoholproblem, und wenn ja, hast Du es in den Griff bekommen? Die MPU ist dabei kein Strafverfahren. Es geht nicht um Schuld, sondern um Prognose.

    Die MPU gibt es in dieser Form nur in Deutschland. In Österreich existiert die „Verkehrspsychologische Untersuchung” (VPU), in der Schweiz ein ähnliches Modell. Die Verfahren unterscheiden sich aber im Detail erheblich – sowohl im Ablauf als auch in den Kosten. Dieser Artikel bezieht sich auf das deutsche Verfahren.

    Nicht nur Autofahrer: Wann eine MPU wegen Alkohol droht

    Das ist der Punkt, den die meisten unterschätzen. Eine MPU kann nicht nur nach einer Trunkenheitsfahrt im Auto angeordnet werden. Marco hat es am eigenen Leib erfahren: Auch der E-Scooter reicht.

    Die Promillegrenzen im Überblick

    Auto, Motorrad, E-Scooter, S-Pedelec (alles, was als Kraftfahrzeug gilt): Ab 0,5 Promille droht eine Ordnungswidrigkeit. Ab 1,1 Promille ist absolute Fahruntüchtigkeit erreicht – Straftat, Führerscheinentzug, und in der Regel die Anordnung einer MPU. Ab 1,6 Promille ist die MPU-Anordnung gesetzlich zwingend. Bei einem Unfall oder auffälligem Fahren kann es schon ab 0,3 Promille losgehen.

    Was viele nicht wissen: E-Scooter gelten rechtlich als Kraftfahrzeuge. Es gelten exakt die gleichen Promillegrenzen wie für Autofahrer. Die Idee „Ich nehm den Roller, dann ist der Führerschein sicher” ist also ein teurer Irrtum.

    Fahrrad (und normales Pedelec bis 25 km/h): Die Grenze für die MPU-Anordnung liegt bei 1,6 Promille. Klingt nach viel Spielraum – aber die Konsequenzen sind identisch: Ein negatives Gutachten führt zum Entzug der Fahrerlaubnis für alle Fahrzeuge. Wer mit 1,6 Promille auf dem Rad erwischt wird, verliert also auch den Autoführerschein.

    Infografik zu Alkohol und MPU: Sie zeigt die Promillegrenzen und möglichen Folgen für Auto, Motorrad, E-Scooter und S-Pedelec, Fahrrad sowie Fußgänger. Zusätzlich erklärt sie die paradoxe Bedeutung von Alkoholgewöhnung: Wer bei 1,1 Promille noch unauffällig wirkt, kann dadurch den Verdacht auf eine ausgeprägte Alkoholtoleranz und eine MPU-Anordnung begründen.

    Die Infografik stellt die wichtigsten Promillegrenzen im Zusammenhang mit einer MPU gegenüber. Bei Kraftfahrzeugen – dazu gehören auch E-Scooter und S-Pedelecs – können bereits ab 0,3 Promille bei einem Unfall oder auffälligem Fahren Konsequenzen drohen. Ab 0,5 Promille liegt eine Ordnungswidrigkeit vor, ab 1,1 Promille absolute Fahruntüchtigkeit. Ab 1,6 Promille ist eine MPU gesetzlich zwingend vorgesehen. Auch wer mit dem Fahrrad oder normalen Pedelec mit 1,6 Promille auffällt, muss mit einer MPU rechnen. Die Folgen können auch den Autoführerschein betreffen. Selbst Vorfälle als Fußgänger können bei Hinweisen auf eine Alkoholproblematik eine MPU nach sich ziehen.

    Ein zweiter Teil erklärt die paradoxe Rolle der Alkoholgewöhnung: Wer bei einem hohen Promillewert noch vergleichsweise normal und ohne deutliche Ausfallerscheinungen wirkt, verbessert damit seine Situation nicht unbedingt. Die Fahrerlaubnisbehörde kann eine solche Alkoholtoleranz vielmehr als Hinweis auf einen ausgeprägten beziehungsweise längerfristigen Alkoholkonsum werten. Die scheinbare „Trinkfestigkeit“ kann damit selbst zu einem wichtigen Argument für die Überprüfung der Fahreignung werden.


    Zu Fuß: Ja, selbst das kann den Führerschein kosten. Es gibt zwar keine feste Promillegrenze für Fußgänger. Aber wenn die Führerscheinbehörde von einem Vorfall erfährt, der auf eine Alkoholproblematik hindeutet – randalieren, Polizeieinsatz, hoher Promillewert in Polizeigewahrsam – kann sie nach § 13 der Fahrerlaubnisverordnung eine MPU anordnen. Das Verwaltungsgericht Mainz hat den Fahrerlaubnisentzug eines Mannes bestätigt, der auf einem Fest betrunken randaliert hatte und mit drei Promille in Gewahrsam genommen wurde. Kein Fahrzeug weit und breit.

    Die Paradoxie der Alkoholgewöhnung: Wer bei 1,1 Promille keine Ausfallerscheinungen zeigt, denkt vielleicht: Alles halb so wild, ich war ja noch fit. Die Behörden sehen das genau umgekehrt. Wer bei diesem Wert noch normal wirkt, hat offensichtlich eine massive Alkoholgewöhnung. Und genau die begründet die MPU-Anordnung. Marcos Klarheit im Kopf war also nicht seine Rettung, sondern sein Problem.

    Der Zeitplan: Wie lange dauert das Ganze?

    Das MPU-Verfahren ist ein Marathon. Von der Tat bis zum neuen Führerschein vergehen in der Praxis zwölf bis achtzehn Monate – oft auch deutlich mehr. Der Ablauf in groben Zügen: Nach der Alkoholfahrt läuft zunächst das Strafverfahren. Das Gericht spricht ein Urteil, entzieht die Fahrerlaubnis und verhängt eine Sperrfrist. In dieser Zeit darf die Behörde keine neue Fahrerlaubnis erteilen. Die kürzeste Sperrfrist beträgt sechs Monate, die längste fünf Jahre.

    Drei Monate vor Ablauf der Sperrfrist kannst Du den Antrag auf Neuerteilung stellen. Die Führerscheinbehörde teilt Dir dann mit, ob eine MPU erforderlich ist. In den allermeisten Fällen bei Alkoholdelikten: ja.

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    Und jetzt kommt der entscheidende Punkt: Die Sperrfrist ist nicht die einzige Wartezeit. Wenn Abstinenznachweise gefordert werden – und das ist bei Alkohol-MPUs fast immer der Fall – musst Du sechs oder zwölf Monate nachweisbare Abstinenz vorweisen, bevor Du überhaupt zur MPU antreten kannst. Dieses Abstinenzprogramm zählt ab dem Tag der Anmeldung beim Labor, nicht rückwirkend. Jeder Monat, den Du vor der Anmeldung abstinent warst, ist für den Nachweis verloren.

    Der häufigste Fehler: Abwarten. Wer nach dem Führerscheinentzug erstmal die Sperrfrist aussitzt und sich dann um die Abstinenz kümmert, verschenkt Monate. Klüger ist es, das Abstinenzprogramm so früh wie möglich zu starten – idealerweise parallel zur Sperrfrist.

    Was passiert bei der MPU? Der Ablauf

    Die MPU selbst dauert drei bis vier Stunden und besteht aus drei Teilen, deren Reihenfolge nicht festgelegt ist.

    Teil 1: Fragebögen und medizinische Untersuchung

    Am Anfang stehen Fragebögen zu Deiner Vorgeschichte, etwa eine halbe Stunde. Danach kommt die medizinische Untersuchung – ebenfalls rund dreißig Minuten. Ein Arzt prüft Deinen allgemeinen Gesundheitszustand: Reflexe, Kreislauf, Blutdruck. Bei einer MPU wegen Alkohol werden zusätzlich Leberwerte bestimmt und eventuell eine Blut- oder Urinprobe genommen. Auch äußerliche Anzeichen chronischen Trinkens werden dokumentiert.

    Teil 2: Leistungstest am Computer

    Etwa zwanzig Minuten am Rechner. Getestet werden Reaktionsgeschwindigkeit, Konzentration, Aufmerksamkeit und Belastbarkeit. Standardisierte Tests, nichts Überraschendes – wer ausgeschlafen und nüchtern antritt, besteht diesen Teil in der Regel problemlos.

    Teil 3: Das psychologische Gespräch

    Das Herzstück. Rund eine Stunde, und hier entscheidet sich alles. Der Gutachter will verstehen, wie es zur Alkoholfahrt kam, was sich seitdem verändert hat und warum er davon ausgehen kann, dass es nicht wieder passiert. Es geht nicht um Rechtfertigung, sondern um ehrliche Selbstreflexion.

    Konkret will der Gutachter wissen: Wie sah Dein Trinkverhalten vor dem Delikt aus? Was war der Auslöser für die Fahrt unter Alkohol? Was hast Du seitdem verändert – und zwar nicht auf dem Papier, sondern im Alltag? Wie gehst Du heute mit Situationen um, in denen Du früher getrunken hättest?

    Wer hier mit auswendig gelernten Antworten ankommt, fällt durch. Die Gutachter sind Profis. Sie merken den Unterschied zwischen echter Auseinandersetzung und angelernten Phrasen. Nebenbei: Seit einiger Zeit kann das Gespräch auf Wunsch als Ton- oder Videoaufzeichnung dokumentiert werden – das macht das Verfahren nachprüfbar.

    Abstinenznachweise: Wie Du beweist, dass Du nicht trinkst

    Bei einer MPU wegen Alkohol musst Du in den allermeisten Fällen nachweisen, dass Du über einen bestimmten Zeitraum keinen Alkohol getrunken hast. Die Methoden dafür sind streng geregelt.

    Drei Methoden stehen zur Wahl

    Urinscreening: Die gängigste Methode. Dabei werden unangekündigte Termine festgelegt – Du bekommst per SMS oder E-Mail eine kurzfristige Einladung und musst innerhalb eines engen Zeitfensters im Labor erscheinen. Bei einem 6-Monats-Programm sind das vier Kontrollen, bei zwölf Monaten sechs. Im Urin wird EtG gemessen, ein direktes Alkohol-Abbauprodukt, das auch in geringen Mengen nachweisbar ist.

    Haaranalyse: Ein Zentimeter Haar entspricht ungefähr einem Monat. Bei Alkohol (EtG) lassen sich über drei Zentimeter Haar maximal drei Monate rückwirkend nachweisen. Vorsicht: Gefärbtes oder blondiertes Haar macht die Analyse in der Regel unverwertbar.

    PEth-Bluttest: Eine neuere Methode, die über das Alkohol-Abbauprodukt Phosphatidylethanol im Blut funktioniert. Zunehmend anerkannt, aber noch nicht überall Standard.

    Infografik zu Abstinenznachweisen bei einer MPU wegen Alkohol. Sie zeigt die drei Nachweismethoden Urinscreening, Haaranalyse und PEth-Bluttest, die möglichen Abstinenzzeiträume von 6, 12 und 15 Monaten sowie wichtige Regeln zu CTU-Laboren, Kontrollterminen und Urlaubsabwesenheiten.

    Die Infografik erklärt die Möglichkeiten, eine Alkoholabstinenz für eine MPU nachzuweisen. Beim Urinscreening wird EtG als direktes Alkoholabbauprodukt untersucht. Die Kontrolltermine werden kurzfristig angekündigt; bei sechs Monaten sind vier, bei zwölf Monaten sechs Kontrollen vorgesehen. Ein versäumter Termin wird wie ein positiver Befund gewertet und kann dazu führen, dass das Programm von vorn begonnen werden muss. Geplante Urlaubsabwesenheiten müssen deshalb rechtzeitig beim Labor gemeldet werden.

    Bei der Haaranalyse entspricht ein Zentimeter Haar ungefähr einem Monat. Für Alkohol kann EtG anhand von drei Zentimetern Haar maximal drei Monate rückwirkend untersucht werden. Gefärbtes oder blondiertes Haar ist dafür in der Regel nicht geeignet. Eine weitere Möglichkeit ist der PEth-Bluttest, bei dem Phosphatidylethanol im Blut bestimmt wird. Das Verfahren wird zunehmend anerkannt, ist jedoch noch nicht überall Standard.

    Für die MPU verwertbare Abstinenznachweise müssen von einem forensisch-toxikologischen Labor stammen, das nach den CTU-Kriterien akkreditiert ist. Gewöhnliche Leberwertkontrollen beim Hausarzt reichen nicht aus.

    Die erforderliche Nachweisdauer hängt vom Einzelfall ab. Die Grafik nennt sechs Monate bei leichteren Fällen, zwölf Monate bei deutlichem Alkoholmissbrauch oder Abhängigkeitsverdacht und 15 Monate bei schweren Fällen. Als mögliche Alternative wird kontrolliertes Trinken mit zwölfmonatigem Nachweis dargestellt; dafür müssen die Voraussetzungen passen, und die Anforderungen im Gutachtergespräch sind höher.


    Alle Nachweise müssen von einem forensisch-toxikologischen Labor stammen, das nach den sogenannten CTU-Kriterien akkreditiert ist. Der Hausarzt mit seinen Leberwerten reicht nicht.

    Wie lange musst Du abstinent sein?

    Das hängt von der Schwere des Falls ab: Sechs Monate bei leichteren Fällen, zwölf Monate bei deutlichem Alkoholmissbrauch oder Abhängigkeitsverdacht, fünfzehn Monate in schweren Fällen. Es gibt auch die Option „kontrolliertes Trinken” mit zwölf Monaten Nachweis – das ist aber nur bei mittleren Werten und stabiler Lebenssituation realistisch, und die Hürden im Gutachtergespräch sind dann höher.

    Ein verpasster Termin beim Urinscreening wird wie ein positiver Befund gewertet. Das Programm ist dann in der Regel wertlos und startet von vorn. Urlaubsabwesenheiten müssen vorab beim Labor gemeldet werden.

    MPU-Kosten: Was das Ganze wirklich kostet

    Die Kosten einer MPU wegen Alkohol sind ein Schock, auf den die wenigsten vorbereitet sind. Und nein, die Krankenversicherung zahlt nichts davon.

    Die einzelnen Posten: Das MPU-Gutachten selbst – also die Gebühr für die Begutachtungsstelle – liegt bei 600 bis 1.100 Euro. Eine feste Gebührenordnung gibt es seit 2018 nicht mehr, die Preise variieren je nach Anbieter und Region. Dazu kommen die Abstinenznachweise: Urinscreenings kosten 60 bis 100 Euro pro Termin, Haaranalysen 120 bis 150 Euro pro Probe. Über sechs oder zwölf Monate summiert sich das auf 200 bis 1.200 Euro.

    Die professionelle MPU-Vorbereitung – Einzelgespräche oder Gruppenseminare mit einem Verkehrspsychologen – schlägt mit 800 bis 2.500 Euro zu Buche. Theoretisch ist sie freiwillig. Praktisch fallen Schätzungen zufolge rund zwei Drittel der Teilnehmer durch, die ohne Vorbereitung antreten. Wer durchfällt, zahlt alles noch einmal.

    Am Ende kommen noch die Behördengebühren für die Neuerteilung des Führerscheins dazu: Sehtest, Erste-Hilfe-Kurs, Passbild, Bearbeitungsgebühr – zusammen etwa 150 bis 250 Euro. War die Sperrfrist länger als zwei Jahre, kann zusätzlich eine erneute Fahrprüfung nötig werden.

    Realistisches Gesamtbudget: Plane mindestens 2.500 Euro ein. Mit zwölf Monaten Abstinenz und professioneller Vorbereitung landen die meisten Betroffenen bei 3.500 bis 5.000 Euro. Wer die MPU beim ersten Versuch nicht besteht, fängt finanziell weitgehend von vorn an.

    Führerschein zurück – und dann?

    Gute Nachrichten: Nach bestandener MPU und Neuerteilung der Fahrerlaubnis stehst Du mit einem sauberen Blatt da. Alle bisherigen Punkte im Fahreignungsregister in Flensburg werden gelöscht. Du startest bei null. Eine neue Probezeit gibt es nicht – es sei denn, Du bist Fahranfänger.

    Aber: Die Straftat selbst bleibt im Verkehrszentralregister gespeichert, bis die gesetzliche Tilgungsfrist abgelaufen ist. Bei Straftaten mit drei Punkten beträgt diese zehn Jahre. Und es gibt eine Besonderheit, die viele nicht kennen: Wer nach dem Führerscheinentzug keinen Antrag auf Neuerteilung stellt und einfach abwartet, kann nach etwa 10-15 Jahren die Fahrerlaubnis theoretisch auch ohne MPU neu beantragen – vorausgesetzt, der Eintrag ist bis dahin getilgt und es gab keine neuen Auffälligkeiten. Sobald Du aber einen Antrag stellst und die Einträge noch existieren, wird die MPU fällig.

    Alkohol-Wegfahrsperre: Die Alternative, die es (noch) nicht gibt

    In den USA, in Schweden und in vielen anderen Ländern gibt es eine technische Lösung: den Alcolock. Eine Alkohol-Wegfahrsperre, die im Fahrzeug eingebaut wird. Vor dem Motorstart muss der Fahrer in ein Röhrchen pusten. Zeigt die Messung Alkohol an, bleibt der Motor aus.

    Die Idee klingt bestechend einfach: Statt jemandem monatelang den Führerschein wegzunehmen, lässt man ihn fahren – aber nur nüchtern. In den USA ist der Einbau in vielen Bundesstaaten vorgeschrieben, Schweden ist europäischer Vorreiter.

    Und in Deutschland?

    In Deutschland gibt es derzeit keine gesetzliche Grundlage, die den Einbau anordnen oder als Alternative zur MPU anbieten würde. Es gibt kein Programm, bei dem ein freiwillig eingebauter Alcolock Dir Vorteile bei der MPU verschaffen würde. Der 57. Deutsche Verkehrsgerichtstag hat sich 2019 zwar für die Einführung ausgesprochen, passiert ist seitdem nichts.

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    Was sich geändert hat: Seit Juli 2026 müssen neue Kraftfahrzeuge in der EU eine Einbau-Vorbereitung für eine Alkohol-Wegfahrsperre haben – also die Anschlüsse und den Platz. Das Gerät selbst muss aber nicht verbaut sein. Es ist bislang eine technische Bereitschaft, keine Pflicht. Wer auf eigene Faust nachrüsten will, kann das tun – die Geräte sind frei erhältlich, der Einbau kostet je nach System und Werkstatt einige hundert Euro plus laufende Kosten für Kalibrierung. Einen rechtlichen Vorteil bringt es in Deutschland aber nicht.

    Österreich hatte es probiert: Von 2017 bis 2022 lief dort ein Pilotprojekt, bei dem alkoholauffällige Fahrer als Alternative zum Führerscheinentzug am „Alkolock-Programm” teilnehmen konnten. 515 Personen schlossen das Programm ab, über 90 Prozent würden es weiterempfehlen. Trotzdem wurde das Pilotprojekt nicht in ein reguläres Programm überführt. In Österreich gibt es derzeit keine aktive Alcolock-Alternative zum Führerscheinentzug.

    Zehn Dinge, die Dir niemand sagt

    Erstens: Fang mit dem Abstinenzprogramm an, bevor die Sperrfrist abgelaufen ist. Die Abstinenz zählt ab Anmeldung beim Labor, nicht rückwirkend. Jeder Monat, den Du wartest, ist verlorene Zeit.

    Zweitens: Der E-Scooter ist kein Schlupfloch. Er gilt als Kraftfahrzeug. Die gleichen Promillegrenzen wie beim Auto, die gleichen Konsequenzen.

    Drittens: Keine Ausfallerscheinungen zu zeigen, ist kein Pluspunkt. Im Gegenteil – es spricht für massive Alkoholgewöhnung und macht die MPU-Anordnung wahrscheinlicher.

    Viertens: Der Hausarzt kann keine Abstinenznachweise ausstellen, die bei der MPU anerkannt werden. Nur CTU-akkreditierte Labore zählen.

    Fünftens: Gefärbte oder blondierte Haare machen die EtG-Haaranalyse unverwertbar. Während des Nachweiszeitraums: Finger weg von der Coloration.

    Sechstens: Ein verpasster Urin-Termin gilt als positiver Befund. Das Programm startet in der Regel von vorn.

    Siebtens: Die MPU-Vorbereitung ist freiwillig. Aber etwa zwei Drittel der Unvorbereiteten fallen durch. Und Durchfallen ist teuer.

    Achtens: Du wählst die Begutachtungsstelle selbst. Vergleiche Preise und Leistungen – es gibt erhebliche Unterschiede.

    Neuntens: Nach bestandener MPU werden alle Punkte in Flensburg gelöscht. Sauberes Blatt.

    Zehntens: Wer gar nicht zur MPU antritt und fünfzehn Jahre wartet, kann den Führerschein unter Umständen ohne MPU neu bekommen. Ob das eine Option ist, hängt vom Einzelfall ab – aber man sollte davon wissen.

    Der Weg zurück: Schritt für Schritt

    Hier der Fahrplan, der in der Praxis funktioniert:

    Sofort nach dem Delikt: Abstinenz beginnen. Alkohol komplett weglassen. Das ist der Moment, in dem die Uhr zu ticken anfängt – auch wenn das Abstinenzprogramm noch nicht offiziell läuft.

    Innerhalb der ersten Wochen: Abstinenzprogramm bei einem CTU-akkreditierten Labor anmelden. Urinscreening oder Haaranalyse – was passt, hängt von der Situation ab. Parallel einen Verkehrspsychologen für die MPU-Vorbereitung suchen.

    Drei Monate vor Ablauf der Sperrfrist: Antrag auf Neuerteilung bei der Führerscheinbehörde stellen. Die Behörde teilt mit, ob eine MPU erforderlich ist.

    Nach Ablauf der Abstinenzzeit: MPU-Termin bei einer Begutachtungsstelle Deiner Wahl buchen. Die Abstinenznachweise müssen lückenlos bis zum MPU-Termin reichen – den Termin also direkt ans Ende des Programms legen.

    Nach bestandener MPU: Gutachten an die Führerscheinbehörde, ggf. neuer Sehtest, Erste-Hilfe-Kurs, Passbild. Neuerteilung des Führerscheins.

    Mit etwas Planung und Disziplin kann der gesamte Weg in zwölf bis achtzehn Monaten abgeschlossen sein. Ohne Planung dauert er leicht doppelt so lang.

    Du bist nicht allein: Im Alkohol adé-Forum tauschen sich Betroffene regelmäßig über ihre MPU-Erfahrungen aus – von der Vorbereitung bis zum bestandenen Gutachten. Manchmal hilft es einfach zu lesen, dass andere es geschafft haben. Lies auch, wie ein Mitglied seine MPU beim ersten Versuch bestanden hat.

    Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Die rechtlichen Rahmenbedingungen können sich ändern. Bei konkreten Fragen zu Deinem Fall wende Dich an einen Fachanwalt für Verkehrsrecht.

    Berechne mit unserem Promillerechner, wie viel Promille Du nach dem Trinken haben könntest. Oder finde heraus, ob Du bereits Alkoholiker bist.

    Häufig gestellte Fragen zur MPU (FAQ)

    Ab welchem Promillewert wird eine MPU wegen Alkohol angeordnet?

    Ab 1,6 Promille ist die MPU-Anordnung gesetzlich zwingend. Ab 1,1 Promille kann sie von der deutschen Fahrerlaubnisbehörde angeordnet werden – besonders dann, wenn keine Ausfallerscheinungen vorlagen, was auf eine Alkoholgewöhnung hindeutet. Bei einem Unfall oder auffälligem Fahren ist eine MPU bereits ab 0,3 Promille möglich.

    Wie viel kostet eine MPU wegen Alkohol insgesamt?

    Die Gesamtkosten liegen realistisch bei 2.500 bis 5.000 Euro. Sie setzen sich zusammen aus der Begutachtungsgebühr (600–1.100 €), den Abstinenznachweisen (200–1.200 €), einer MPU-Vorbereitung (800–2.500 €) und den Behördengebühren für die Neuerteilung (150–250 €). Die Krankenversicherung übernimmt nichts davon.

    Wie lange dauert der gesamte MPU-Prozess?

    Vom Führerscheinentzug bis zur Neuerteilung vergehen in der Praxis zwölf bis achtzehn Monate. Die Sperrfrist beträgt mindestens sechs Monate, dazu kommen sechs bis zwölf Monate Abstinenznachweis. Wer das Abstinenzprogramm erst nach der Sperrfrist startet, verlängert den Prozess unnötig.

    Kann ich meinen Führerschein auch auf dem E-Scooter verlieren?

    Ja. E-Scooter gelten rechtlich als Kraftfahrzeuge. Es gelten exakt die gleichen Promillegrenzen wie für Autofahrer: 0,5 Promille als Ordnungswidrigkeit, ab 1,1 Promille absolute Fahruntüchtigkeit mit Führerscheinentzug und möglicher MPU-Anordnung.

    Habe ich nach bestandener MPU wieder einen normalen Führerschein?

    Ja. Nach bestandener MPU und Neuerteilung werden alle bisherigen Punkte in Flensburg gelöscht. Du startest mit einem sauberen Punktekonto. Die Straftat bleibt allerdings bis zur gesetzlichen Tilgungsfrist (bis zu zehn Jahre) im Verkehrszentralregister gespeichert. Eine neue Probezeit gibt es in der Regel nicht.

    Kann ich die MPU auch ohne professionelle Vorbereitung bestehen?

    Theoretisch ja, da die Vorbereitung freiwillig ist. In der Praxis fallen Schätzungen zufolge rund zwei Drittel der Teilnehmer ohne professionelle Vorbereitung durch. Wer durchfällt, zahlt für das Gutachten erneut und muss in der Regel mindestens sechs Monate bis zum nächsten Versuch warten. Die Investition in eine Vorbereitung ist daher für die meisten Betroffenen wirtschaftlich sinnvoll.

    Quellen und weiterführende Informationen

    Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
    Die Texte auf der Seite ersetzen keine medizinische Beratung.

    Mehr über das Alkoholiker-Forum: “Ehrlicher Austausch auf dem Weg aus der Sucht”

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