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Moin aus dem hohen Norden 🙂
Ich freue mich, dieses Forum gefunden zu haben. In Zeiten von Social Media & co findet online ja kaum noch „richtiger“ Austausch statt, ich fand das aber schon immer gut und hilfreich. Ich schreibe auch gerne und viel, könnte also sein, dass die Vorstellung länger wird 😅
Ich bin noch 35 Jahre, verheiratet aber getrennt lebend seit Januar diesen Jahres. Ich habe keine Kinder, dafür den (natürlich) tollsten Hund der Welt.
Meine Geschichte mit Alkohol… tja. Begann schon ganz früh im Grunde. Nicht, dass ich ihn als Kind getrunken hätte aber ich bin adoptiert und meine leibliche Mutter war Alkoholikerin. Daher wurde mir von meinen Adoptiefeltern schon früh gesagt, dass ich mit Alkohol aufpassen müsste usw. usf. Bei allen anderen Drogen hat das geklappt, ich hatte immer Angst vor einer Abhängigkeit (von Zigaretten abgesehen). Aber bei Alkohol war ich immer sicher: aufgrund des Wissens wird MIR das nicht passieren.
Alkohol wurde ein Teil meines Lebens, wie bei wahrscheinlich vielen anderen auch, als die Zeit des Ausgehens anfing. Diskos, Bars, Kneipen. Immer nur am Wochenende, dann aber oft viel. Manchmal zu viel. Das war so viele Jahre Gang und Gebe und es war „normal“. Mit Ende 20 habe ich meinen Mann kennengelernt und auch bei uns war Alkohol gegenwärtig. Auch hier: nur am Wochenende. Beim Feiern. Aber auch beim normalen Essen gehen. Mit Freunden. Meist „nur“ der Freitag, weil Samstag war man dann verkatert und hatte ja wenigstens noch den Sonntag für Ausflüge. Freitags trinken? War für mich Ritual. Auch in Zeiten von Corona oder wenn wir nicht weg waren. Ich habe mir dann das Wohnzimmer geschnappt, Kopfhörer rein und bis spät in die Nacht getanzt. Das war bis vor einigen Monaten immer noch so mein festes Ritual.
Ich habe es hier schon ein paar mal gelesen: für mich war die Kombination aus Musik, Alkohol und tanzen immer die Zeit, in der ich (vermeintlich) ehrliche Gefühle hatte. Es fühlte sich an, als sei ich ansonsten emotionslos aber in diesen Stunden konnte ich endlich mal wieder etwas fühlen. Auch die negativen Dinge. Ich weine nie. Dann ging es.
Aber alles hat auch zwei Seiten. Mit den Jahren veränderte sich meine Stimmung mit Alkohol. Je mehr ich trinke, desto destruktiver und auch teilweise aggressiver werde ich an dem Abend. Das hat sehr oft Stress mit meinem Partner ausgelöst und zum Schluss auch mit Freunden. Ich habe Dinge gesagt, die ich nüchtern nie sagen würde. Ich war immer die letzte auf der Party. Nach der Party noch zur nächsten. Ich habe in meinen Single Zeiten ziemlich riskante Dinge erlebt, die ich nüchtern nie gemacht hätte. Ich habe das als „Freiheit“ empfunden. Heute denke ich: das war wirklich dumm und gefährlich.
Im Urlaub kam es auch vor, dass ich täglich getrunken habe. Nicht zu Hause aber abends in Potugal z.B. bei dem Sonnenuntergang ein Glas Wein, einen Cocktail usw.
Ich habe zu „Hoch Zeiten“ nie täglich getrunken zu Hause. Aber es kam auch mal unter der Woche vor nach einem langen Tag. Und wie gesagt: die Freitage endeten meistens in Abstürzen.
Seit Jahren beschäftige ich mich mit den Themen gesunder Ernährung, Alkohol, Fitness usw.
Ich habe mit CrossFit angefangen vor 2 Jahren und dann auch recht schnell aufgehört zu rauchen. Das war damals ein Prozess über mehrere Monate. Es wurde immer weniger von mir aus. Bis ich es eines Tages leid war, eine so schlechte Kondition zu haben, dass ich aufgehört habe. Bis heute bin ich froh darüber und vermisse es kein Stück.
Ähnlich verhält es sich jetzt mit dem Alkohol. Ich bin im Frühjahr aus dem gemeinsamen Haus ausgezogen. Natürlich habe ich meine „Freiheit“ erstmal gefeiert. Mit dem vermeintlich „guten“ Crement für 30€ die Flasche 🙈 Selbstbetrug vom feinsten, denn der ist nicht besser für mich als eine 2€ Flasche.
Jedenfalls wurde auch das immer weniger. Das Tanzen freitags machte keinen Spaß mehr. Stattdessen habe ich Alkohol weg gelassen, um am nächsten Tag zum Sport gehen zu können.
Zuletzt habe ich mehrmals ein halb getrunkenes Bier weg gekippt, weil es nicht mehr schmeckte.
Das letzte Mal ist noch gar nicht lange her, dass ich etwas getrunken habe. Das war am 13.09., da war ich mit Freunden in einer Ferienwohnung und abends beim gemütlichen Zusammensitzen habe ich dann auch 2 Gläser mitgetrunken. Die Nacht war so beschissen danach, dass ich mich gefragt habe, ob es das wert ist?
Ich habe dann am nächsten Morgen halbherzig beschlossen, gar nichts mehr zu trinken. Es war ja eh schon extrem wenig im vergleich zu früher. Ich dachte aber, so ab und zu geht das ja schon noch.
Die Augen geöffnet hat mir allerdings eine Freundin vergangenen Sonntag. Wir waren auf einen Kaffee verabredet. Den haben wir auch getrunken. Es war dann 15 Uhr. Sie guckte in die Karte und sagte:“ ich überlege, ob ich einen Sekt oder einen Champagner bestelle. Ab morgen will ich ja erstmal 6 Wochen auf Alkohol verzichten bis Halloween, war ein bisschen viel die letzten Wochen.“
Ich erwiderte daraufhin, dass ich keinen Alkohol bestellen möchte, sie das aber gerne machen kann. Ich würde eine Saft Schorle nehmen. In dem Moment habe ich das Unbehagen in ihren Augen gesehen. Die Stimmung kippe leicht, kaum merklich. Aber mir war klar, sie hätte gerne mit mir zusammen getrunken.
Das war das erste Mal, dass ich es andersherum erlebt habe - sonst war ich wohl immer diejenige?
Diese kaum merkliche Enttäuschung in dem Blick, dass ich jetzt nichts alkoholisches mit bestellt habe, mich in dem Moment extrem wach gerüttelt, mir den Spiegel vorgehalten und mein Vorhaben verstärkt, dass ich das für mein Leben nicht mehr brauche.
Es gab also nicht den „Klick“ Moment. Wobei doch, irgendwie schon. Letzten Sonntag. Aber der Weg dahin war lang…
Ich freue mich hier mitlesen zu können und freue mich auf den Austausch.
Und danke, wer bis hierhin gelesen hat.
Herzlich Willkommen bei uns und vielen Dank für Deine tolle Vorstellung. Ich bin sicher, Du wirst Dich bei uns ehr wohl fühlen. Bernd und ich passen hier sehr auf einen wertschätzenden, freundlichen Umgangston auf. Und ohnehin müssen wir eigentlich nie einschreiten, es sind einfach nur tolle Leute hier 🙂
Liebe Grüße und alles Gute, viel Erfolg
Gaby
@serazilla Danke für deinen Bericht. Es klingt sehr viel Selbstreflektion bereits daraus. Ein wichtiger Schritt.
Lese dich ein, und schreibe wenn du magst.
Herzlich willkommen auch von mir.
@serazilla Herzlich willkommen und weiterhin viel Erfolg! Das liest sich ja wie allmähliches Ausschleichen. Gut so, das Leben ohne Nervengift ist definitiv besser als zuvor, und bei enttäuschten Freunden muss sich weisen, ob sie Saufkumpane oder echte Freunde waren. Kann man nicht vorhersagen, meine persönliche Erfahrung ist, dass einige bleiben, aber bei doch so einigen der Fusel Treibstoff der Freundschaft war.
Viel Erfolg und lass von Dir lesen!
Auch von mir ein herzliches Willkommen hier im Forum. Aus Deiner Vorstellung lese ich einen sehr bewußten Umgang mit Alkohol und Deinen Erfahungen.
Viel Glück und Erfolg auf Deinem Weg in den Ausstieg!
LG, Natarie
Viel Erfolg, serazilla!
Herzlichen Dank für Deine Vorstellung und die Darstellung Deines Hintergrundes! Du bist auf einem guten Weg, vielleicht schaffst Du bald den kompletten Cut?
Ich wünsche es Dir von Herzen und freue mich auf Deine Berichte.
Ein fröhliches Willkommen sendet Dir, Birgitta
@serazilla und natürlich auch von mir ein herzliches Willkommen hier bei wunderbaren Menschen!!





