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Yoga gegen Sucht

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Yoga bedeutet: „Das zur Ruhe bringen der Gedanken im Geist.“ Kurz: Den Kopf still bekommen. So steht es in Sanskrit im Patanjalis Yoga-Sutra 1.2. „Yoga citta vritti nirodha“

Unser Leben ist geprägt von von Stress, immer gegen die Uhr arbeiten, zu wenig Pausen und allgegenwärtigem Druck. Das alles nicht nur im Job, sondern auch nach Feierabend. Den Kopf nach einem solchen Turbotag auf Knopfdruck wieder ruhig zu bekommen ist nicht leicht. Manche greifen deshalb zu Drogen wie Alkohol oder Marihuana.

Mir ging es nicht anders.

Während meiner Therapiezeit durfte ich eine Yoga-Stunde geben und zitierte: „Yoga citta vritti nirodha.“ Mit einem durchschlagenden Effekt: Ich schaute überrascht in Gesichter, die mir vollkommen fasziniert zuhörten und einhellig sagten: „Das ist es! Genau DAS ist, was wir wollen! Endlich den Kopf ruhig kriegen.“

Mir fiel es wie Schuppen von den Augen: Dieser Satz ist für uns Suchterkrankte geschrieben worden.

Nein, natürlich nicht.

Trotzdem ließ mich das Thema nicht mehr ruhen. Heute bin ich zutiefst überzeugt, das Yoga die Abstinenz von Suchterkrankten perfekt unterstützen kann.

Warum? Wir Suchtkranken haben Emotionen mit unserer Droge abgetötet, still gelegt, ruhig gestellt. Wir brauchen also unsere negativen Gefühle nicht mehr aushalten. Wir brauchen uns selbst nicht aushalten. Wir haben den Zugang zu uns selbst verloren. Je länger die Sucht besteht, umso schwerer fällt es, Gefühle abstinent – das heisst ohne Drogen wie Alkohol – auszuhalten.

Yoga besteht nicht aus den Verknotungen, die uns die Bilder aus Indien und Co. weismachen wollen. Yoga ist eine Lebenseinstellung. Yoga kann dabei helfen, uns wieder zu fühlen, achtsam in uns rein zuhorchen, uns zu spüren. All das, was wir wieder lernen dürfen, um Mensch sein zu können. Erst, wenn wir uns wieder zu spüren zu vermögen, können wir auch abschätzen, was uns gerade als Gefühl übermannt: Ist es Traurigkeit, Einsamkeit, Angst vor irgendwas.

Mit diesen Gefühlen können wir lernen umzugehen und müssen sie nicht mehr betäuben. Yoga lehrt uns auszuhalten. Denn auch Traurigkeit, Einsamkeit und Angst darf sein. Wir dürfen sicher sein, dass jeder Gefühlszustand wieder vorbei geht. Und dass das Glück zu uns zurückkehren wird. Kurz: Zu spüren und zu wissen, dass nach Regen auch wieder Sonnenschein kommt.

Süchtige suchen das Dauerglück in ihrer Droge. Yoga zeigt, dass es auch wieder anders geht. Schlechte Momente gehen vorüber. Nichts bleibt. Nur der Moment im Jetzt – und der ist eine Sekunde später auch wieder weg.
Wenn wir wieder lernen achtsamer mit uns zu sein, sind wir in der Lage auf unsere Gefühle rechtzeitiger zu reagieren und nicht erst dann, wenn es zu spät ist und der Rückfall uns vermeintlich überrascht.

Wenn wir sorgsamer mit uns umgehen lernen, hat das Konsequenzen auf unser Umfeld, beruflich, wie auch privat. Vielleicht stelle ich in Frage, wie es privat bei mir läuft? Möchte ich es so oder lieber anders? Bin ich glücklich mit meinem Job? Bin ich zufrieden, wie mein Leben läuft? Das kann einen Prozess der Abstinenz, einer Therapie durchaus unterstützen.

Wenn wir in der Lage sind, mit uns liebevoller umzugehen und zu akzeptieren was ist und wie wir sind, wer wir sind, jetzt und hier, dann bestehen gute Chancen, dass wir das auch an sämtliche unserer Beziehungen weitergeben können.

Das alles ist ein Prozess, nichts gelingt von jetzt auf gleich. Besonders das Thema Achtsamkeit habe ich in meiner Therapie gelernt, ist sehr schwierig zu verstehen, böhmische Dörfer, sozusagen.

Was wir nicht als Kind gelernt haben, was uns nicht vorgelebt wurde, was wir beim Aufwachsen nicht erfahren haben oder uns aberkannt wurde, hat uns zu dem unter anderem gemacht, was wir sind. Brüsk bürsten wir das Wort „Achtsamkeit“ als Spinnerei bei Seite.

Das ist ok. Nicht jeder kann mit diesem Thema etwas anfangen. Und manchmal brauchen wir Zeit zu verstehen. Manchmal dauert es Jahre und dann denken wir: Ach so, das ist damit gemeint! Gut ist, dass Hans durchaus lernen kann, was Hänschen nicht gelernt hat.

Jeder kann Yoga. Egal wie alt. Egal wie wenig Sport Du vorher gemacht hast, und es hat nichts mit körperlicher Flexibilität zu tun.

Wenn Du Lust hast, etwas Neues auszuprobieren, lade ich Dich herzlich ein – mehr dazu im kostenlosen und anonymen Forum von Alkohol adé.

Bild von StockSnap auf Pixabay

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