Heute feiere ich 100 Tage alkoholfrei, ein Grund zum Schreiben. Wie ich inzwischen gelernt habe, war ich eine Entspannungstrinkerin, wie so viele andere hier auch. Ich habe versucht, meine Depression mit dem Alkohol zu unterdrücken. Von der Abwärtspirale muss ich hier nicht schreiben. Jedenfalls hatte ich im Dezember 2025 erkannt, dass es so nicht weitergeht, ich wollte weniger trinken, aufhören war zunächst nicht das Ziel. Also zuerst der Dry January, dann 6 Wochen Fastenzeit. Wie gesagt, ich wollte erst einmal nur weniger trinken. Nach der Fastenzeit also wieder mal Wein oder auch ein Bier getrunken, tatsächlich weniger als früher, aber da spielte auf einmal mein Nervenkostüm verrückt, überempfindlich und von Ängsten geplagt. In der Zeit habe ich Podcasts gehört und viel gelesen, auch die Bücher von Gaby. Und da machte es auf einmal tatsächlich Klick „Antipressivum und Alkohol“ passen nicht zusammen. …
Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkoholiker-Forum von Alkohol adé.
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Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Antidepressiva und Alkohol – warum Alkohol der Behandlung entgegenwirkt?
Was hier beschrieben wird, ist ein klassisches Muster: Entspannungstrinken als Versuch, eine bestehende Depression selbst zu behandeln. Alkohol erzeugt kurzfristig eine trügerische Erleichterung – langfristig verschlechtert er depressive Symptome jedoch erheblich und kann die antidepressive Behandlung untergraben. Gleichzeitig verstärkt die Kombination häufig unerwünschte Wirkungen wie Müdigkeit, Benommenheit oder eingeschränkte Reaktionsfähigkeit. Die beschriebene Überempfindlichkeit und Angst nach erneutem Trinken sind typische Zeichen eines aus dem Gleichgewicht geratenen GABA-Glutamat-Systems. Dass der entscheidende Klick erst nach mehreren Anläufen kam, ist kein Versagen, sondern ein häufiger und normaler Verlauf. 100 Tage Abstinenz geben dem Gehirn erstmals genug Zeit für echte Neuroplastizität – die neurobiologische Grundlage dafür, dass sich Stimmung und Belastbarkeit nachhaltig verbessern.
Häufig gestellte Fragen zu •••• (FAQ)
Warum verschlimmert Alkohol eine Depression?
Alkohol wirkt kurzfristig entspannend, senkt aber auf Dauer den Serotoninspiegel und stört den Schlaf. Beides sind zentrale Faktoren, die eine Depression aufrechterhalten oder vertiefen. Zudem kann Alkohol die Wirkung von Antidepressiva abschwächen oder aufheben.
Kann man Antidepressiva nehmen und trotzdem Alkohol trinken?
Medizinisch wird davon klar abgeraten. Alkohol kann depressive Symptome verschlechtern und die antidepressive Behandlung beeinträchtigen. Gleichzeitig können sich unerwünschte Arzneimittelwirkungen wie Müdigkeit oder Benommenheit verstärken. Art und Ausmaß der Wechselwirkung hängen vom jeweiligen Wirkstoff ab.
Wie lange dauert es, bis sich die Stimmung nach dem Aufhören stabilisiert?
Die akute Entzugsphase dauert wenige Tage bis Wochen. Bis sich Stimmung und emotionale Belastbarkeit spürbar stabilisieren, vergehen oft 8–12 Wochen. Danach setzt eine Phase ein, in der das Gehirn zunehmend von seiner Neuroplastizität profitiert.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
Die Texte auf der Seite ersetzen keine medizinische Beratung.
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