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Mein Umfeld findet meinen Alkoholkonsum „ganz normal“ – ich nicht

Nachdenklicher Mann sitzt abends mit zwei Freunden bei Bier in geselliger Runde. Während die anderen lachen und entspannt wirken, schaut er still und innerlich distanziert zur Seite. Ein Freund legt ihm freundschaftlich die Hand auf die Schulter. Warmes Abendlicht, Kneipen- oder Terrassenatmosphäre.

So zieht sich das nun durch die letzten 20 Jahre, ich saufe mal mehr, mal weniger. Meist 2-3 Pullen Bier am Tag, am WE auch mal 4-5 Pullen und auf Feiern schon mal bis zum torkeln… Seit Sonntag habe ich nun nix getrunken und es geht mir ganz gut damit. Doch das ist noch gar nix, kenn´ ich ja bestens.

Worum es mir geht ist, dem Suff endgültig eine Absage zu erteilen. Das dies eine Entscheidung bedeutet ist mir bewusst. Genauso bewusst ist mir auch, dass der Alkohol bei der nächsten Gelegenheit wieder anklopft, Party, Kumpels, usw. und dann geht die ganze Kirmes von „alles halb so wild“ mit dem nachfolgendem Prozedere wieder von vorn los.

Tatsache ist, für dieses Thema finde ich draussen keine Ansprechpartner, denn alle halten mich für gesund – und ich sollte mir mal nicht so viele Gedanken machen; sorry, was für ein Blödsinn, ich mag mir sowas nicht mehr anhören. …

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Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek

Was steckt dahinter, wenn das Umfeld den eigenen Alkoholkonsum als harmlos bewertet – und warum fällt es so schwer, mit dem Trinken aufzuhören, obwohl man selbst spürt, dass etwas nicht stimmt?

Was dieser Beitrag beschreibt, ist klinisch gut bekannt: Das soziale Umfeld unterschätzt Alkoholprobleme systematisch, weil sich funktionaler Alkoholismus nach außen oft unauffällig zeigt. Zwei bis drei Flaschen Bier täglich über zwanzig Jahre sind keine Bagatelle – das entspricht einer täglichen Alkoholmenge, die das Risiko für Lebererkrankungen, Bluthochdruck und neurologische Schäden deutlich erhöht. Das Wissen um den eigenen Craving-Mechanismus – dass Alkohol bei der nächsten Party, beim nächsten Treffen mit Freunden „anklopft” – zeigt eine realistische Selbsteinschätzung, die therapeutisch wertvoll ist. Der Wunsch, dem Suff „endgültig eine Absage zu erteilen”, ist keine Überreaktion, sondern eine angemessene Antwort auf ein verfestigtes Konsummuster. Dass Betroffene mit diesem Thema im Alltag allein bleiben, weil Freunde und Familie keinen Handlungsbedarf sehen, ist eine der zentralen Hürden auf dem Weg zur Abstinenz.

Häufig gestellte Fragen zum Thema Alkoholsucht und soziales Umfeld (FAQ)


Wie viel Alkohol ist wirklich noch normal?

Medizinisch gilt bereits ein täglicher Konsum von mehr als 20 g reinem Alkohol bei Männern (etwa 0,5 Liter Bier) als riskant. Wer dauerhaft zwei bis drei Flaschen Bier täglich trinkt, überschreitet diese Grenze regelmäßig – auch wenn das Umfeld das anders bewertet.


Warum sehen Freunde und Familie mein Alkoholproblem nicht?

Funktionaler Alkoholismus bleibt nach außen oft unsichtbar: Betroffene erfüllen ihre Alltagspflichten, wirken stabil. Das Umfeld orientiert sich an gesellschaftlichen Trinkgewohnheiten, nicht an medizinischen Grenzwerten – und unterschätzt das Problem daher strukturell.


Was tun, wenn man mit dem Trinken aufhören will, aber niemanden zum Reden hat?

Der erste Schritt ist, sich Unterstützung außerhalb des eigenen sozialen Kreises zu suchen: Selbsthilfegruppen, anonyme Online-Communities oder ein offenes Gespräch mit dem Hausarzt bieten einen geschützten Rahmen, der im Freundeskreis oft fehlt.



 

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