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„Ist grad ungünstig aufzuhören“ – wer so redet ist noch nicht so weit

Eine Frau Mitte 50 steht am Morgen nach einer Gartenparty mit einer Kaffeetasse in der offenen Terrassentür und blickt nachdenklich auf einen verwüsteten Gartentisch voller leerer Bier- und Weinflaschen, Gläser und zerknüllter Servietten. Warmes Morgenlicht, ruhige melancholische Stimmung.

Meiner Erfahrung nach kommt der Punkt an dem man entscheidet aufzuhören aus einem selbst. Ich hab „spontan“ aufgehört, am Tag nach einer Gartenparty, wo der Alkohol eine große Rolle gespielt hat und mich total angewidert hat. Ich hatte aber schon sehr lange drüber nachgedacht und mich auch informiert. An diesem Tag hab ich dann Nägel mit Köpfen gemacht …

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Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek

Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Alkoholentzug – und warum fühlt er sich für viele Betroffene nie günstig an?

Der Satz „Ist grad ungünstig” ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein typisches Muster im Vorbereitungsprozess: Das Gehirn sucht nach Gründen, den Status quo zu erhalten – ein gut dokumentierter Mechanismus des Suchtgedächtnisses. Der Entschluss zur Abstinenz reift selten linear; er entsteht oft über Monate des stillen Nachdenkens, bevor ein konkreter Moment – wie hier die Gartenparty – zum Auslöser wird. Dieser „Wendepunkt” ist nicht zufällig: Ekel, Scham oder körperliche Erschöpfung können das Belohnungssystem kurzzeitig außer Kraft setzen und den Entschluss freisetzen, der längst vorbereitet war. Wer noch keine innere Bereitschaft spürt, ist nicht gescheitert – er steht an einer früheren Stelle im selben Prozess.

Häufig gestellte Fragen zur Entscheidung für Abstinenz (FAQ)

Muss der Entschluss aufzuhören aus einem selbst kommen?

Ja – das zeigt die Forschung deutlich. Äußerer Druck kann kurzfristig wirken, aber nachhaltige Abstinenz entsteht fast immer aus einer inneren Entscheidung heraus. Die gute Nachricht: Diese Bereitschaft kann wachsen, oft über einen langen Zeitraum des Nachdenkens.


Warum gibt es immer einen „ungünstigen Zeitpunkt

Das Gehirn eines abhängigen Menschen ist darauf trainiert, den Alkoholkonsum zu schützen. Gründe wie Stress, ein bevorstehendes Fest oder private Belastungen sind real – aber sie sind auch Teil des Musters. Einen perfekten Zeitpunkt für den Alkoholentzug gibt es selten. Viele Menschen berichten, dass sie einfach an einem bestimmten Tag aufgehört haben.


Was tun, wenn man zwar aufhören will, aber noch nicht bereit ist?

Informieren, lesen, mit anderen Betroffenen sprechen – all das ist sinnvolle Vorbereitung. Wer sich schon mit dem Thema Alkoholismus auseinandersetzt, ist dem Entschluss näher als er denkt. Kleine Schritte – wie das Beobachten der eigenen Trinkmuster – können die innere Bereitschaft stärken.

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