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Surreale Krankenhauszimmerszene im Stil von Vincent van Gogh: Eine Frau in brauner Wildlederjacke scheint geisterhaft durch die Wand zu treten, während eine bedrohlich übergewichtige Gestalt hinter einem Vorsprung hervorlugt. Im Spiegel lachen verzerrte Fratzen. Auf dem Boden liegen bunte Stabilo-Stifte wie in einem grotesken Tanz verteilt. Unter einem Bett ragt der Körper einer alten Frau hervor. Zwei Katzen sitzen im Vordergrund und schauen aufmerksam zum Betrachter. Ein schwerer Mann im offenen OP-Hemd sitzt mit dem Rücken zur Szene auf einem Krankenbett. Das ganze Bild wirkt wirbelnd, fiebrig und halluzinatorisch – wie ein Albtraum während eines Alkoholdelirs.

Alkoholdelir: Wenn das Gehirn im Entzug die Kontrolle verliert

Von Dr. med. Bernd Guzek

Um 23.30 Uhr geht der Film los. Eine Frau in einer braunen Wildlederjacke betritt das Zimmer – aber nicht durch die Tür. Sie kommt durch die Wand. Auf dem Boden tanzen Hunderte Stabilo-Boss-Stifte im Takt. Unter dem Bett liegt eine Leiche. Aus dem Spiegel grinsen Fratzen.

Rainer, ein Alkoholiker im Entzug, liegt auf einer Krankenhausstation. Er ruft niemanden. Denn für ihn ist das alles real.

Das ist kein Horrorfilm. Das ist ein Alkoholdelir – und es kann jeden treffen, dessen Körper jahrelang mit Alkohol funktioniert hat und diesen Alkohol plötzlich nicht mehr bekommt.

Rainer hatte damals keine Ahnung, was mit ihm passierte. Der Arzt, der wenig später mit einem roten Koffer an sein Bett trat, hielt ihm die Hand hin und bat ihn, den Faden zu nehmen – es war kein Faden da. Ein klassischer Test. Kurz darauf Distraneurin, hochdosiert. Die Frau auf dem Stuhl lächelte ein letztes Mal, stand auf und verließ den Raum – wieder durch die Wand. Dann war sie weg. Alles war weg. Rainer hatte Glück gehabt. Den vollständigen Bericht kannst Du hier lesen.

Van Gogh hat es auch erwischt

Am Vorweihnachtsabend des Jahres 1888 schnitt sich Vincent van Gogh in Arles das linke Ohr ab. Was danach kam, ist in der Kunstwelt lange falsch eingeordnet worden – als Ausdruck von Wahnsinn, von Kummer, von Genialität und Zerrissenheit. Forscher der Universität Groningen haben 2020 eine andere Erklärung vorgelegt, die klinisch sehr viel schlüssiger ist: Van Gogh war spätestens seit 1886 schwer alkoholabhängig. Wein in großen Mengen, dazu Absinth – ein Bild davon hat er selbst gemalt. Als er nach der Verletzung ins Krankenhaus eingeliefert wurde, bekam er keinen Alkohol mehr. Und rutschte ins Delir.

Zwischen Dezember 1888 und Mai 1889 wurde er dreimal hospitalisiert. Dann die geschlossene Psychiatrie. Dort, so überliefern es die Akten, habe er „absolut keinen eigenen Willen mehr gezeigt, keine Wünsche mehr.” Im Sommer 1890 schoss er sich in die Brust. Zwei Tage später war er tot. Er wurde nur 37 Jahre alt.

Die Groninger Forscher selbst warnen ausdrücklich vor einer zu sicheren Interpretation – retrospektive Diagnosen an historischen Persönlichkeiten haben ihre Grenzen, und das Van-Gogh-Museum Amsterdam teilt diese Vorsicht. Aber als Anschauungsfall taugt die Geschichte trotzdem: Ein Mensch auf dem Höhepunkt seines Schaffens, ein unkontrollierter Entzug, ein Delir – und eine Spirale, aus der er nie wieder herauskommt. Mehr dazu in unserem Beitrag über Van Gogh.

Was im Gehirn passiert: das Gleichgewicht kippt

Um zu verstehen, warum ein Delir entsteht, muss man kurz ins Gehirn schauen – und auf zwei Botenstoffe, die sich dort normalerweise die Waage halten.

Der eine heißt GABA. Er ist der Beruhiger des Nervensystems – der Stoff, der dafür sorgt, dass das Gehirn nicht im Dauerlauf heiß läuft. Der andere heißt Glutamat. Er ist der Beschleuniger – zuständig für Erregung, Wachheit, Reaktion. Beide brauchen einander. Zu viel Bremse macht träge, zu viel Gas macht kaputt.

Alkohol drückt jahrelang auf die Bremse. Das Gehirn gewöhnt sich daran. Es fährt das eigene GABA-System herunter und dreht gleichzeitig die Glutamat-Empfindlichkeit hoch – weil es sich sonst selbst betäuben würde. Eine Art Gegenregulierung. Das Gehirn hält die Balance, solange Alkohol im Blut ist.

Fällt der Alkohol weg, bricht diese Balance sofort zusammen. Die Bremse fehlt. Das Gas ist auf Maximum eingestellt. Das Gehirn läuft heiß. Gleichzeitig schießen Stresshormone in die Höhe – allen voran Noradrenalin, der körpereigene Alarmbotenstoff. Das Herz jagt, der Blutdruck steigt, die Schweißdrüsen laufen auf Hochtouren, die Hände zittern. Und das Gehirn produziert Bilder, Stimmen, Wesen – die sich von der Realität nicht unterscheiden lassen.


Frau sitzt nachdenklich vor einem Glas Rotwein, skeptischer Gesichtsausdruck, Buchcover „Tryptophan und 5-HTP" von Dr. med. Bernd Guzek, Headline: „Entspannung aus der Flasche?", Auffanger: „Oft fehlt nur ein natürlicher Stoff"

Dazu kommt ein weiterer Faktor, der bei schwer Alkoholkranken fast immer eine Rolle spielt: Thiaminmangel, also ein Mangel an Vitamin B1. Thiamin brauchen die Nervenzellen, um überhaupt Energie zu erzeugen. Chronischer Alkoholkonsum untergräbt die Aufnahme dieses Vitamins systematisch. Im Delir können deshalb zusätzlich Gehirnbereiche akut Schaden nehmen – das nennt sich Wernicke-Syndrom, und es kann bleibende Gedächtnis- und Orientierungsschäden hinterlassen.

Die Zeitachse: wann es gefährlich wird

Das Delir kommt nicht plötzlich aus heiterem Himmel. Es baut sich auf. Sechs bis 24 Stunden nach dem letzten Glas beginnen die ersten Entzugssymptome – Schwitzen, Zittern, innere Unruhe, Herzrasen. In den ersten 48 Stunden ist das Krampfrisiko am höchsten. Zwei bis vier Tage nach dem letzten Konsum erreicht das Vollbild des Delirs seinen Höhepunkt – in seltenen Fällen hält es bis zu zehn Tage an.

Dazwischen liegt das Prädelir: der Zustand, in dem das Gehirn schon aus dem Ruder läuft, aber noch kein vollständiges Delir zeigt. Schlaflosigkeit, Angst, Schreckhaftigkeit, erste flüchtige Wahrnehmungsstörungen. Viele Betroffene – und ihre Angehörigen – unterschätzen diesen Moment. Das ist der gefährlichste Fehler.

Hinzu kommt der sogenannte Kindling-Effekt: Jeder unbehandelte Entzug macht das nächste Delir wahrscheinlicher, schneller und schwerer. Das Gehirn hat gelernt, wie es geht. Wer einmal ein Delir hatte, hat beim nächsten Entzug einen deutlich kürzeren Weg dorthin.

Was Betroffene erleben – und was Angehörige sehen

Wer im Delir ist, erlebt eine vollständige Umkehrung der Realität – und merkt es in den meisten Fällen nicht. Rainer hat das sehr präzise beschrieben: Er fand die tanzenden Filzstifte auf dem Boden „normal, zumindest nicht ungewöhnlich.” Die Leiche unter dem Bett störte ihn, aber er zweifelte nicht an ihrer Existenz. Die Frau auf dem Stuhl – die für Arzt und Bettnachbarn schlicht nicht da war – war für Rainer so real wie der Schrank neben ihr.

Das ist das Wesen der Delir-Halluzination: Sie unterscheidet sich subjektiv nicht von der Wahrnehmung der Wirklichkeit. Kein inneres Signal sagt „Achtung, das ist falsch.” Das Gehirn hat aufgehört, zwischen innen und außen zu unterscheiden.

Für Angehörige sieht das anders aus – und oft erschreckender. Sie sehen jemanden, der mit Menschen spricht, die nicht da sind. Der nicht mehr weiß, welcher Tag ist. Der auf Ansprache nicht reagiert oder wirres Zeug antwortet. Der schwitzt, zittert, dessen Herz rast – sichtbar und hörbar. Und der trotzdem nicht um Hilfe ruft, obwohl sie direkt daneben stehen. Das ist nicht Sturheit. Das Gehirn hat in diesem Zustand schlicht nicht mehr die Kapazität, einen Notruf zu organisieren.

Wichtig für alle, die jemanden durch einen Entzug begleiten: Wer im Delir keinen Hilferuf absetzt, tut das nicht, weil er keine Hilfe braucht. Er ist dazu nicht mehr in der Lage.

Was jetzt zu tun ist: Notruf

Notruf. Das ist die einzige richtige Antwort auf ein Prädelir oder ein Delir. Nicht morgen, nicht nach dem nächsten Schluck Wasser, nicht nach einem kurzen Abwarten. Sofort.

Bis der Rettungsdienst da ist: Lass den Betroffenen nicht allein. Sorge dafür, dass er nicht stürzt. Versuch nicht, ihn aus der Halluzination herauszureden – das macht ihn unruhiger und aufgewühlter, und sein Herz hat gerade genug zu tun. Halte ihn nicht fest. Wenn er sich bewegt, begleite ihn, sicher ihn ab.

Das klingt wenig. Es ist aber genau das Richtige.

Du bist unsicher, ob es schon ein Delir ist oder noch „nur” ein schwerer Entzug? Unser Selbsttest nach PAWSS kann Dir helfen, das Risiko einzuschätzen. Aber er ersetzt keine ärztliche Einschätzung – und im Zweifel gilt: lieber einmal zu früh angerufen.

Was in der Klinik passiert

Ein Delir gehört auf eine überwachte Station – idealerweise Intensivmedizin oder zumindest eine Intermediate-Care-Einheit – weil sich der Zustand innerhalb von Stunden dramatisch verändern kann und das nur mit lückenloser Überwachung sicher zu beherrschen ist.

Der medizinische Standard sieht mehrere Maßnahmen gleichzeitig vor. Benzodiazepine – Medikamente wie Diazepam oder Lorazepam – oder alternativ Clomethiazol (Distraneurin) werden eingesetzt, um das überhitzte Gehirn zu beruhigen und Krampfanfälle zu verhindern. Sie wirken am gleichen Andockpunkt wie Alkohol. Sie geben dem Gehirn die Bremse zurück, die der Alkohol ihm weggenommen hat, und ermöglichen einen kontrollierten Rückgang der Übererregung.

Gleichzeitig bekommt der Patient Thiamin – und zwar vor jeder Zuckerlösung per Infusion. Gäbe man dem ausgelaugten Körper Zucker, bevor das Vitamin B1 aufgefüllt ist, kann das das Wernicke-Syndrom auslösen oder beschleunigen. Außerdem werden Mineralstoffe ausgeglichen – vor allem Magnesium, Kalium und Phosphat, die bei chronisch Alkoholkranken fast immer im Keller sind und deren Mangel das Risiko für Krampfanfälle und Herzprobleme weiter erhöht.

Benzos: lebensrettend – aber nur kurz

Hier ist ein Punkt, der in der Nachsorge zu selten klar gesagt wird. Benzodiazepine sind im akuten Delir lebensrettende Medikamente. Ohne sie sterben Menschen. Das ist keine Übertreibung – wer ein Delirium tremens unbehandelt durchlebt, hat eine Sterblichkeitsrate von bis zu 20 Prozent.

Aber: Benzodiazepine machen selbst abhängig. Sie funktionieren nach dem gleichen Grundprinzip wie Alkohol – beide drücken auf dieselbe Bremse im Gehirn, beide beruhigen das Nervensystem, und beide erzeugen bei längerem Gebrauch eine körperliche Abhängigkeit mit einem eigenen Entzug, der dem Alkoholentzug verblüffend ähnelt. Wer zu lange auf Benzos läuft, tauscht unter Umständen eine Sucht gegen eine andere.

Das ist kein Argument gegen Benzos im Akutfall – da sind sie alternativlos. Es ist ein Argument dafür, nach der Akutphase genau hinzusehen und die Dosis konsequent zu reduzieren. Wer nach einem Klinikaufenthalt mit einem länger laufenden Benzodiazepin-Rezept nach Hause geschickt wird, sollte das aktiv ansprechen und hinterfragen.

Wie man erst gar nicht ins Delir kommt

Die wichtigste Antwort auf diese Frage ist unspektakulär: keinen unkontrollierten Entzug alleine durchziehen. Wer alkoholabhängig ist, dessen Gehirn hat sich über Monate oder Jahre auf Alkohol eingestellt. Es kann diesen Alkohol nicht von einem Tag auf den nächsten einfach abschalten – es braucht medizinische Begleitung, die diesen Prozess abfedert.

Das klingt nach einer Selbstverständlichkeit. Ist es aber nicht. Viele Betroffene versuchen es alleine – aus Scham, aus Angst vor dem Krankenhaus, aus dem Gefühl, „es diesmal selbst zu schaffen.” Manche überleben das. Manche nicht.

Wer sich nicht sicher ist, wie hoch das eigene Entzugsrisiko ist, kann das mit unserem PAWSS-Selbsttest einschätzen. Er hilft dabei grob einzuschätzen, ob ein ärztlich begleiteter Entzug zu Hause vertretbar ist – oder ob es die Klinik sein muss.

Mehr im Lexikon: Prädelir | Delirium tremens | Kindling-Effekt | Benzodiazepine | Wernicke-Enzephalopathie

Häufig gestellte Fragen zum Alkoholdelir (FAQ)


Was ist ein Alkoholdelir?

Ein Alkoholdelir – medizinisch Delirium tremens – ist ein lebensbedrohlicher Zustand, der entstehen kann, wenn ein schwer alkoholabhängiger Mensch plötzlich aufhört zu trinken. Das Gehirn, das sich über Monate oder Jahre auf Alkohol als Dämpfungsmittel eingestellt hat, verliert beim Entzug schlagartig die Balance: Es läuft auf Hochtouren, produziert Halluzinationen, Verwirrtheit und einen vegetativen Sturm aus Herzrasen, Schwitzen und Zittern. Das ist kein Ausdruck von Schwäche – das ist Biochemie.

Wie entsteht ein Alkoholdelir im Gehirn?

Alkohol drückt jahrelang auf die Bremse des Nervensystems, indem er den beruhigenden Botenstoff GABA verstärkt und den Beschleuniger Glutamat unterdrückt. Das Gehirn gewöhnt sich daran und reguliert dagegen: Es fährt sein eigenes GABA-System herunter und dreht die Glutamat-Empfindlichkeit hoch. Fällt der Alkohol plötzlich weg, ist die Bremse weg – aber das Gas steht noch auf Maximum. Das Gehirn läuft heiß, Stresshormone schießen in die Höhe, und es entstehen Bilder, Stimmen und Wesen, die sich von der Realität nicht unterscheiden lassen. Das Gehirn macht das einfach – weil es gerade nicht anders kann.

Wann nach dem letzten Drink beginnt ein Alkoholdelir?

Das Delir kommt nicht sofort. Sechs bis 24 Stunden nach dem letzten Glas beginnen die ersten Entzugssymptome: Schwitzen, Zittern, Herzrasen, innere Unruhe. In den ersten 48 Stunden ist das Risiko für Krampfanfälle am höchsten. Das Vollbild des Delirs erreicht seinen Höhepunkt zwei bis vier Tage nach dem letzten Konsum – in seltenen Fällen hält es bis zu zehn Tage an. Dazwischen liegt das Prädelir: ein Warnzustand, den viele Betroffene und Angehörige unterschätzen. Das ist der gefährlichste Fehler.

Wie erkenne ich als Angehöriger ein Alkoholdelir?

Wer im Delir ist, ruft in der Regel nicht um Hilfe – nicht weil er keine braucht, sondern weil sein Gehirn dazu nicht mehr die Kapazität hat. Was Du von außen siehst: Die Person spricht mit Menschen, die nicht da sind. Sie weiß nicht mehr, welcher Tag oder wo sie ist. Sie reagiert kaum auf Ansprache oder antwortet wirr. Sie schwitzt stark, zittert, ihr Herz rast sichtbar. Sie kann stürzen. Das alles zusammen – sofort den Notruf rufen.

Was soll ich tun, wenn jemand ein Alkoholdelir hat?

Notruf rufen – sofort, nicht abwarten. Bis der Rettungsdienst da ist: Die Person nicht allein lassen, Stürze verhindern, ruhig bleiben. Nicht versuchen, sie aus der Halluzination herauszureden – das macht sie unruhiger und aufgewühlter, und ihr Herz hat gerade genug zu tun. Nicht festhalten. Wenn sie sich bewegt, begleiten und absichern. Mehr ist zu Hause nicht möglich – und mehr ist auch nicht nötig. Der Rest ist Aufgabe der Klinik.

Wie gefährlich ist ein Alkoholdelir?

Sehr. Wer ein Delirium tremens unbehandelt durchlebt, hat eine Sterblichkeitsrate von bis zu 20 Prozent. Die häufigsten Todesursachen sind Herzversagen, Herzrhythmusstörungen, unkontrollierte Krampfanfälle und Lungenentzündungen durch Verschlucken. Behandelt in der Klinik sinkt das Risiko auf unter zwei Prozent. Der Unterschied zwischen diesen beiden Zahlen ist der Notruf.

Was passiert im Krankenhaus bei einem Alkoholdelir?

Das Delir gehört auf eine überwachte Station. Die Ärzte geben Benzodiazepine oder Clomethiazol (Distraneurin), um das überhitzte Gehirn zu beruhigen und Krampfanfälle zu verhindern. Vitamin B1 (Thiamin) wird zwingend vor jeder Infusion gegeben – sonst kann es zu zusätzlichen Hirnschäden kommen. Außerdem werden fehlende Mineralstoffe wie Magnesium, Kalium und Phosphat aufgefüllt, die bei Alkoholkranken fast immer erschöpft sind. Der gesamte Körper wird stabilisiert, nicht nur das Gehirn.

Sind Benzodiazepine beim Alkoholdelir gefährlich?

Im Akutfall sind sie lebensrettend – ohne sie sterben Menschen. Aber: Benzodiazepine machen selbst abhängig. Sie funktionieren nach dem gleichen Prinzip wie Alkohol, drücken auf dieselbe Bremse im Gehirn und erzeugen bei längerem Gebrauch eine körperliche Abhängigkeit mit einem eigenen Entzug. Wer nach dem Klinikaufenthalt länger auf Benzos läuft, tauscht unter Umständen eine Sucht gegen eine andere. Im Akutfall unverzichtbar – danach so schnell wie möglich wieder runter, unter ärztlicher Aufsicht.

Kann ein Alkoholdelir auch zu Hause auftreten – ohne Klinik?

Ja – und genau das ist das Problem. Viele Betroffene versuchen den Entzug alleine, aus Scham oder aus dem Gefühl, es diesmal selbst zu schaffen. Manche überleben das. Manche nicht. Das Gehirn eines schwer Alkoholabhängigen kann nicht einfach von einem Tag auf den nächsten abschalten – es braucht medizinische Begleitung. Wer unsicher ist, wie hoch das eigene Risiko ist, kann das mit dem PAWSS-Selbsttest einschätzen.

Wird das Delir beim nächsten Entzug schlimmer?

Ja. Das nennt sich Kindling-Effekt: Jeder unbehandelte Entzug macht das nächste Delir wahrscheinlicher, schneller und schwerer. Das Gehirn hat sozusagen gelernt, wie es geht. Wer einmal ein Delir hatte, braucht beim nächsten Entzug weniger Zeit, um wieder dorthin zu gelangen. Das ist ein starkes Argument dafür, jeden Entzug – auch den ersten – medizinisch begleiten zu lassen.

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Arzt, Autor, Angehöriger & Mitbegründer von Alkohol adé

Dr. med. Bernd Guzek

Arzt, Autor, Angehöriger & Mitbegründer von Alkohol adé

Beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den biochemischen Grundlagen von Sucht und Hirnstoffwechselstörungen sowie deren Beeinflussung durch Nährstoffe.


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