Hallöchen an die Gruppe, heute sind es 8 Wochen ohne Alkohol. Im Grunde hat sich nicht viel geändert. Natürlich ist nicht ein Tag wie der Andere. Ich habe auch Durchhänger und möchte am liebsten, dass mich alle in Ruhe lassen. Ja, da denke ich schon hin und wieder …
Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkohol adé-Forum. Zum geschützten Austausch für Betroffene
Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Ist es normal, sich nach Wochen ohne Alkohol immer noch nicht wirklich besser zu fühlen?
Acht Wochen Abstinenz sind eine beachtliche Leistung – auch wenn sich das im Alltag nicht immer so anfühlt. Was diese Leserin beschreibt, ist typisch für die Phase der sogenannten Post-Acute Withdrawal Syndrome (PAWS): Der akute Entzug ist vorbei, aber das Gehirn hat seine Neurochemie noch nicht vollständig reguliert. Durchhänger, Gereiztheit und der Wunsch nach Rückzug gehören zu den häufigsten Begleiterscheinungen in dieser Phase. Auch das gelegentliche Denken an Alkohol ist kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck eines Suchtgedächtnisses, das noch aktiv ist. Entscheidend ist, dass die Gedanken bleiben, was sie sind – Gedanken. Der Körper arbeitet im Hintergrund an seiner Erholung, auch wenn das subjektive Erleben noch hinterherhinkt. Das Phänomen, dass Freude und Antrieb in dieser Phase gedämpft bleiben, wird medizinisch als Anhedonie bezeichnet – und bildet sich mit zunehmender Abstinenzzeit in der Regel zurück.
Häufig gestellte Fragen zu Stimmungsschwankungen in der Abstinenz (FAQ)
Sind Durchhänger nach mehreren Wochen ohne Alkohol normal?
Ja. In den ersten Wochen und Monaten der Abstinenz durchläuft das Gehirn eine Phase der Neuanpassung, die als PAWS (Post-Acute Withdrawal Syndrome) bekannt ist. Stimmungstiefs, Reizbarkeit und das Gefühl emotionaler Taubheit gehören zu den typischen Symptomen und klingen mit der Zeit ab.
Warum denke ich nach Wochen ohne Alkohol immer noch ans Trinken?
Das Suchtgedächtnis speichert Trinksituationen und die damit verknüpften Gefühle über Jahre. Gelegentliche Gedanken an Alkohol sind kein Rückschritt, sondern ein normaler Teil der Erholung. Entscheidend ist, diesen Gedanken nicht nachzugeben – sie verlieren mit der Zeit an Kraft.
Wie lange dauert es, bis man sich in der Abstinenz wirklich besser fühlt?
Das ist individuell verschieden und hängt von Dauer und Intensität des früheren Konsums ab. Viele Betroffene berichten, dass sich nach drei bis sechs Monaten eine spürbare Stabilisierung einstellt. Das Gehirn braucht Zeit, um seine Botenstoffsysteme wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
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