Nö, der Begriff “Alkoholiker” hat letztlich dazu geführt, dass ich mein Problem mit Alkohol so lange verdrängen konnte. Denn als Alkoholiker habe ich mich definitiv nicht gesehen. Es gab Alkoholiker in meiner Familie und das, was die darstellten passte nicht zu mir. Seit ich um das weite Spektrum der Alkoholkonsumstörungen weiß, fällt es mir leichter, mich dort einzuordnen. Und Selbsthilfegruppen wie die AAs waren mir immer ein Graus – Ich mag nicht als Mensch auf den Konsum von Alkohol reduziert werden, ich bin nicht machtlos und ich brauche auch keinen Gott, um mein Leben in den Griff zu kriegen. Letztlich bin ich Wissenschaftlerin. Nachdem ich mich endlich mal gründlich mit dem, was Alkohol im Körper so anrichtet, beschäftigt habe, ist mein Weg klar: …
Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkoholiker-Forum von Alkohol adé. Zum geschützten Austausch für Betroffene
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Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Kann das Bild vom „typischen Alkoholiker” dazu führen, dass Betroffene ihre eigene Alkoholsucht nicht erkennen?
Das starre Bild vom „Alkoholiker” – verwahrlost, haltlos, gescheitert – ist einer der wirksamsten Schutzmechanismen gegen die eigene Erkenntnis. Wer sich mit diesem Klischee nicht identifiziert, hat einen scheinbar logischen Grund, den eigenen Konsum nicht zu hinterfragen. Die moderne Suchtmedizin versteht Alkoholabhängigkeit längst als Spektrum: von risikoarmem Konsum über schädlichen Gebrauch bis zur schweren Abhängigkeit, mit fließenden Übergängen. Diese Sichtweise geht auf Forscher wie Mark Willenbring zurück, der das starre Krankheitsmodell von E. M. Jellinek grundlegend in Frage stellte. Dass die Autorin als Wissenschaftlerin über die Auseinandersetzung mit den körperlichen Folgen von Alkohol ihren eigenen Weg findet, ist kein Sonderfall – für viele Betroffene beginnt die Veränderung mit Wissen, nicht mit einer Diagnose.
Häufig gestellte Fragen zu Alkoholsucht und Selbstbild (FAQ)
Warum erkennen viele Menschen ihre Alkoholsucht nicht?
Das Klischee vom „typischen Alkoholiker” wirkt als Filter: Wer beruflich und sozial funktioniert, ordnet sich selbst nicht als betroffen ein. Alkoholabhängigkeit zeigt sich jedoch auf einem breiten Spektrum – und ein Großteil der Betroffenen entspricht nicht dem landläufigen Bild.
Was ist eine Alkoholkonsumstörung?
Die Alkoholkonsumstörung beschreibt ein Spektrum problematischen Alkoholkonsums, von leichter Beeinträchtigung bis zur schweren Abhängigkeit. Der Begriff löst zunehmend die starre Kategorie „Alkoholismus” ab und erlaubt eine differenziertere Einordnung.
Muss man in eine Selbsthilfegruppe, um mit dem Trinken aufzuhören?
Nein. Selbsthilfegruppen wie die Anonymen Alkoholiker helfen vielen Menschen, sind aber nicht der einzige Weg. Medizinisches Wissen, professionelle Beratung, Online-Communities oder individuelle Strategien können ebenso wirksam sein.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
Die Texte auf der Seite ersetzen keine medizinische Beratung.
Mehr über das Alkoholiker-Forum: “Ehrlicher Austausch auf dem Weg aus der Sucht”

