Rückblickend betrachtet habe ich erstaunlich wenig – eigentlich gar nicht – an Alkohol gedacht, obwohl die Verlockung auf dem Schiff natürlich überall präsent war. Es war ein sehr schöner Urlaub, und ich konnte jeden Moment genießen – ohne Kater am Morgen und ohne ständig darüber nachzudenken, wann ich endlich das erste Bier trinken kann.
In früheren Urlauben, als Alkohol noch dazugehört hat, lag der Fokus häufig darauf, auf die Uhr zu schauen: Wann ist es endlich 10 Uhr und ein Bier wäre „gerechtfertigt“? Das ist mittlerweile völlig anders. Ich konnte die einzelnen Momente viel bewusster und achtsamer wahrnehmen, die Zeit mit meiner Familie genießen und mich auf die Landschaften und Erlebnisse konzentrieren.
Besonders interessant fand ich es zu beobachten, wann und wie viel andere Passagiere Alkohol konsumierten. Dabei war ich immer wieder froh darüber, dass ich selbst nicht mehr trinken muss. Ein negativer Höhepunkt war für mich eine junge Person, die morgens im Bademantel auf der Treppe eingeschlafen war, als wir zum Frühstück gingen. Sie musste schließlich vom medizinischen Dienst mit einem Rollstuhl abgeholt werden. …
Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkoholiker-Forum von Alkohol adé. Zum geschützten Austausch für Betroffene
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Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Warum verschwinden Alkoholverlangen und Saufdruck irgendwann – selbst im Urlaub?
Was dieser Bericht beschreibt, ist ein Zeichen fortgeschrittener neuronaler Stabilisierung. Das Suchtgedächtnis speichert Verknüpfungen zwischen Situationen und Alkoholkonsum – Urlaub, Hitze, Geselligkeit. Mit zunehmender Abstinenzzeit werden diese Verknüpfungen schwächer, weil das Gehirn sie nicht mehr durch Konsum bestätigt. Dass auf einem Kreuzfahrtschiff, wo Alkohol praktisch allgegenwärtig ist, kein nennenswerter Saufdruck entsteht, zeigt, wie weit dieser Prozess bereits fortgeschritten ist. Gleichzeitig verändert sich die Wahrnehmung: Statt auf die Uhr zu schauen, richtet sich die Aufmerksamkeit auf das tatsächliche Erleben – ein typischer Effekt stabiler Abstinenz.
Häufig gestellte Fragen zu Alkohol im Urlaub und Abstinenz (FAQ)
Wird Saufdruck im Urlaub mit der Zeit wirklich weniger?
Ja. Je länger die Abstinenz andauert, desto schwächer werden die erlernten Verknüpfungen zwischen Urlaubssituationen und Alkoholkonsum. Das Gehirn baut diese Reiz-Reaktions-Muster nach und nach ab, wenn sie nicht mehr durch Trinken verstärkt werden.
Ist eine Kreuzfahrt in Abstinenz riskant?
Eine Umgebung mit ständiger Alkoholverfügbarkeit kann in frühen Abstinenzphasen belastend sein. Bei gefestigter Abstinenz berichten viele Betroffene jedoch, dass sie die Situation entspannt erleben – und sogar bewusster genießen als früher mit Alkohol.
Warum beobachtet man in Abstinenz den Alkoholkonsum anderer so aufmerksam?
Das veränderte Bewusstsein führt dazu, dass Trinkverhalten im Umfeld stärker auffällt. Viele Abstinente beschreiben diese Beobachtungen als bestärkend, weil sie die eigene Entscheidung im Kontrast positiv erleben.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
Die Texte auf der Seite ersetzen keine medizinische Beratung.
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