Wenn es wirklich “deep-talk” ist, dann habe ich kein Problem damit, offen darüber zu reden, dass es Zeiten gab in meinem Leben, in denen ich viel zu viel “gesoffen” habe, weil ich mit mir und meinem Leben nicht klargekommen bin. Und zum Glück irgendwann realisiert habe, dass mir das Probleme auf vielen Ebenen bereitet hat, die ich nie mehr haben wollte.
Aber warum sollte ich mich als Alkoholiker bezeichnen? Ich konnte mit Alkohol nicht umgehen und habe gelernt, diese Dinge zu lassen, die mir nicht gut tun. Vor allem gelernt, nein zu sagen, wenn andere sich wieder mal schlecht gefühlt haben, weil sie alleine trinken mussten ohne den “Komplizen”, mit dem man das eigene Trinken besser rechtfertigen konnte.
Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkoholiker-Forum von Alkohol adé.
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Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Muss man sich „Alkoholiker” nennen, um dauerhaft abstinent zu bleiben?
Die moderne Suchtmedizin hat sich vom starren Etikett „Alkoholiker” weitgehend verabschiedet. Das DSM-5 spricht stattdessen von einer Alkoholkonsumstörung mit abgestuften Schweregraden – ein Spektrum, kein Schwarz-Weiß. Ob jemand die Bezeichnung „Alkoholiker” für sich annimmt, ist deshalb weniger eine medizinische als eine persönliche Entscheidung. In Selbsthilfegruppen wie den AA dient das Bekenntnis zur Diagnose als Schutz gegen Verharmlosung. Gleichzeitig zeigt die Forschung, dass starre Selbstetikettierung Stigma verstärken und Betroffene sogar davon abhalten kann, Hilfe zu suchen. Was aus ärztlicher Sicht zählt, ist die Fähigkeit, problematische Muster zu erkennen, das eigene Verhalten zu ändern und klare Grenzen zu setzen – auch gegenüber dem sozialen Druck durch Mittrinker.
Häufig gestellte Fragen zu Alkoholismus und Selbstbezeichnung (FAQ)
Muss man sich als Alkoholiker bezeichnen, um nüchtern zu bleiben?
Nein. Die Selbstbezeichnung als Alkoholiker kann für manche Menschen ein hilfreicher Schutz gegen Verharmlosung sein, ist aber keine Voraussetzung für eine stabile Abstinenz. Entscheidend ist die ehrliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Trinkverhalten und die Bereitschaft, Konsequenzen daraus zu ziehen.
Was ist der Unterschied zwischen Alkoholiker und Alkoholkonsumstörung?
Der Begriff „Alkoholiker” ist eine umgangssprachliche Bezeichnung ohne klare diagnostische Grenzen. Die moderne Medizin verwendet stattdessen den Begriff „Alkoholkonsumstörung” (Alcohol Use Disorder), der problematischen Alkoholkonsum in leicht, mittelschwer und schwer abstuft.
Wie lernt man, Nein zu Alkohol zu sagen?
Nein sagen beginnt mit der Erkenntnis, dass Trinksituationen oft durch sozialen Druck entstehen. Wer versteht, dass Mittrinker häufig nach Bestätigung für den eigenen Konsum suchen, kann sich leichter abgrenzen. Klare persönliche Grenzen und ein stabiles Umfeld unterstützen diesen Prozess.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
Die Texte auf der Seite ersetzen keine medizinische Beratung.
Mehr über das Alkoholiker-Forum: “Ehrlicher Austausch auf dem Weg aus der Sucht”

