Einerseits wirst du zum nehmen dieser Droge überall erinnert und gar schon gedrängt obwohl man weiß was diese Droge anrichtet – und wenn du dann mit dieser Droge am Ende nicht umgehen kannst – wirst du hingestellt wie ein willlensschwacher und charakterloser Mensch. Ich bin heut einfach nur froh das ich dort weg bin und auch nach meinem Dienst lieber nach Hause bin und euch das jetzt schreiben kann. Ich fühlte mich heute total unwohl in dieser Gesellschaft und in diesem Besäufnis…ich weiß was es in meinem Leben angerichtet hat…und ja. Ich bin froh, dass ich heute keiner von Ihnen bin.
Ich bin heute nach dieser Erfahrung traurig…geschockt…dankbar…einfach alles durcheinander. Achterbahn der Gefühle…und ich hatte heute seit langer Zeit mal auch irgendwie das Gefühl, dass ich nie mehr Teil einer solchen Veranstaltung sein kann wie früher … eiinfach mit einem Glas in der Hand…nicht mehr diese Leichtigkeit und dieses Gefühl…angetrunken / betrunken dort rumzualbern und ja…es fühlte sich an wie ein Verlust oder eine Trennung….
Ich bin dankbar. Nicht mehr trinken zu müssen…
Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkoholiker-Forum von Alkohol adé.
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Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Warum fühlt sich Abstinenz auf Feiern manchmal gleichzeitig wie Freiheit und wie Verlust an?
Was dieser Beitrag beschreibt, ist ein Phänomen, das viele Menschen in Abstinenz kennen: die gleichzeitige Erleichterung, nicht mehr trinken zu müssen – und die Trauer über eine Leichtigkeit, die es so nie wieder geben wird. Beides ist real und beides gehört zum Prozess. Der Saufdruck in sozialen Situationen wirkt besonders stark, weil das Gehirn über Jahre gelernt hat, Geselligkeit und Alkohol als Einheit abzuspeichern. Wenn dann alle um einen herum trinken, feuern die alten Verknüpfungen – und gleichzeitig fehlt das gewohnte Betäubungsmittel gegen soziale Unsicherheit. Dass die Autorin oder der Autor trotzdem nach Hause gefahren ist und schreibt statt trinkt, zeigt genau die Stabilität, die Abstinenz mit der Zeit aufbaut. Die Trauer über das verlorene „Dazugehören” ist kein Rückschritt – sie ist ein Zeichen dafür, dass die Auseinandersetzung mit dem eigenen Trigger-Erleben ehrlich geführt wird.
äufig gestellte Fragen zu Abstinenz und Saufdruck auf Feiern (FAQ)
Ist es normal, sich auf Feiern ohne Alkohol fremd zu fühlen?
Ja. Das Gehirn hat Geselligkeit und Alkohol über Jahre miteinander verknüpft. Ohne Alkohol fehlt der gewohnte soziale Puffer – das kann sich zunächst wie Ausgeschlossensein anfühlen. Dieses Gefühl wird mit zunehmender Abstinenz schwächer.
Was hilft gegen Saufdruck in sozialen Situationen?
Bewusstes Planen ist entscheidend: vorher klären, wie lange man bleibt, ein alkoholfreies Getränk in der Hand halten und sich eine Rückzugsmöglichkeit offenhalten. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen – etwa im Forum – stabilisiert.
Kann man in Abstinenz um den Alkohol trauern?
Ja, und das ist kein Zeichen von Schwäche. Die Trauer gilt nicht dem Alkohol selbst, sondern dem Gefühl von Leichtigkeit und Zugehörigkeit, das mit dem Trinken verbunden war. Diese Trauerphase ist ein bekannter Teil der Genesung.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
Die Texte auf der Seite ersetzen keine medizinische Beratung.
Mehr über das Alkoholiker-Forum: “Ehrlicher Austausch auf dem Weg aus der Sucht”

