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Abstinenz: Ich musste lernen, dass Ruhe nicht dasselbe ist wie Sedierung

Mann sitzt ruhig und aufmerksam in einer angespannten Gesprächssituation mit zwei lebhaft diskutierenden Kollegen. Überschrift: „Abstinenz: Ich musste lernen, dass Ruhe nicht dasselbe ist wie Sedierung.“

…. Genau das habe ich dann nach dem Ende meines Trinkens erlebt.
Vieles musste ich neu kennenlernen: Abende ohne Alkohol, Wochenenden ohne den gewohnten Rhythmus, Feiern ohne Rausch, Entspannung ohne Betäubung und Gefühle, die nicht mehr weggedrückt werden konnten. Ich musste lernen, dass Ruhe nicht dasselbe ist wie Sedierung. Dass Freiheit nicht darin besteht, jederzeit trinken zu dürfen, sondern darin, nicht mehr trinken zu müssen. Dass ein unvernebeltes Leben nicht ärmer wird, sondern genauer, tiefer und wirklicher.

Nach und nach entstand eine neue Welt. Eine Welt aus Gehen, Lesen, Tagebuchschreiben, bewusster Ernährung, Musik, Natur, Ritualen und einer wachsenden Aufmerksamkeit für mich selbst. Viele dieser Dinge waren vorher schon vorhanden. Aber sie wurden nun nicht mehr vom Alkohol überlagert. Ich konnte sie neu sehen und ihnen einen anderen Stellenwert geben.

Dabei entdeckte ich etwas Entscheidendes: Ich kann Veränderung.

Ich kann in einer Welt zurechtkommen, deren Regeln sich grundlegend geändert haben. Ich kann Vertrautes loslassen, selbst wenn es jahrzehntelang zu meiner Identität gehört hat. Ich kann mich in einer neuen Ordnung einrichten, ohne ständig der alten nachzutrauern. Mehr noch: Ich kann darin nicht nur überleben, sondern wirklicher leben als zuvor. …

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Fachliche Einordnung: Abstinenz und das Wiedererlernen echter Entspannung – Dr. med. Bernd Guzek

Was passiert im Gehirn, wenn Alkohol als vermeintliches Beruhigungsmittel wegfällt – und echte Ruhe erst neu erlernt werden muss?

Alkohol wirkt über das GABA-System dämpfend auf das zentrale Nervensystem. Bei regelmäßigem Konsum verwechselt das Gehirn diese chemische Sedierung mit Entspannung – ein Trugschluss, der sich über Jahre verfestigt. Fällt der Alkohol weg, reagiert das Nervensystem zunächst mit Übererregbarkeit: Unruhe, Schlafstörungen und innere Anspannung sind typische Zeichen dieser Umstellungsphase. Der hier beschriebene Prozess – das schrittweise Entdecken neuer Rituale wie Gehen, Lesen oder bewusste Ernährung – entspricht dem, was die Neurowissenschaft als Neuroplastizität beschreibt: Das Gehirn bildet neue Belohnungs- und Beruhigungspfade, die nicht auf einer Substanz beruhen. Dass Ruhe irgendwann ohne Alkohol möglich wird, ist kein Zufall, sondern ein messbarer neurobiologischer Umbau des Belohnungssystems.

Häufig gestellte Fragen zu Abstinenz und Entspannung ohne Alkohol (FAQ)


Warum verwechseln viele Menschen Alkohol mit Entspannung?

Alkohol dämpft das zentrale Nervensystem über das GABA-System und erzeugt kurzfristig ein Gefühl von Ruhe. Bei regelmäßigem Konsum speichert das Gehirn diese chemische Sedierung als einzigen Entspannungsweg ab. Echte Entspannung – etwa durch Bewegung, Natur oder bewusstes Atmen – nutzt andere neurobiologische Pfade, die erst in der Abstinenz wieder aktiviert werden.


Wie lange dauert es, bis man in der Abstinenz echte Ruhe empfindet?

Die ersten Wochen ohne Alkohol sind häufig von innerer Unruhe und Schlafstörungen geprägt. Bei den meisten Betroffenen stabilisiert sich das Nervensystem innerhalb von vier bis zwölf Wochen spürbar. Der vollständige Umbau der Entspannungsmechanismen kann mehrere Monate dauern.


Welche neuen Routinen helfen in der frühen Abstinenz?

Regelmäßige Bewegung, feste Tagesstrukturen und bewusste Rituale wie Tagebuchschreiben oder Spaziergänge helfen dem Gehirn, neue Belohnungsmuster aufzubauen. Entscheidend ist weniger die Art der Aktivität als die Regelmäßigkeit – sie gibt dem Nervensystem die Vorhersagbarkeit, die zuvor der Alkohol geliefert hat.


Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
Die Texte auf der Seite ersetzen keine medizinische Beratung.

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