B-Vitamine steuern die Energiegewinnung, die Nervenfunktion und die Bildung wichtiger Botenstoffe. Alkohol greift genau in diese Systeme ein. Er stört die Aufnahme im Darm, belastet die Leber und erhöht den Verbrauch zentraler Cofaktoren. Die Folge ist häufig kein isolierter Mangel, sondern ein gestörtes Zusammenspiel – mit spürbaren Auswirkungen auf Leistungsfähigkeit, Stimmung und Belastbarkeit.
Von Gaby Guzek
Vitamin B1 hat sich im Zusammenhang mit Alkohol inzwischen fast herumgesprochen. In Kliniken geben Ärzte es während der Entgiftung routinemäßig. Doch B1 ist nur ein Teil eines deutlich größeren Systems. Die B-Vitamine wirken nicht isoliert, sondern greifen ineinander, aktivieren sich gegenseitig und steuern zentrale Funktionen des Körpers.
Zur Gruppe gehören Vitamin B1, B2, B3, B5, B6, B12 und Folsäure. Chemisch unterscheiden sie sich deutlich, funktionell arbeiten sie eng zusammen. Viele enzymatische Schritte im Energiestoffwechsel funktionieren nur, wenn mehrere dieser Vitamine gleichzeitig verfügbar sind. Fehlt eines, stockt der Ablauf. Das erklärt, warum isolierte Hochdosen selten die erhoffte Wirkung zeigen, wenn andere Bausteine fehlen.
B-Vitamine steuern keine exotischen Randaufgaben. Sie regulieren die Energiegewinnung in der Zelle, ermöglichen die Synthese von Neurotransmittern, sichern die Blutbildung und stabilisieren das Nervensystem. Thiamin spielt eine Schlüsselrolle im Kohlenhydratstoffwechsel. Riboflavin und Niacin wirken als Redox-Coenzyme in der Energieproduktion in den Mitochondrien, den Zellkraftwerken. Vitamin B6 steuert die Bildung von Serotonin, Dopamin und GABA. Folsäure und Vitamin B12 regulieren gemeinsam den Methylierungszyklus und damit zentrale Schritte der DNA-Synthese und Zellteilung.
Chronischer Alkoholkonsum führt zu Vitaminmangel
Chronischer Alkoholkonsum greift dieses System an mehreren Stellen an. Alkohol reizt die Magenschleimhaut und kann eine chronische Magenschleimhautentzündung auslösen. Geschädigte Zellen dort produzieren weniger Intrinsic Factor, jenes Protein, das Vitamin B12 für die Aufnahme im Dünndarm benötigt. Gleichzeitig schädigt Alkohol die Schleimhaut des Dünndarms selbst und senkt so die Resorption wasserlöslicher Vitamine. Die Leber muss viele B-Vitamine in ihre aktive Form umwandeln. Eine alkoholbelastete Leber arbeitet hier weniger effizient. Hinzu kommt ein erhöhter Bedarf, weil der Alkoholabbau und der begleitende oxidative Stress zusätzliche Cofaktoren verbrauchen. Am Ende steht häufig kein isolierter Mangel, sondern ein kombiniertes Defizit.
Vitamin B1 nimmt in diesem Zusammenhang eine besondere Stellung ein. Ein schwerer Mangel kann zur Wernicke-Enzephalopathie führen, einer potenziell lebensbedrohlichen neurologischen Störung. Neben wasserlöslichem Thiamin, dem B1, gibt man heute vor allem Benfotiamin, eine fettlösliche Vorstufe mit höherer Bioverfügbarkeit. Der Körper nimmt Benfotiamin effizienter auf und wandelt es zu aktivem Thiamin um.
Vitamin B12 stellt einen Sonderfall dar, weil seine Aufnahme zwingend an den Intrinsic Factor gebunden ist. Sinkt dessen Produktion durch chronische Magenschädigung, erreicht selbst oral zugeführtes B12 den Kreislauf nur eingeschränkt. In solchen Situationen kommen hochdosierte Präparate mit passiver Diffusion, sublinguale Formen oder intramuskuläre Injektionen infrage. Ein ausgeprägter B12-Mangel kann Anämie, neurologische Ausfälle und kognitive Störungen verursachen.
Folsäuremangel kann depressive Symptome verstärken
Auch Folsäure wirkt nicht im luftleeren Raum. Sie steuert gemeinsam mit B12 zahlreiche Methylierungsreaktionen, die für die Regulation von Neurotransmittern entscheidend sind. Ein Defizit kann depressive Symptome verstärken und die Wirkung antidepressiver Therapien beeinträchtigen. Schlafstörungen treten bei Mangelzuständen ebenfalls gehäuft auf.
B-Vitamine sind wasserlöslich, der Körper scheidet Überschüsse über die Niere aus. Dennoch sind sie nicht beliebig steigerbar. Langfristig hochdosiertes Vitamin B6 kann sensorische Neuropathien verursachen. Niacin kann Flush-Reaktionen und bei sehr hohen Dosen Leberbelastungen auslösen. Supplementierung erfordert daher Augenmaß.
Viele Beschwerden nach längerer Trinkphase lassen sich nicht allein psychologisch erklären. Ein gestörter Energiestoffwechsel verstärkt Erschöpfung, Antriebslosigkeit und emotionale Instabilität. Wer Alkohol weglässt, entlastet das System. Wer gleichzeitig bestehende Defizite erkennt und ausgleicht, stabilisiert es häufig schneller. B-Vitamine arbeiten unspektakulär im Hintergrund. Ohne sie funktioniert jedoch kaum ein zentraler Stoffwechselweg.
Video: Auswirkungen von B-Vitaminmangel auf den Körper
Gaby Guzek erklärt, warum ein Mangel an B-Vitaminen den Ausstieg erschweren oder Rückfälle begünstigen kann. B-Mangel stört die Energieproduktion massiv, entsprechend mies kann man sich dann fühlen.
Transkript des Videos “B-Vitamine und Alkohol”
Heute mal ein paar Worte zu den B-Vitaminen. B1 hat sich sogar schon fast durchgesetzt, das wird ja auch ganz gerne in den Kliniken gegeben während der Entgiftung, aber es gibt halt deutlich mehr und da wollte ich jetzt mal kurz darauf zu sprechen kommen, denn nur B1 zu nehmen, aus meiner persönlichen Sicht, macht gar nicht so wahnsinnig viel Sinn. Also, B1 gibt es, es gibt B2, es gibt B3, es gibt B5, es gibt B6, es gibt das B12, es gibt die Folsäure, die gehört da nämlich auch noch mit in die Reihe, so, das sind sieben Stück.
Und das Verrückte ist, die B-Vitamine, da würde man ja denken, ja, weil die alle B heißen, außer der Folsäure, dann haben die auch irgendwie chemisch vielleicht was miteinander zu tun. Weit gefehlt. Die haben gar nichts miteinander zu tun.
Ich habe keine Ahnung, wer da auf die Idee gekommen ist, die mal so zu nennen, sicher ist aber, dass die sich gegenseitig alle brauchen. Also, das ist tatsächlich so, dass die einzelnen B-Vitamine kaum einer von denen kann einen Job alleine erledigen, er braucht immer mindestens einen zweiten dazu. Vielleicht hat man deshalb da B-Vitamine zugesagt, keine Ahnung.
Aber nur, um mal so ein paar Beispiele zu geben, wofür diese B-Familie, sagen wir mal, zuständig ist. Das ist unser gesimmeltes Nervenkostüm, das ist Stressresilienz, das ist Konzentrationsfähigkeit, das ist der Schlaf, das ist Energie, ganz wichtig, Energiebereitstellung in der Zelle, Blutbildung, so zentrale Dinge und wie gesagt, wenn ein oder zwei Bs schon fehlen, dann bringt es gar nichts, von dem anderen so viel im Blut zu haben, dann kann es trotzdem nicht funktionieren. So, jetzt lasst euch das mal auf der Zunge zergehen, was ich eben gesagt habe, wofür die alle zuständig sind und dann könnt ihr euch auch vorstellen, wie grauselig es einem geht, eigentlich, wenn da was fehlt.
Also, schlapp, müde, energielos, bei der Folsäure bis hin zu Depressionen, Fohlsäuremangel ist übrigens auch ein ganz häufiger Grund für Schlafstörungen, denkt immer keiner dran, aber es ist so. Ja, also die Latte ist quasi endlos der Dinge, der Grausamkeiten, die man so kriegen kann oder bekommt, mal mehr, mal weniger, wenn einem B-Vitamine fehlen. Nun, und bei uns, wir wissen, der Trost, die Entspannung, das steht alles im Kühlschrank.
Also, was ich sagen will, ist, ein Vitaminmangel, gerade bei der B-Familie, kann ein echter Rückfallgrund sein und zwar ohne, dass man das eigentlich weiß, einfach nur, weil man sich so schrecklich fühlt, weil man sich so datschig fühlt, so niedergeschlagen, wie auch immer und dann, bumm, ist der Rückfall da als Trigger. Vielleicht noch ein Wort ganz speziell zu dem Vitamin B1, das wird als, normalerweise als ganz normales Thiamin gegeben, so heißt das im Fachchinesisch, sollte sich jemand überlegen, vielleicht mal was Gutes tun zu wollen und B1 zu nehmen, dann vielleicht der Tipp, es gibt das Ganze auch als Benfotiamin, das ist auch B1, aber es ist fettlösend. Und wird vom Körper wesentlich besser aufgenommen, als das Thiamin, was wasserlöslich ist.
Stichwort, kann der Körper aufnehmen, das ist ja insgesamt das Problem an den B-Vitaminen, die müssen alle irgendwie in den Körper und das heißt nämlich auch längst noch nicht, dass alles, was wir hier oben reinwerfen, auch unten wirklich ankommt, heißt im Körper ankommt. Das muss durch die Darmschleimhaut durch, muss umgebaut werden, tralala. Und gerade die Magen-Darm-Passage ist halt, wenn man zu lange zu viel getrunken hat, echt angeschlagen und da kommt manchmal gar nichts durch.
Ganz, ganz, ganz speziell und darauf wollte ich auch nochmal kurz zu sprechen kommen, ist das beim B12. B12 ist unter anderem auch für, sagen wir mal, die Stimmung unglaublich wichtig und für die Blutbildung. Was da passiert ist, wenn man zu viel trinkt, zu lange, dann reizt das, das kennen wir alle, die Magenschleimhaut.
Sodbrennen ist der häufige Begleiter, ist Ausdruck dessen, dass der Säuregehalt, der sogenannte pH-Wert, im Magen nicht mehr passt und wenn der nicht mehr passt, dann kann der Körper auch einen sogenannten Intrinsic-Faktor nicht mehr bilden, das ist also ein Molekül, was dafür zuständig ist, das B12 in den Körper rein zu fischen. Das heißt, selbst wenn man dann meint, man tut sich was Gutes und man schluckt dann B12 als Tablette, dann kommt davon nichts an. Von daher ist das also zum Beispiel relativ geschickt, das gibt es nämlich auch als Tropfen für unter die Zunge, sublingual nennt sich das Ganze dann und geht dann durch die Schleimhaut im Mund direkt ins System und muss nicht mehr durch den Magen und deshalb kann es dann auch wirken.
Aber Achtung, die Tropfen sind manchmal mit Alkohol, es gibt aber auch welche ohne, man muss beim Bestellen bloß ein bisschen hingucken. So, also im Parforceritt dann noch als letztes, weil es immer heißt, ja und wie viel muss ich denn da nehmen? Das kann ich nicht beantworten, allein aus rechtlichen Gründen nicht, das ist das Dumme. Es ist so, dass, vielleicht geben wir das mal zur Orientierung, im Dachraum, also sowohl Deutschland als auch eben Österreich und Schweiz, ist das, was im Supermarkt und in der Drogerie angeboten wird, in der Regel sehr, sehr niedrig dosiert.
Das hat nicht, die sind nicht böse oder wollen euch was Schlechtes, sondern die dürfen das schlicht und ergreifend nicht. Also ab einer gewissen Dosis, auf die man sich bei allen Nahrungsergänzungsmitteln geeinigt hat, wenn die also eine gewisse Dosis überschreiten, dann sind sie apothekenpflichtig. Das heißt, man kriegt sie nur in der Apotheke.
Das heißt aber nicht, dass ich euch jetzt alle in die Apotheke schicke, weil dort man euch in der Regel eher das verkauft, was man entweder gerade da hat und oder was die größte Spanne hat. Also auch keine gute Idee. Von daher, ran ans Internet, vergleichen, Dosierungen vergleichen, das Gute an den B-Vitaminen ist, man kann damit nichts falsch machen.
Außer B6, aber das dauert dann auch ein halbes Jahr und länger, wenn man das viel, viel, viel, viel, viel zu hoch dosiert, es gibt keine Nebenwirkungen. Also außer B6, was dann eventuell mal etwas Fußkribbeln macht, aber alle anderen haben keine Nebenwirkungen. Warum? Weil sie eben alle wasserlöslich sind und bedeutet schlicht und ergreifend, was der Körper nicht braucht, das pieselt er wieder aus, geht über die Nieren, zack, weg.
Übrigens, kleiner Funfact, B2, wenn ihr davon genügend habt und der Körper gibt halt über den Urin wieder was ab, nicht erschrecken, dann leuchtet euch das Klo in Neongelb entgegen, das ist nämlich die Farbe von B2. Ich hoffe, ich konnte mal ein bisschen was Praktisches beisteuern, B-Vitamine sind eine ganz feine Geschichte, es gibt auch wahrscheinlich kaum jemanden, dem sie nicht fehlen. Und von daher freue ich mich natürlich auch auf eure Kommentare oder vielleicht habt ihr sogar selber schon Erfahrungen damit gesammelt.
Haut das gerne in die Kommentare, ich freue mich drauf und wir sehen uns hoffentlich bald wieder. Bis dann!
Häufig gestellte Fragen zu “B-Vitamine und Alkohol“
Alkohol schädigt die Schleimhäute von Magen und Dünndarm und verschlechtert dadurch die Aufnahme wasserlöslicher Vitamine. Gleichzeitig belastet er die Leber, die viele B-Vitamine erst in ihre aktive Form umwandeln muss. Hinzu kommt ein erhöhter Verbrauch durch Alkoholabbau und oxidativen Stress. So entsteht häufig ein kombiniertes Defizit.Warum führt Alkohol häufig zu einem Mangel an B-Vitaminen?
Vitamin B1, auch Thiamin genannt, ist entscheidend für den Kohlenhydratstoffwechsel und die Energieproduktion in den Nervenzellen. Ein ausgeprägter Mangel kann zu schweren neurologischen Störungen wie der Wernicke-Enzephalopathie führen. Deshalb geben Ärzte es in der Entgiftung routinemäßig.Warum spielt Vitamin B1 bei Alkohol eine besondere Rolle?
Thiamin ist wasserlöslich. Benfotiamin ist eine fettlösliche Vorstufe mit höherer Bioverfügbarkeit. Der Körper nimmt sie effizienter auf, beide Formen führen jedoch letztlich zu aktivem Vitamin B1 im Gewebe.Was ist der Unterschied zwischen Thiamin und Benfotiamin?
Vitamin B12 benötigt für die Aufnahme im Dünndarm den sogenannten Intrinsic Factor, den die Magenschleimhaut bildet. Chronischer Alkoholkonsum kann diese Schleimhaut schädigen und die Produktion dieses Faktors vermindern. Dadurch sinkt die Aufnahmefähigkeit für B12 deutlich.Warum ist Vitamin B12 bei chronischem Alkoholkonsum problematisch?
B-Vitamine sind wasserlöslich und der Körper scheidet Überschüsse über die Niere aus. Dennoch sind sie nicht beliebig steigerbar. Langfristig sehr hohe Dosen von Vitamin B6 können Nervenstörungen verursachen. Auch Niacin kann bei hoher Dosierung Nebenwirkungen auslösen. Eine gezielte Supplementierung erfordert daher Augenmaß.Kann man B-Vitamine bedenkenlos hoch dosieren?
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Gaby Guzek
Ehemalige Betroffene, Bestsellerautorin, Coach & Mitbegründerin von Alkohol adé
Hat es sich zum Ziel gesetzt, die Neurobiologie der Sucht bekannter zu machen und damit Betroffenen Schuld- und Schamgefühle zu nehmen.

