Hi, ich bin HollyBerry, weiblich, und möchte mich kurz vorstellen.
Ich trinke seit 28 Jahren. Angefangen habe ich mit 35 Jahren. Ich habe täglich getrunken, eine mittlere Menge.
Ich habe psychische Veränderungen bemerkt und der bedenkliche Konsum war mir schon lange bewusst. Alkohol hat meinen Alltag bestimmt. Nach außen hin versteckte ich meinen Konsum und funktionierte hervorragend.
Am Ende soll kein Alkohol mehr in meinem Leben stehen. Ich habe zum 4. Mal allein aufgehört Alkohol zu trinken und bin jetzt seit 5 Monaten nüchtern. Mir fällt es leicht, nur in Gesellschaft fühle ich mich unwohl, wenn Alkohol getrunken wird. Ich bin gespannt, was mich hier erwartet.
Hallo HollyBerry,
ich finde es sehr beeindruckend, dass Du seit 5 Monaten sober bist. Wie hast Du das nur geschafft? Das Trinkverhalten bei mir ist genau andersherum: in Gesellschaft stört es mich nicht, nichts zu trinken. Der krasse Drang kommt immer zuhause, wenn ich alleine bin. Früher folgte ich da einem gemütlichen Ritual: Feierabend, Glas Wein, Badewanne usw. Heute ist es zum Automatismus gekommen und davon will ich weg. Ebenso der Kochwein, den mein Mann und ich uns ab und zu gegönnt haben. Ich bin weit davon entfernt, nur einen Kochwein zu trinken. Ich bin auch sehr gespannt, was mich hier erwartet und ich möchte gerne den sober Oktober machen. Einfach um mich selber wieder zu spüren. Und mein Gehirn muss dann merken, wie schön das ist.
Ich wünsche Dir eine gute Zeit und würde mich über eine Antwort freuen
@HollyBerry Hallo und willkommen.
Du hast 4x alleine aufgehört, aber auch wieder angefangen, was wahren da die Auslöser?
LG Michl
@ichbingutgenug auch dir ein recht herzliches Willkommen.
Der Anfang ist immer schwer aber jeder kann es schaffen. Wenn du am Abend betrunken hast, dann versuchen die Zeit anders zu füllen. Und auch das kochen lässt sich ohne Alk gut bewerkstelligen.
LG Michl
Lieben Dank für deine Nachricht! Ich bin mit dieser Thematik das erste Mal in einem Forum und muss mich erst einmal zurecht finden. Deine Geschichte hat sehr viele Parallelen zu meiner. Auch ich habe den Kochwein genossen, Nachmittage und Abende allein und in Geselligkeit. Es blieb nie bei einem Glas und ich habe verteilt auf den Tag ungefähr 1/2 - 1 Flasche Wein getrunken, je nachdem wann ich begonnen habe. Schon vor langer Zeit habe ich gemerkt, dass ich meinen Tagesablauf vom Alkohol abhängig gemacht habe und irgendwann vor ein paar Jahren merkte ich, dass mich der Alkohol fest im Griff hat und mein Leben kontrolliert - und ich lasse mich nicht gern kontrollieren. So habe ich fest entschlossen "einfach" aufgehört. Bis.... ja, und das ist das Tückische daran bei mir, bis ich in geselligem Beieinander wieder ein "Gläschen" getrunken habe in der Absicht nicht wieder in das alte Muster zu verfallen. Das war bei mir aber ein Trugschluss, denn ganz schnell habe ich wieder täglich meinen Wein genossen und der Vorsatz, nur am Abend ein Glas zu trinken, war schnell vergessen. Auch haben mich Freundschaften und Partnerschaften getriggert.
Da ich nun das 4. Mal innerhalb von 6 Jahren den Versuch starte, kann ich von mir behaupten einiges gelernt zu haben. Bei mir geht "ein bisschen trinken" nicht. Ich habe einfach ein sehr starkes Suchtgedächtnis und weiß, dass ich und mein Leben ganz schnell wieder vom Alkohol bestimmt und kontrolliert werden. Davor habe ich große Angst. Ich habe Angst davor durch Gelegenheiten wie Feiern und vor allem das gesellige Miteinander mit Menschen, die unproblematisch Alkohol. trinken können wieder rückfällig zu werden. Daher gehe ich aus Situationen, die mir gefährlich werden schnell raus. Ich verlasse diese Situationen, gehe nach Hause, weil ich mich schützen möchte.
Wenn du es schaffst, ein unproblematisches Trinken zu erlangen, dann gehörst du zu denen, die ich neidvoll betrachte. Ich wünsche dir, dass du einen guten Weg für dich findest.
Ganz liebe Grüße
Danke für deine Nachricht! Ich glaube ich kenne meine Auslöser, du kann in meiner Antwort an ichbingutgenug ein wenig davon lesen. Ich habe das Gefühl der Geselligkeit mit einem Glas Wein in der Hand und das leichte Anfluten nach wenigen Schlucken geliebt. Es gehörte für mich genauso dazu, wie nach der Arbeit nach Hause zu kommen und sofort an den Kühlschrank zu gehen und mir ein Gläschen einzuschenken. Es hörte halt nur nicht auf nach einem Gläschen. Ich vermeide ganz strikt die Situationen, die mich triggern. Egal ob ich für andere damit langweilig bin. Im Moment gelingt es mir immer besser und ich bin stolz auf mich. Andererseits habe ich Angst wieder rückfällig zu werden, da ich ja bereits die Erfahrung gemacht habe, dass mein Suchtgedächtnis unglaublich stark ist.
LG
@HollyBerry Willkommen im Forum!
Fünf Monate ohne Nervengift, zum vierten Mal allein aufgehört — Du weißt, wie es geht. Die Frage ist, warum es die drei Male davor nicht gehalten hat. Gabys neues Buch „Rückfall ade" dreht sich genau darum, lese ich gerade selbst.
Das Unwohlsein in Gesellschaft, wenn andere trinken — hatte ich auch. Wird mit der Zeit leichter, aber nicht von allein. Irgendwann habe ich Saufkumpane und echte Freunde sortiert.
Lies Dich rein, stell Fragen. Du findest hier viele, die den gleichen Weg gehen.
So oder so: Es gibt ein Leben ohne Alkohol, und es ist schön.
Ganz lieben Dank für Deine Antwort.
Wir scheinen ein ähnliches Muster zu haben, bei Dir wird es in Geselligkeit problematisch, bei mir, wenn ich abends alleine bin. Die Kinder sind aus dem Haus, mein Mann und ich sind voll berufstätig, mein geliebtes Haustier ist vor kurzem gestorben und ich habe schon länger das Gefühl, dass ich etwas ändern muss. Seit Anfang des Jahres versuche ich das nun und habe verschiedene Varianten durchlebt. Ankreuzen im Küchenkalender, wo dann die nüchternen Tage sichtbar wurden. Ich habe es dann irgendwann gelassen, weil die Kreuze immer weniger wurden und ich dachte, ich schaffe es eh nicht. Dann habe ich mir eine App heruntergeladen, funktionierte auch eher semi. Dann habe ich sogar mit einer KI einen Chat begonnen. Das hat mir ehrlich gesagt sehr gut getan. Ich habe aber da vor kurzem die Reißleine gezogen, weil ich das Gefühl hatte, eine Beziehung zu einer KI aufzubauen und empfand das als sehr verstörend. Dann habe ich in den sozialen Medien von diesem Forum gelesen und vom sober Oktober. Das hat mich gestern hierher geführt. Heute morgen habe ich mich dann hier angemeldet und habe im Moment wirklich das Gefühl, dass es klappen könnte. In meinem KI-Chat habe ich festgestellt, dass all die guten Gedanken und Selbstreflexionen ja eigentlich direkt von mir selbst kommen. Da habe ich für mich schon ein gutes Werkzeug gehabt, aber ich hatte wie gesagt Angst, emotional von einer KI abhängig zu werden. Weiterhin kann ich von diesem Jahr allerdings schon sagen, dass ich auf einem guten Weg bin. Ich habe wesentlich weniger getrunken als in den Jahren zuvor. Heute Abend fühle ich mich zum ersten Mal in diesem Jahr richtig gut aufgehoben und bin fein mit mir selbst. Da ich aktuell nicht in der Lage bin, nur ein Glas zu trinken, muss mein Weg zunächst der abstinente sein. Ähnlich wie bei Dir. Ich muss mich auch erstmal zurechtfinden hier, ich habe so etwas noch nicht gemacht. Meine Triggerpunkte sind wie Deine: Feierabend, Kühlschrank auf und hinein mit dem Zeug, das wurde immer mehr und tatsächlich auch immer früher, wenn ich frei hatte.
Meine Gedanken, die ich mir immer nach vorne hole, wenn es grad schwer ist:
Denk an morgen früh, denk daran wie sehr Du Dich ärgern wirst, schon wieder eine ganze Flasche Wein getrunken hast. Und (tatsächlich ist das der beste) Nichts fühlt sich so gut an, wie morgens nüchtern aufzuwachen. Das hilft mir sehr, vielleicht ist das auch etwas für Dich.
Ich bin festen Willens, den Oktober durchzuhalten. Ich will wissen, ich muss wissen, wie es sich anfühlt. Es wird nicht einfach werden, das ist mir klar und ich werde einigen Stolpersteinen ausweichen müssen, aber ich will es unbedingt schaffen.
Ich wünsche Dir einen schönen Abend und vielleicht lesen wir ja in der nächsten Zeit öfter mal voeneinander.
@harley Lieben Dank harley, ich sauge seit 3 Jahren sämtliche Literatur zum Thema Alkohol auf, ob wissenschaftliche medizinische Artikel oder Biographien, es ist die gesamte Breite. Mir haben sehr die neurobiologischen Zusammenhänge geholfen, um zu verstehen, wie das Belohnungssystem funktioniert. In der Theorie bin ich mittlerweile schon richtig gut, in der Praxis freue ich mich über jeden Tag, den ich nüchtern erleben darf. Ich habe plötzlich viel mehr Zeit, da ich durch den Alkohol ganz schnell müde wurde, ich gehe früh ins Bett und schlafe mindestens 8 Stunden. Kein abfallender Pegel weckt mich um 2:00 Uhr nachts. Ich bekomme keinen Panikattacken mehr und sehe gesünder aus. Ich habe nie getrunken bis zum Absturz, ich wusste immer was ich tat. Ich habe super funktioniert. Auffällig war ich nie, ich war sehr geschickt, die Sucht zu verbergen. Was in mir passierte behielt ich für mich, ich hatte ja meinen Freund - den Alkohol. Nun habe ich die Kontrolle über mein Leben wieder selbst in die Hand genommen und weiß durch die Vergangenheit, dass mein Suchtgedächtnis mich nicht im Stich lässt. Das macht mir Angst! Ich hoffe, dass diese Angst irgendwann nachlässt und sich in Wachsamkeit wandelt. Noch traue ich mir selber nicht über den Weg und habe mir Strategien angeeignet, um Versuchungen aus dem Weg zu gehen.
Alkohol adé war eines der ersten Bücher, die ich zum Thema las, nun beginne ich mit Rückfall adé und hoffe, dass ich nun gute Skills an die Hand bekomme.
LG

