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Hallo in die Runde, ich bin auf die Seite über Facebook gekommen, nachdem ich schon AA-Erfahrung also real, hatte.
Ich bin w, 40 J. alt und bin quasi "Alkoholikerin in mindestens dritter Generation", so nenne ich das immer.
Beide Eltern Alkis, meines Wissens mind. 3 von 4 Großeltern und wer weiß, wie lange das bei uns noch zurück geht. Zu meinen Eltern / Familie hab ich aber seit 2006, also, krass, 20-Jähriges dieses Jahr eben, keinerlei Kontakt mehr, da neben Alkoholismus in meiner Kindheit noch viel mehr andere Gewalt stattfand.
Ich habe eine Auskunftssprerre und bin anerkannte Geschädigte nach dem Fonds sexueller Missbrauch und habe bis heute eine komplexe PTBS, also das als Kontext zu meiner Familie.
In meiner Kindheit und Jugend HASSTE ich Alkohol, eben weil... mit 19 habe ich dann leider selbst doch auch zum ersten Mal zur Flasche gegriffen, weil ich damals zu Tode verzweifelt wegen einer anderen Suchterkrankung (Bulimie) war und dachte, mal leicht betrunken zu sein, würde mich vom Fress- und Kotz-Drang abhalten.
Hallo, Sucht-Geschichte!
Ich hab schlimmste Sachen auch danach noch durch, also nach der Elternhausgewalt, die MASSIV war. Schulabbruch kurz vorm Abi, Wohnungslosigkeit, Verlust der Krankenversicherung, Prostitution. SO TIEF war ich in meinen Zwanzigern dann.
Ich hab mich wieder hoch gekämpft mit mehr Glück als Verstand und immer einem Bildungstraum. Habe mein Abi nachgeholt mit 31 Jahren, mit Stipendium dann studiert aber nebenbei immer noch so viele Dämonen bekämpft. Und halt permanent gesoffen um das alles zu ertragen / wuppen, zum Schluss so 2l Wein und paar Bier am Abend.
Zum Glück irgendwann die Diagnose komplexe PTBS bekommen, die vieles besser erklärt hat, aber so leicht wurde es auch nicht.
November 2022 Entschluss, trocken zu werden da mir ja längst klar war, dass ich Alkoholikerin bin.
Ging dann auch eine Weile gut aber als ich merkte, dass es wackelig werden könnte, ging ich Anfang 2025 zu AA......
Leider haben mich die Meetings sehr getriggert und hinterher wollte ich soooo massiv saufen.
Hab ich dann auch teilweise gemacht.
Aktuell schleppe ich mich so durch mit gelegentlichem semi-krassem Konsum, also nicht kompletter Kontrollverlust aber dennoch heftigige Mengen und die ständige Angst, dass es mir einfach wieder komplett entgleitet.
Aktuell beantrage ich endlich (schiebe ich seit JAHREN vor mir her) einen GdB und daher bin ich aktuell wieder extra gefährdet.
Denn ich BIN Alkoholikerin, das weiß ich.
AA war für mich nicht das optimale "Forum", darum wollte ich einfach mal gucken, wie es hier so ist.
Grüße
eine Alkoholikerin
Willkommen im Forum!
Was du hier von dir teilst, ist außergewöhnlich viel – und außergewöhnlich mutig. So eine Geschichte, und dann trotzdem noch Abi nachholen, studieren, sich durchbeißen. Das ist keine Kleinigkeit.
Dass AA dich getriggert hat, macht Sinn – Gruppen-Settings können bei komplexer PTBS einfach kontraproduktiv sein, das ist kein Versagen deinerseits.
Ich bin selbst über den Ansatz von Alkohol adé abstinent geworden, nachdem klassische Wege für mich auch nicht funktioniert haben. Was mich hier überzeugt hat: der Blick auf die biochemische Seite – also was das Nervengift im Stoffwechsel anrichtet und wie man da gezielt gegensteuert. Das hat bei mir einen Unterschied gemacht.
Hast du aktuell therapeutische Unterstützung für die PTBS?
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@lagertha, @natarie, @baileys23 @ulli1962, @bergwacht, @mina
@harley Hallo und vielen Dank für die prompte Antwort!
Und okay, das ist sehr spannend für mich bezüglich Gruppen-Setting und PTBS. Das war mir so noch nicht klar, da z.B. eine Gruppentherapie (ohne Sucht-Kontext) bei einem psychiatrischen Klinik-Aufenthalt mir echt mal soooo viel gegenben hat und ich daher auch dachte, das wäre gut.
Aber es hat halt eh getriggert und dann, krasserweise, wurde ich in der AA-Gruppe hier nach quasi wenigen Wochen mal eben Gruppensprecherin. Klar, ich habe das "bedient" und "indirekt forciert" weil ich halt kompletter fawn-Typ bin (also mich immer so geben, dass mich alle Gegenüber lieben und wohlwollend gestimmt sind). Ich hab also nicht Nein gesagt aber auch der Druck, so schnell, und dann vor allem noch als meistens einzige oder eine von zwei Frauen in einem sonst Männer-dominierten Meeting... und eben sofort DIESE Verantwortung.
Nee... AA war also komplett triggernd für mich und ich hab da dann einen radikalen Cut gezogen.
Der Ansatz hier scheint mich auch anzusprechen, ich werde tiefer rein lesen!
Ja, mit der kPTBS hab ich ja das Glück, dann leider viel zu spät aber doch noch eine tolle Trauma-Therapie, u.a. mit EMDR (so gut!) gemacht zu haben. Wir hätten auch noch verlängern können, aber im letzten Jahr bin ich hin und zurück 5h für einen Termin gependelt, da ich zwischenzeitlich zwei Bundesländer weiter gezogen bin und ich kann das jetzt mit Berufstätigkeit einfach nicht mehr machen.
Und neu suchen... ha ha!
Aber ich hab immer noch Kontakt zu meiner Trauma-Therapeutin und sie hilft mir ja jetzt auch mit dem GdB-Antrag. Aber eben diese Antragstellung an sich stellt gerade einen Trigger da -.-
Das mit dem Bambi-Reflex in der AA-Gruppe – das leuchtet sofort ein. Und dann gleich Gruppensprecherin, als eine von wenigen Frauen... kein Wunder, dass das nicht funktioniert hat.
Gut, dass du noch losen Kontakt zu deiner Therapeutin hast – und dass sie dich beim GdB-Antrag begleitet. Das ist mehr als nichts, auch wenn es nicht dasselbe ist wie regelmäßige Stunden.
Der GdB-Antrag als Trigger – das kann ich mir vorstellen. Alles nochmal aufschreiben, begründen, belegen ...





