Im ••• hatte ich dann Urlaub und da hab ich wieder angefangen moderat zum Essen mein Glas Wein zu trinken(genießen). Ich dachte wirklich, dass es dabei bleiben würde aber es hat sich schleichend wieder verändert. Zwar trank ich nie wieder so viel wie letztes Jahr beziehungsweise vor meiner achtwöchigen Abstinenz. Aber es wurde wieder zu Gewohnheit, und ich merke immer wieder mehr, wie ich mich selber belüge. Letzte Woche hatte ich dann wieder einen Abend, wo ich anderthalb Flaschen Weißwein getrunken hatte. In dieser Nacht habe ich so eine heftige Panikattacke bekommen Herzrasen und Schweißausbrüche, so dass ich dachte ich sterbe jetzt.
Mit Atemtechnik hab ich das wieder regulieren können und konnte wieder einschlafen. Morgens bin ich dann ganz normal zur Arbeit gegangen und hatte einen heftigen Hangover und vor allem ein Mega schlechtes Gewissen. Ich hatte wirklich gedacht, dass ich kontrolliert trinken kann aber mittlerweile glaube ich das absolut gar nicht mehr. …
Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkoholiker-Forum von Alkohol adé.
Zum geschützten Austausch für Betroffene
Mach’ mit. Lies hier, was neue Mitglieder schreiben.
Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Kann kontrolliertes Trinken nach einer Phase der Abstinenz funktionieren – und was löst Panikattacken nach Alkohol aus?
Die Erfahrung in diesem Bericht ist medizinisch gut dokumentiert. Nach einer mehrwöchigen Abstinenz hat das Gehirn begonnen, sein Belohnungssystem neu zu kalibrieren. Wird dann erneut Alkohol zugeführt, greift der sogenannte Priming-Effekt: Schon ein Glas reaktiviert alte neuronale Muster, und der Konsum steigert sich schleichend zurück zum früheren Niveau. Die nächtliche Panikattacke nach anderthalb Flaschen Wein ist eine typische vegetative Rebound-Reaktion – Alkohol dämpft zunächst das Nervensystem, doch beim Abbau schießt der Körper in eine Überregbarkeit mit Herzrasen, Schwitzen und Angst. Bei wiederholten Abstinenz-Rückfall-Zyklen können solche Entzugssymptome jedes Mal heftiger ausfallen – ein Phänomen, das als Kindling-Effekt bekannt ist. Die schmerzhafte Erkenntnis, dass kontrolliertes Trinken nicht funktioniert, ist medizinisch gut begründet – und ein wichtiger Schritt.
Häufig gestellte Fragen zu kontrolliertem Trinken und Panikattacken nach Alkohol (FAQ)
Kann man nach einer Abstinenzphase kontrolliert Alkohol trinken?
Für Menschen mit einer Alkoholabhängigkeit ist kontrolliertes Trinken in der Regel keine dauerhafte Option. Der Priming-Effekt sorgt dafür, dass bereits geringe Mengen Alkohol alte Konsummuster reaktivieren und die Trinkmenge schleichend ansteigt.
Warum bekommt man Panikattacken nach starkem Alkoholkonsum?
Alkohol wirkt zunächst dämpfend auf das Nervensystem. Beim Abbau reagiert der Körper mit einer Gegenregulation – das vegetative Nervensystem wird überaktiv. Herzrasen, Schweißausbrüche und Angstgefühle bis hin zur Panikattacke sind typische Folgen dieser Rebound-Reaktion.
Was ist der Kindling-Effekt bei Alkohol?
Der Kindling-Effekt beschreibt das Phänomen, dass Entzugssymptome mit jedem neuen Abstinenz-Rückfall-Zyklus stärker werden. Das Nervensystem wird empfindlicher, und auch vegetative Reaktionen wie Panikattacken können sich bei erneutem Konsum intensivieren.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
Die Texte auf der Seite ersetzen keine medizinische Beratung.
Mehr über das Alkoholiker-Forum: “Ehrlicher Austausch auf dem Weg aus der Sucht”

