Ein Rückfall macht die persönliche Entwicklung während einer Abstinenz nicht ungeschehen.
Wenn jemand nach langer Abstinenz einmal trinkt, sofort erkennt, was passiert ist, die Notbremse zieht und seinen Weg konsequent fortsetzt, dann beginnt sein Leben nicht wieder bei Null.
Der Abstinenzzähler vielleicht schon – wenn er dabei hilft, ehrlich zu sich selbst zu bleiben.
Aber Erfahrung, Erkenntnisse, neue Denkweisen, wiedergewonnenes Vertrauen und all das, was in dieser Zeit gewachsen ist, lassen sich nicht auf Null zurücksetzen.
Ein Rückfall löscht keine Entwicklung. Er ist ein Ereignis innerhalb dieser Entwicklung.
Wenn jemand jedoch glaubt, …
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Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Häufig gestellte Fragen zu Rückfall und Abstinenz (FAQ)
Was ist der Abstinenz-Verstoß-Effekt nach einem Rückfall?
Der Abstinenz-Verstoß-Effekt beschreibt ein psychologisches Muster, bei dem ein einziger Ausrutscher als totales Versagen bewertet wird. Diese Alles-oder-nichts-Bewertung führt häufig dazu, dass Betroffene den Konsum fortsetzen, obwohl sie ihn eigentlich sofort stoppen könnten. Die innere Überzeugung, „jetzt ist ohnehin alles egal”, ist dabei oft schädlicher als der Rückfall selbst.
Fängt man nach einem Rückfall in der Abstinenz wirklich bei Null an?
Nein. Der Abstinenzzähler beginnt neu, aber die persönliche Entwicklung bleibt erhalten. Neue Denkweisen, erlernte Bewältigungsstrategien und veränderte neuronale Strukturen verschwinden nicht durch ein einzelnes Trinkereignis. Neuroplastische Veränderungen im Gehirn sind strukturell und benötigen nicht denselben Zeitraum, um sich erneut aufzubauen.
Wie kann ich verhindern, dass aus einem Ausrutscher ein vollständiger Rückfall wird?
Der wichtigste Schritt ist, den Ausrutscher sofort als das zu bewerten, was er ist: ein einzelnes Ereignis, kein Beweis für Scheitern. Schuld und Scham verstärken den Drang weiterzutrinken. Wer den Ausrutscher sachlich einordnet, die Situation analysiert und seinen Weg ohne Selbstverurteilung fortsetzt, hat die besten Chancen, den Rückfall auf ein einzelnes Ereignis zu begrenzen.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
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