Ich durchlebe gerade die nächste Phase glaube ich. Es ist so ‘ne komische Trauer in mir und Zack ist das Thema Romatisierung aufgeploppt … . Mein Gehirn lässt gerade alles negative verblassen (Schlafstörungen, Herzrhythmusstörungen, Weinflaschen verstecken, heimlich trinken, Angstgefühle usw.). Mein Gehirn kramt mit voller Energie nur das Schöne raus, um endlich seine Belohnung zu bekommen. Bin froh das Gaby das thematisiert hat und es wohl ein typisches Muster der Sucht ist …
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Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Was passiert im Gehirn, wenn die Erinnerung an das Trinken plötzlich nur noch schön erscheint?
Was hier beschrieben wird, ist ein in der Suchtmedizin gut dokumentiertes Phänomen: das selektive Erinnern, auch als „Euphoric Recall” bekannt. Das Suchtgedächtnis speichert die belohnenden Wirkungen des Alkohols – Entspannung, Geselligkeit, Enthemmung – besonders stark ab, während negative Folgen wie Schlafstörungen, Herzrhythmusstörungen oder heimliches Trinken im Rückblick verblassen. Dahinter steht das Belohnungssystem des Gehirns, das durch chronischen Alkoholkonsum neuroadaptiv verändert wurde und auch in der Abstinenz weiter nach seiner gewohnten Stimulation verlangt. Die Romantisierung ist dabei kein Zeichen von Schwäche, sondern ein biochemisch verankerter Mechanismus – das Suchtgedächtnis versucht, über selektive Erinnerungen den Weg zurück zur Substanz zu bahnen. Dass dieses Muster erkannt und benannt wird, ist ein wichtiger Schutzfaktor gegen einen tatsächlichen Rückfall.
Häufig gestellte Fragen zu Romantisierung und Suchtgedächtnis bei Alkoholsucht (FAQ)
Was bedeutet Romantisierung beim Alkoholentzug?
Romantisierung beschreibt die Tendenz des Gehirns, die positiven Seiten des Trinkens selektiv hervorzuheben und die negativen Folgen auszublenden. Fachsprachlich wird dieses Phänomen als Euphoric Recall bezeichnet. Es ist ein typisches Muster im Verlauf einer Alkoholabhängigkeit und tritt häufig in Phasen auf, in denen das Suchtgedächtnis besonders aktiv nach Belohnung sucht.
Ist Romantisierung ein Zeichen für einen bevorstehenden Rückfall?
Romantisierung ist ein Warnsignal, aber kein zwangsläufiger Vorbote eines Rückfalls. Entscheidend ist, das Muster zu erkennen und einzuordnen – genau das unterscheidet eine bewusste Auseinandersetzung von einem unbewussten Abdriften. Wer versteht, dass das Gehirn selektiv erinnert, kann dem Impuls bewusst etwas entgegensetzen.
Was hilft gegen die Verklärung der Trinkzeit?
Hilfreich ist es, sich die negativen Konsequenzen des Trinkens bewusst in Erinnerung zu rufen – etwa durch eine persönliche Liste oder den Austausch mit anderen Betroffenen. Das Benennen der Romantisierung im Forum, wie in diesem Beitrag geschehen, ist bereits ein wirksamer Schritt, weil es den automatischen Mechanismus des Suchtgedächtnisses durchbricht.
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