Ich bin jetzt im 4 Monat der Abstinenz. Mein Vater und ich haben uns letzte Woche ein lang ersehnten Traum erfüllt. Und „normalerweise“ stößt man ja mit Sekt darauf an. Kurz: diese absolute Freude darauf hat mich dermaßen getriggert! Es hat mich auch dermaßen angekotzt mir schon Tage vorher zu überlegen, was ich sage um nicht mit Sekt anzustoßen. Hatte Angst, dass sie Fragen stellen und das typische… ach ein Glas geht doch! Denn meine Eltern wissen nicht um mein Problem. Ausrede war dann, kriege Sodbrennen von. Damit war es dann Gott sei dank erledigt und …
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Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Kann ein freudiger Anlass in der Abstinenz plötzlich zum Trigger für Alkoholverlangen werden?
Ja – und das ist neurobiologisch gut erklärbar. Das Gehirn speichert nicht nur negative, sondern auch positive Erlebnisse zusammen mit dem zugehörigen Trinkritual. Wer jahrelang bei Erfolgen, Meilensteinen oder Familienfeiern mit Sekt angestoßen hat, hat diese Verknüpfung tief im Suchtgedächtnis verankert. In der Fachsprache nennt man das klassische Konditionierung: Der festliche Moment wird zum Reiz, der automatisch das Verlangen nach Alkohol aktiviert – auch Monate nach dem letzten Glas. Dass der Beitragsschreiber schon Tage vorher grübelt, welche Ausrede er benutzen soll, zeigt zusätzlich die emotionale Last des Verheimlichens. Dieses Versteckspiel kostet Energie und kann den Trigger noch verstärken. Die Strategie, sich eine glaubwürdige Alternative zurechtzulegen, ist dabei durchaus funktional – sie schützt die Abstinenz, auch wenn sie sich unehrlich anfühlt.
Häufig gestellte Fragen zu Triggern und Abstinenz bei Feiern (FAQ)
Warum lösen ausgerechnet schöne Anlässe Alkoholverlangen aus?
Das Gehirn verknüpft nicht nur Stress, sondern auch Freude mit Alkohol. Wer jahrelang bei Erfolgen mit Sekt oder Wein angestoßen hat, hat diese Verbindung im Suchtgedächtnis gespeichert. Bei einem ähnlichen Anlass aktiviert das Gehirn automatisch das alte Muster – unabhängig davon, wie lange die Abstinenz bereits dauert.
Ist es in Ordnung, eine Ausrede zu benutzen, um nicht trinken zu müssen?
Ja. Gerade wenn das Umfeld nichts von der Alkoholproblematik weiß, ist eine glaubwürdige Ausrede eine pragmatische Schutzstrategie. Sie verhindert Diskussionen und schützt die Abstinenz in einem Moment, in dem Erklärungen überfordern könnten. Langfristig kann es entlastend sein, zumindest einzelnen Vertrauenspersonen gegenüber offen zu sein – aber der Zeitpunkt dafür muss selbst bestimmt werden.
Werden Trigger durch Feiern mit der Zeit schwächer?
In der Regel ja. Jedes Mal, wenn ein festlicher Anlass ohne Alkohol durchgestanden wird, lernt das Gehirn die Situation neu – ohne Belohnung durch Alkohol. Dieser Prozess heißt Gegenkonditionierung. Er braucht Zeit, funktioniert aber nachweislich. Die ersten Male sind die schwersten.
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