Oftmals braucht es einen harten Schuss vor den Bug – zumindest bei mir war das so! Über Jahrzehnte hinweg zum extremen Alkoholiker entwickelt. und dann – ein Parkplatzunfall beim Ausparken, kein Personenschaden, max. leichte Kratzer am Fremdfahrzeug – Lappalie!, Lackschaden 50 Euro beim Fremdfahrzeug, bei meinem gar nichts, aber: Polizei, – Führerschein weg, Promillegehalt 2,3 (und ich fühlte mich noch voll “OK” – eben antrainierter Gewohnheitstrinker und ständig unter “Gas”) – Familie vollständig am Ende aller Nerven!, Köperlich ein “Wrack”! – Da lag ich nun ganz bewusst vor dem Scherbenhaufen der sich über die Zeit angesammelt hatte. Versteckt hinter meinem sehr erfolgreichen Berufsleben und Alkohol! Es musste was passieren, also erst mal …
Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkoholiker-Forum von Alkohol adé. Zum geschützten Austausch für Betroffene
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Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Wie ist es möglich, mit 2,3 Promille noch Auto zu fahren und sich dabei „normal” zu fühlen?
Was hier beschrieben wird, ist ein Lehrbuchbeispiel für Toleranzentwicklung. Das Gehirn eines Gewohnheitstrinkers passt sich neurobiologisch an den dauerhaft erhöhten Alkoholspiegel an – es reguliert hemmende und erregende Systeme so um, dass bei Blutalkoholwerten, die einen Gelegenheitstrinker längst handlungsunfähig machen würden, subjektiv noch „Normalität” empfunden wird. Diese Anpassung ist kein Zeichen von Stärke, sondern ein diagnostisches Kriterium der Alkoholkonsumstörung. Der berufliche Erfolg, hinter dem sich der Konsum versteckt, ist dabei kein Widerspruch zur Diagnose – im Gegenteil: Sogenannte hochfunktionale Verläufe verzögern oft die Krisis, bis ein äußeres Ereignis wie ein Führerscheinentzug die Fassade zum Einsturz bringt. Dieser Scherbenhaufen, so schmerzhaft er ist, kann der Beginn einer echten Veränderung sein.
Häufig gestellte Fragen zu Alkoholismus und Toleranzentwicklung (FAQ)
Kann man mit 2,3 Promille wirklich noch normal funktionieren?
Bei ausgeprägter Toleranzentwicklung – ja. Das Gehirn passt sich an den dauerhaften Alkoholspiegel an, sodass typische Ausfallerscheinungen erst bei deutlich höheren Werten auftreten. Das bedeutet aber nicht, dass der Körper weniger geschädigt wird. Die Fahrleistung ist objektiv stark eingeschränkt, auch wenn sich der Betroffene sicher fühlt.
Was ist hochfunktionaler Alkoholismus?
Hochfunktionaler Alkoholismus beschreibt einen Verlauf, bei dem Betroffene beruflich und sozial lange unauffällig bleiben. Der Konsum wird durch Leistung und Routine verdeckt. Häufig erkennen erst externe Ereignisse wie ein Führerscheinentzug oder familiäre Krisen das tatsächliche Ausmaß der Abhängigkeit.
Führerscheinentzug wegen Alkohol – was passiert danach?
Nach einer Trunkenheitsfahrt drohen in Deutschland Führerscheinentzug, Geldstrafe und die Anordnung einer MPU (Medizinisch-Psychologische Untersuchung). Die MPU verlangt in der Regel den Nachweis einer stabilen Abstinenz über mindestens sechs bis zwölf Monate. Viele Betroffene erleben diesen erzwungenen Einschnitt im Rückblick als Wendepunkt.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
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