Danke für diese Thema, dass den wichtigen Zusammenhang zwischen Dopaminmangel und Suchtanfälligkeit aufzeigt. Ich ( heute 66 J.) habe erst mit 61 Jahren eine eindeutig ADHS -Diagnose erhalten und habe schon immer ( 40 Jahre) missbräuchlichen – riskanten Alkoholkonsum ” genossen” oder besser gesagt gebraucht. Auch anderen Verhaltens – Süchten war ich nicht abgeneigt …ich wollte immer Grenzen sehen und spüren u.a. beim Extremsport. In Gesellschaft habe ich nur zu gerne provoziert, da ich mich fast immer der übliche Smalltalk furchtbar langweilte. Dennoch gelang es mir glücklicherweise, mich auch in vielen Situationen ( Studium Beruf, Sport ) mit viel Einsatz, Willenskraft und nach Hartnäckigkeit erfolgreich durchzubeißen, hier griff offenbar auch ein positiv zu verstehendes Dopamin- Belohnungs-System… (…)
Ich bin auch dankbar dafür, dass hier eine Lanze für die wirklich inhärente und tief verwurzelte Art der ADHS- Problematik gebrochen wird . Das gerade in einer Zeit wo viele dies oft vorschnell als eine rein wehleidige Mode-Diagnose betrachten, die wesentlich von Influencern Leuten unter die Nase gerieben wird, die damit persönliche Defizite entschuldigen und erklären wollen. …
Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkohol adé-Forum. Zum geschützten Austausch für Betroffene

Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Kann eine unerkannte ADHS der Grund für jahrzehntelangen Alkoholmissbrauch sein?
Die Verbindung zwischen ADHS und Alkoholabhängigkeit ist wissenschaftlich gut belegt. Menschen mit ADHS haben ein chronisch erniedrigtes Dopaminniveau im Gehirn – das Belohnungssystem springt auf natürliche Reize weniger an. Alkohol, Extremsport oder provokatives Verhalten können dann unbewusst als Selbstmedikation dienen: Sie liefern kurzfristig den fehlenden Kick. Dass die Diagnose erst mit über 60 gestellt wird, ist kein Einzelfall – insbesondere bei Erwachsenen, die durch Intelligenz und Willenskraft ihre Defizite lange kompensieren konnten. Der hohe Leidensdruck wird dann oft nicht der ADHS zugeschrieben, sondern als Charakterschwäche fehlgedeutet. Eine späte Diagnose kann für Betroffene eine enorme Entlastung sein, weil sie jahrzehntelanges Verhalten erstmals neurobiologisch einordnet – auch die Rolle von Dopamin als treibende Kraft hinter dem Konsum.
Häufig gestellte Fragen zu ADHS und Alkoholsucht (FAQ)
Ja. Studien zeigen, dass Erwachsene mit ADHS ein deutlich erhöhtes Risiko für eine Alkoholkonsumstörung haben. Der Grund liegt im dopaminergen System: Das Gehirn sucht intensivere Reize, um das chronische Belohnungsdefizit auszugleichen. Alkohol liefert diesen Reiz schnell und zuverlässig – was den Einstieg in missbräuchlichen Konsum begünstigt.
Trinken Menschen mit ADHS häufiger problematisch Alkohol?
Ja, ADHS ist keine reine Kindheitsdiagnose. Viele Betroffene erhalten die Diagnose erst im mittleren oder höheren Erwachsenenalter – besonders wenn sie durch Begabung, Disziplin oder beruflichen Erfolg lange kompensiert haben. Spezialisierte Psychiater können ADHS auch jenseits der 60 zuverlässig diagnostizieren.
Kann eine ADHS-Diagnose im Erwachsenenalter noch gestellt werden?
Sensation Seeking – also die Suche nach intensiven Erlebnissen, Grenzerfahrungen oder Risiko – kann ein Hinweis auf ADHS sein, muss es aber nicht. Bei ADHS ist das ständige Bedürfnis nach Stimulation oft Ausdruck eines dopaminergen Defizits. Extremsport, Provokation oder riskanter Alkoholkonsum können Versuche sein, dieses Defizit auszugleichen.
Ist Sensation Seeking ein Hinweis auf ADHS?
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