Dann in der Lehre auch mal öfters unter der Woche, es kam da auch vor, dass der Chef mal was sagte, leider nur so was wie: wenn du saufen kannst, dann kannst du auch arbeiten! Ich kann mich da noch erinnern, dass ich in meiner privaten Werkzeugkiste oft eine Flasche Baileys hatte, von der trank nicht nur ich, nein auch meine Gesellen und einer von den Chefs. Zu der Zeit fing ich dann auch noch zum rauchen an, allerdings erst gegen Ende der Lehre. …
Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkohol adé-Forum. Zum geschützten Austausch für Betroffene
Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Was passiert, wenn Alkohol am Arbeitsplatz als völlig normal gilt – und Vorgesetzte mittrinken?
Was in diesem Bericht beschrieben wird, ist ein Lehrbuchbeispiel für soziale Modellwirkung: Wenn der Chef selbst zur Flasche greift und den Konsum mit Sprüchen wie „Wenn du saufen kannst, dann kannst du auch arbeiten” aktiv verharmlost, lernt der Lehrling, dass Trinken zum Beruf gehört. Das Gehirn verknüpft Alkohol mit Zugehörigkeit, Anerkennung und Arbeitsalltag – eine Verbindung, die weit über die Lehrzeit hinaus wirkt. Besonders in körperlich fordernden Berufen wie dem Bau entsteht so ein Umfeld, in dem sich eine Toleranzentwicklung schleichend aufbauen kann, ohne dass irgendjemand Alarm schlägt. Die Flasche in der Werkzeugkiste ist dabei kein Einzelfall, sondern Ausdruck einer Trinkkultur, in der individuelle Warnsignale systematisch übersehen werden.
Häufig gestellte Fragen zu Alkohol am Arbeitsplatz und Trinkkultur (FAQ)
Auf Baustellen herrscht oft eine historisch gewachsene Trinkkultur. Körperlich anstrengende Arbeit, ein rauer Umgangston und fehlende betriebliche Prävention schaffen ein Umfeld, in dem Alkoholkonsum normalisiert wird. Wenn Vorgesetzte mittrinken, verstärkt sich dieser Effekt durch soziale Modellwirkung erheblich.
Warum ist Alkohol auf dem Bau besonders verbreitet?
Soziale Modellwirkung beschreibt das Lernen durch Beobachtung. Wenn Kollegen und Chefs regelmäßig trinken, übernehmen besonders junge Menschen dieses Verhalten als Norm. Das Gehirn verknüpft Alkohol mit Zugehörigkeit und Anerkennung – eine Verbindung, die später nur schwer aufzulösen ist.
Was bedeutet soziale Modellwirkung beim Alkoholkonsum?
Spätestens wenn Trinken nicht mehr gelegentlich, sondern regelmäßig und erwartungsgemäß stattfindet, ist die Grenze überschritten. Warnsignale sind heimlicher Konsum, Alkoholvorräte am Arbeitsplatz und das Gefühl, ohne Alkohol nicht dazuzugehören. Auch wenn das Umfeld nicht reagiert, ist der Konsum deshalb nicht unbedenklich.
Ab wann wird Alkohol am Arbeitsplatz zum Problem?
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
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