Ich bin jetzt im 4 Monat der Abstinenz … meine Eltern wissen nicht um mein Problem. … Mein Vater betitelt sich selber als schwerer Ex Alkoholiker, ist aber seit 40 Jahren ununterbrochen abstinent. Es fällt mir so unglaublich schwer es ihnen zusagen weil ich sie nicht enttäuschen will. Habe Angst davor, dass so Sätze kommen wie… das hättest du doch wissen müssen, dein Vater war auch Abhängig oder hast du kein Willen! Keine Ahnung wann der richtige Tag dafür ist, ihnen das zusagen? Denn mir immer Ausreden einfallen zulassen ist sehr anstrengend. Für den Moment hat man seine Ruhe aber auf Dauer ist zermürbend. …
Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkohol adé-Forum. Zum geschützten Austausch für Betroffene
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Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Ist Alkoholsucht vererbbar – und warum fällt es gerade in betroffenen Familien so schwer, darüber zu sprechen?
Die Angst, nahestehende Menschen mit der eigenen Abhängigkeit zu enttäuschen, ist einer der häufigsten Gründe, warum Betroffene ihre Alkoholkonsumstörung lange verheimlichen. Dass der Vater selbst betroffen war, erhöht den inneren Druck zusätzlich – denn gerade das Wissen um die familiäre Vorbelastung wird oft als Vorwurf gegen sich selbst gewendet. Tatsächlich zeigt die Forschung, dass genetische und epigenetische Faktoren das Risiko für eine Alkoholabhängigkeit deutlich erhöhen können. Kinder alkoholkranker Eltern tragen ein drei- bis vierfach erhöhtes Risiko, selbst zu erkranken. Das ist keine Frage von fehlendem Willen, sondern von neurobiologischer Disposition. Die Erfahrung zeigt: Gerade Angehörige mit eigener Suchtgeschichte reagieren häufig mit mehr Verständnis als befürchtet – weil sie die Mechanismen aus eigener Erfahrung kennen.
Häufig gestellte Fragen zu Alkoholsucht und Familie (FAQ)
Ist Alkoholismus vererbbar, wenn ein Elternteil betroffen war?
Alkoholabhängigkeit hat eine starke genetische Komponente. Studien zeigen, dass Kinder alkoholkranker Eltern ein drei- bis vierfach erhöhtes Risiko tragen, selbst eine Alkoholkonsumstörung zu entwickeln. Dabei handelt es sich nicht um eine deterministische Vererbung, sondern um eine erhöhte Vulnerabilität – das Zusammenspiel aus Genen, epigenetischen Veränderungen und Umweltfaktoren entscheidet letztlich über den individuellen Verlauf.
Soll ich meiner Familie von meiner Alkoholsucht erzählen?
Viele Betroffene berichten, dass das Offenlegen der eigenen Abhängigkeit gegenüber Angehörigen langfristig entlastend wirkt. Die Energie, die ins Verheimlichen fließt, fehlt für die eigentliche Stabilisierung der Abstinenz. Ein geschützter Rahmen – etwa ein ruhiges Gespräch unter vier Augen – kann den Einstieg erleichtern. Professionelle Beratungsstellen bieten auch Unterstützung für Angehörigengespräche an.
Warum erzeugt das Verheimlichen einer Alkoholabhängigkeit so viel Stress?
Das dauerhafte Aufrechterhalten einer Fassade bindet erhebliche psychische Ressourcen. Betroffene müssen ständig Ausreden erfinden, Situationen vermeiden und ihre Reaktionen kontrollieren. Dieser chronische Stress kann die Abstinenz gefährden, weil Anspannung ein bekannter Trigger für Rückfälle ist. Offenheit – im eigenen Tempo und gegenüber vertrauenswürdigen Personen – kann diesen Kreislauf durchbrechen.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
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