Mein Trinkverhalten davor: ich gehöre zu denen, bei denen man sich nicht viel dachte. Ich stand auch dazu, recht gern und nicht gerade wenig Wein zu trinken. Nie unter Tags. Abends. Darauf freute ich mich auch unheimlich. So sehr, dass es meinen Tag erhellte, die große Vorfreude auf das Eintauchen in irgendwie noch eine andere Welt. Jahre lang alleinerziehend, selbständig, mehrfach belastet. Das ging über Jahre so. Das klingt natürlich jetzt erstmal toll, von außen gelesen. Dennoch merkte ich .. das Ziel war der Abend, nicht der Moment. Der Moment am Abend, realistisch betrachtet, war kurz. Der erste Schluck, ein Genuss… dann aber das Gefühl, den Moment halten wollen, mehr davon. So war im Nu über den Abend bald eine Flasche Weißwein leer. Irgendwann öffnete ich halt eine zweite, nur noch ein kleiner Schluck .. da war mir schon klar, ok ist das nicht mehr. Lange nicht mehr. Es dauerte auch immer länger in den Zustand zu kommen, manchmal klappte es gar nicht mehr. Am nächsten Tag …
Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkohol adé-Forum. Zum geschützten Austausch für Betroffene
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Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Warum wird der Abend zum eigentlichen Ziel – und wie schleicht sich aus Entspannungstrinken eine Alkoholsucht ein?
Der Wunsch, gezielt den Abend zu erreichen, ist keine Willensschwäche, sondern Ausdruck eines konditionierten Belohnungssystems. Mit jedem Abend, an dem Alkohol Entspannung verspricht, verstärkt sich die Erwartungshaltung des Gehirns – ein Muster, das als Entspannungstrinken beschrieben wird. Gleichzeitig gewöhnt sich der Körper an die Substanz: Die gleiche Menge wirkt irgendwann schwächer, der ersehnte Zustand tritt später oder gar nicht mehr ein. Diesen Prozess nennt die Medizin Toleranzentwicklung. Wer merkt, dass der erste Genussmoment kürzer wird und die Menge dennoch steigt, erlebt ein frühes Warnzeichen fortschreitender Abhängigkeit. Das ist kein Versagen, sondern eine neurobiologisch erklärbare Entwicklung – und genau deshalb lohnt sich ein ehrlicher Blick darauf.
Häufig gestellte Fragen zu Alkoholsucht und Toleranzentwicklung (FAQ)
Warum reicht irgendwann eine Flasche Wein nicht mehr aus?
Der Körper passt sich bei regelmäßigem Konsum an Alkohol an. Diese Toleranzentwicklung sorgt dafür, dass die gleiche Menge schwächer wirkt und mehr getrunken werden muss, um denselben Effekt zu spüren.
Ist die Vorfreude auf den Abend schon ein Anzeichen für Alkoholsucht?
Eine starke, wiederkehrende Vorfreude auf das Trinken kann auf ein konditioniertes Belohnungsmuster hindeuten. Allein ist das noch keine Diagnose, aber ein Signal, das ernst genommen werden sollte.
Warum dauert es irgendwann länger, sich durch Alkohol zu entspannen?
Das ist ein typisches Zeichen von Toleranzentwicklung. Das Nervensystem gewöhnt sich an die dämpfende Wirkung von Alkohol, wodurch der gewünschte Effekt langsamer oder schwächer eintritt.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
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