Ich war seit über 35 Jahren abstinent und hatte dann zwei schwere Rückfälle, den letzten im Febr. dieses Jahres. Seitdem ist wieder alles ok. Aber mich erschüttert schon, dass ich, besonders wenn es mir ausgesprochen gut geht, an Alkohol denke, bzw. das Bedürfnis habe, etwas trinken zu wollen.
Z. B. ging es mir vor 2 Wochen so, als ich nach Beendigung eines großen Gesundheitschecks auf der Rückfahrt von meiner Hausarztpraxis nach Hause war. Mein Arzt hatte mir mitgeteilt, dass alles super war und nicht besser hätte sein können!!! Da ist in mir dieser Wunsch hochgekommen: Mensch, jetzt einen (oder die ganze Flasche) Sekt, um das Hochgefühl noch zu steigern. Dank “Alkohol adé” und “Rückfall adé ” habe ich es aber geschafft, …
Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkohol adé-Forum. Zum geschützten Austausch für Betroffene
Mach’ mit. Lies hier, was neue Mitglieder schreiben.
Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Warum kann ausgerechnet Freude oder ein Erfolgserlebnis das Verlangen nach Alkohol wecken – selbst nach jahrzehntelanger Abstinenz?
Auch nach sehr langer Abstinenz kann das Suchtgedächtnis reaktiviert werden – nicht nur durch Stress oder negative Gefühle, sondern gerade auch durch intensive Freude. Positive Emotionen wie Erleichterung, Stolz oder ein Glücksmoment aktivieren dasselbe Belohnungssystem im Gehirn, das früher durch Alkohol stimuliert wurde. Dieser sogenannte Priming-Effekt sorgt dafür, dass ein Hochgefühl unbewusst den Wunsch weckt, es „durch mehr desselben” zu steigern. Craving, im Forum treffend als Saufdruck beschrieben, ist dabei keine Charakterschwäche, sondern ein biologisch geprägter Automatismus des Dopamin-Systems. Entscheidend ist: Dieses Muster bleibt lebenslang abrufbar, verliert mit stabiler Abstinenz aber zunehmend an Intensität.
Häufig gestellte Fragen zu Rückfall nach langer Abstinenz (FAQ)
Warum kann ausgerechnet Freude einen Rückfall auslösen?
Weil positive Gefühle dasselbe Belohnungssystem im Gehirn aktivieren, das früher durch Alkohol stimuliert wurde. Ein Glücksmoment kann so unbewusst den Wunsch wecken, das Gefühl mit Alkohol zu steigern.
Ist ein Rückfall nach 35 Jahren Abstinenz ungewöhnlich?
Nein. Das Suchtgedächtnis bleibt lebenslang abrufbar, unabhängig von der Dauer der Abstinenz. Bestimmte emotionale Zustände – auch positive – können es jederzeit wieder aktivieren.
Wie lässt sich Craving nach positiven Erlebnissen erkennen und bewältigen?
Wichtig ist, das Verlangen als bekanntes Muster zu benennen, statt es als persönliches Versagen zu werten. Austausch mit anderen Betroffenen, etwa im Forum, hilft, den Impuls einzuordnen und abklingen zu lassen.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
Die Texte auf der Seite ersetzen keine medizinische Beratung.

