Nach beiden Rückfällen machte ich zu Hause allein einen kalten Entzug. Heute weiß ich, dass dies sehr gefährlich und keinesfalls empfehlenswert ist.
Rückblickend hatte ich definitiv schon früher Entzugserscheinungen. Ich wachte nachts völlig verschwitzt auf, zitterte und fühlte mich körperlich sehr schlecht. Damals habe ich diese Symptome jedoch nicht richtig eingeordnet beziehungsweise ausgeblendet, dass sie mit meinem Alkoholkonsum zusammenhängen könnten.
Beim letzten kalten Entzug waren die Beschwerden besonders deutlich. Ich hatte starkes Zittern, massive Schweißausbrüche und nachts Halluzinationen. Das sind Symptome, über die man vielleicht schon einmal gelesen hat, deren tatsächliche Belastung und Gefährlichkeit man sich aber kaum vorstellen kann, solange man sie nicht selbst erlebt hat.
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Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Können Entzugserscheinungen bei Alkoholismus schon lange vor dem eigentlichen Aufhören auftreten?
Ja – und das ist medizinisch gut erklärbar. Bereits bei fortgeschrittenem Alkoholkonsum reagiert das Nervensystem mit Übererregung, sobald der Alkoholspiegel zwischen den Trinkphasen absinkt. Nächtliches Schwitzen, Zittern und innere Unruhe sind klassische Zeichen dieser sogenannten Miniatur-Entzüge. Viele Betroffene ordnen diese Symptome nicht richtig ein oder führen sie auf Stress oder andere Ursachen zurück. Besonders kritisch wird es bei wiederholten Selbstentzügen: Durch den Kindling-Effekt reagiert das Gehirn mit jedem weiteren Entzug empfindlicher, sodass Symptome wie Halluzinationen oder Krampfanfälle auftreten können, die beim ersten Mal noch fehlten. Ein kalter Alkoholentzug ohne ärztliche Begleitung ist deshalb medizinisch riskant und kann lebensbedrohlich werden.
Häufig gestellte Fragen zu Entzugserscheinungen bei Alkoholentzug (FAQ)
Warum werden Entzugserscheinungen mit jedem Entzug schlimmer?
Das Gehirn wird durch wiederholte Entzugsphasen zunehmend empfindlicher – Fachleute sprechen vom Kindling-Effekt. Die erregenden Nervensysteme (Glutamat) sind dauerhaft überaktiviert, während die dämpfenden Systeme (GABA) geschwächt sind. Dadurch können bei jedem weiteren Entzug schwerere Symptome wie Krampfanfälle oder Halluzinationen auftreten, selbst wenn frühere Entzüge mild verliefen.
Was sind typische frühe Entzugserscheinungen, die oft übersehen werden?
Nächtliches Schwitzen, leichtes Zittern der Hände, Schlafstörungen, erhöhter Puls und innere Unruhe zwischen den Trinkphasen sind häufige Frühzeichen. Viele Betroffene bringen diese Symptome nicht mit ihrem Alkoholkonsum in Verbindung, weil sie beim nächsten Trinken wieder verschwinden.
Ist ein kalter Alkoholentzug zu Hause gefährlich?
Ja. Ohne ärztliche Überwachung können schwere Komplikationen wie Delirium tremens, Krampfanfälle oder Kreislaufversagen auftreten. Besonders bei Menschen mit längerer Trinkgeschichte oder vorangegangenen Entzügen steigt das Risiko erheblich. Ein medizinisch begleiteter Entzug ermöglicht eine sichere Symptomkontrolle durch geeignete Medikamente.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
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