Insbesondere vermisse ich das leicht, beschwingte Gefühl beim Rausgehen. Das automatische “besser drauf sein” und den automatisch viel freundlicheren Gesichtsausdruck. Ohne Alk fragen mich die Leute:”Warum guckst Du so ernst/böse?” “Lach doch mal!” Und wenn dann auch noch Musik läuft, die nicht meine ist, ist es noch schlimmer.
Jetzt könnte man sagen, dann geh halt nicht mehr raus. Aber ich möchte weiterhin mit meinen Freunden rausgehen. Das Problem ist zudem, daß Alk in der Gesellschaft so “normal” ist und überall dazu gehört. Letztens war ich auf einem Weinmarkt und habe mit meiner Freundin Wein getrunken. Ich möchte nicht auf etwas verzichten, was für jeden dazu gehört. Aber ich muss jedes Mal sehr kämpfen, um wieder in die Abstinenz zu kommen (viel lesen und mich mit dem Thema beschäftigen). (Ansonsten würde ich auch zu Hause wieder jeden Tag trinken.) Ich weiß, eigentlich sollte es Freiheit und nicht Verzicht bedeuten, aber leider ist es für mich Verzicht.
Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkoholiker-Forum von Alkohol adé.
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Gute Stimmung ohne Alkohol – fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Warum fühlt sich Abstinenz anfangs oft nach Verzicht an – und kommt die gute Laune ohne Alkohol zurück?
Alkohol setzt im Belohnungssystem Dopamin frei und dämpft soziale Hemmungen. Das beschwingte Gefühl beim Ausgehen ist also eine pharmakologische Wirkung und keine Charaktereigenschaft. Wer lange regelmäßig getrunken hat, dessen Gehirn hat sich auf diese Unterstützung eingestellt. Ohne Alkohol wirkt die Stimmung deshalb zunächst flacher. Fachleute sprechen von Anhedonie, und das ernste Gesicht, auf das andere reagieren, ist meist ein Übergangszustand. Jeder erneute Konsum, auch auf dem Weinmarkt, bremst diese Neuanpassung jedoch aus. Darum kostet der Weg zurück in die Abstinenz jedes Mal so viel Kraft. Erst eine längere, ununterbrochene Abstinenzphase gibt dem Gehirn die Zeit, sich neu einzupendeln. Dann fühlt sich das Leben ohne Alkohol für viele Betroffene zunehmend nach Freiheit an statt nach Verzicht.
Häufig gestellte Fragen zu Spaß ohne Alkohol und Abstinenz (FAQ)
Warum bin ich ohne Alkohol schlechter gelaunt?
Nach längerem Alkoholkonsum hat sich das Belohnungssystem an die regelmäßige Dopaminausschüttung durch Alkohol gewöhnt. Ohne Alkohol fühlt sich die Stimmung deshalb zunächst gedämpft an. Dieser Zustand ist in der Regel vorübergehend und bessert sich mit anhaltender Abstinenz.
Kann man ohne Alkohol wieder richtig Spaß haben?
Ja. Die Fähigkeit, Freude und Leichtigkeit zu empfinden, kehrt bei den meisten Menschen mit der Zeit zurück. Voraussetzung ist, dass das Gehirn genug Zeit ohne Alkohol bekommt, um sich neu einzustellen. Viele Betroffene erleben Geselligkeit später sogar bewusster als früher.
Warum fällt die Rückkehr in die Abstinenz nach einem Ausrutscher so schwer?
Jeder Konsum reaktiviert das Suchtgedächtnis und verstärkt das Verlangen nach Alkohol. Die bereits begonnene Neuanpassung im Gehirn wird dadurch unterbrochen. Deshalb kostet jeder Neustart viel Kraft, und eine stabile, ununterbrochene Abstinenz ist auf Dauer der leichtere Weg.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
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