Wenn ich heute 30,35 Jahre zurückdenke, weiß ich ziemlich genau, wer ich war, wer ich werden wollte, wer ich werden könnte. Mir fehlte nur oft der Mut, die Entschlossenheit, die Kraft, der Antrieb, es auch tu TUN. Da ich das immer schon wusste, aber aus Bequemlichkeit, Faulheit, Angst vor dem Scheitern lieber mit dem einfachen Weg vorlieb nahm, begann ich zu trinken, um mir die Welt “schön zu saufen” und das sich anfangs noch langsam drehende Hirn zu beruhigen.
Das “neue Leben” ist eben nicht nur das alte Leben ohne Alkohol. Nein, es waren (gottseidank) auch viele andere Veränderungen notwendig, die mich heute so sehr erfüllen. …
Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkoholiker-Forum von Alkohol adé.
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Abstinenz als Neuanfang – fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Reicht es, mit dem Trinken aufzuhören – oder braucht dauerhafte Abstinenz mehr als den Verzicht auf Alkohol?
Viele Betroffene beschreiben, dass Alkohol anfangs eine Aufgabe erfüllte: Er dämpfte innere Unruhe, Selbstzweifel und die Angst vor dem Scheitern. Fachleute sprechen hier auch vom Entspannungstrinken. Das Gehirn lernt dabei, dass Trinken schnell Erleichterung bringt, und greift in belastenden Momenten immer wieder darauf zurück. Fällt der Alkohol weg, bleiben die ursprünglichen Gründe zunächst bestehen. Deshalb gelingt dauerhafte Abstinenz oft dann am besten, wenn Betroffene auch ihren Alltag, ihre Ziele und den Umgang mit Belastungen verändern. Der Erfahrungsbericht zeigt genau das: Das neue Leben entsteht nicht durch Verzicht allein. Es entsteht durch Veränderungen, die man aktiv angeht.
Häufig gestellte Fragen zu Abstinenz und dem Leben ohne Alkohol (FAQ)
Reicht es, einfach mit dem Trinken aufzuhören?
Der Verzicht auf Alkohol ist der entscheidende erste Schritt. Hatte das Trinken aber eine Funktion, etwa Angst oder Unruhe zu dämpfen, bleiben diese Gründe zunächst bestehen. Stabile Abstinenz gelingt meist dann, wenn auch diese Themen angegangen werden.
Kann Alkohol eine Form der Vermeidung sein?
Ja. Viele Menschen trinken, um unangenehmen Gefühlen wie Versagensangst oder Selbstzweifeln auszuweichen. Das Gehirn speichert Alkohol dann als schnelle Lösung ab, was die Entwicklung einer Alkoholsucht begünstigen kann.
Was verändert sich im Leben nach dem Alkoholentzug?
Nach dem Alkoholentzug entsteht oft Raum für Dinge, die lange aufgeschoben wurden: eigene Ziele, Beziehungen, neue Routinen. Viele Betroffene erleben genau diese Veränderungen als das, was die Abstinenz langfristig trägt.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
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