Das änderte sich in der Nüchternheit. Ich begann nur noch die Dinge zu tun, die ich wirklich wollte – und zu anderen Dingen NEIN zu sagen. Kein böses, ärgerliches, abwertendes NEIN. Einfach nur NEIN. Ich war selbst überrascht, wie schnell das akzeptiert wurde. Weil ich „frei von schlechtem Gewissen“ war.
So brach ich auch mit meiner zweiten Eigenheit der Trinkerphase: mich als das Zentralgestirn zu betrachten, um das alles kreist. Kreisen muss. Denn das tat es nicht. Ich HIELT mich nur für wichtig. Seit ich weiß, dass ich bestenfalls ein Felsbrocken im Asteroidengürtel des Sonnensystems bin, brauch ich gar kein People-Pleasing mehr.
Meine Eitelkeiten habe ich kanalisiert. Gereinigt, sortiert, neu definiert. Ich habe meinen Frieden mit mir gemacht. Und deshalb empfinde ich dieses „neue Leben“ überhaupt nicht als langweilig.
Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkoholiker-Forum von Alkohol adé.
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Fachliche Einordnung: People-Pleasing und Alkoholismus – Dr. med. Bernd Guzek
Warum hängen People-Pleasing und Alkoholismus so oft zusammen – und was verändert die Abstinenz?
People-Pleasing – das zwanghafte Bemühen, es allen recht zu machen – ist bei alkoholabhängigen Menschen weit verbreitet. Dahinter steht häufig ein instabiles Selbstwertgefühl, das durch Alkohol vorübergehend betäubt wird. Wer trinkt, vermeidet Konflikte und sucht Bestätigung im Außen – das Belohnungssystem wird durch soziale Anerkennung ähnlich aktiviert wie durch Alkohol selbst. In der Abstinenz fällt dieser doppelte Mechanismus weg. Was zunächst verunsichert, eröffnet einen Lernprozess: eigene Bedürfnisse wahrnehmen, Grenzen setzen, Nein sagen. Die Erfahrung, dass ein klares Nein akzeptiert wird, stärkt den Selbstwert nachhaltiger als jede äußere Bestätigung.
äufig gestellte Fragen zu People-Pleasing und Alkoholismus (FAQ)
Warum ist People-Pleasing bei alkoholabhängigen Menschen so verbreitet?
People-Pleasing hängt oft mit einem instabilen Selbstwertgefühl zusammen. Alkohol dämpft die innere Unsicherheit und erleichtert es, Konflikte zu vermeiden. In der Folge wird das Ja-Sagen zur Gewohnheit – und das Trinken zur Bewältigungsstrategie.
Kann Abstinenz das Selbstwertgefühl stärken?
Ja. Viele Betroffene berichten, dass sie erst in der Nüchternheit lernen, eigene Grenzen zu setzen und Nein zu sagen. Die Erfahrung, dass das akzeptiert wird, baut echten Selbstwert auf – unabhängig von äußerer Bestätigung.
Was hilft gegen People-Pleasing in der Nüchternheit?
Ein erster Schritt ist, das eigene Verhalten zu erkennen. Viele Betroffene profitieren vom Austausch in Selbsthilfegruppen oder Foren. Therapeutische Begleitung kann helfen, alte Muster durch neue Strategien der Abgrenzung zu ersetzen.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
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