Abstinenz ist ja nur ein Spezialloch, dass das Leben im Laufe der Zeit, neben vielen anderen Löchern aufreißt. Ich kann mit dem Abstinenzloch ganz gut Leben und kann mir viel schlimmere Löcher vorstellen. Da ich mich gerne im Klavierspiel übe, würde der Verzicht auf meinen kleinen Finger ein sehr viel größeres Loch reißen.
Ein Maßstab für die Größe meines Abstinenzloches, ist folgender Gedanke: Wenn ich mir drei konkrete Fähigkeiten wünschen könnte, dann wäre “kontrolliert Trinken können” nicht dabei – kontrolliert Trinken käme vielleicht auf Platz 10, wenn mir nix besseres mehr einfällt.
Hinter dieser Aussage steckt auch Selberschutz und die menschliche Eigenart, sich negative Erlebnisse besser zu merken als positive. An meine negativen Suchterlebnisse kann ich mich viel besser und detaillierter erinnern. Meine positiven Erinnerungen hängen weniger konkret am Alkohol als vielmehr an einem Lebensgefühl …
Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkoholiker-Forum von Alkohol adé.
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Fachliche Einordnung zur Abstinenz durch Dr. med. Bernd Guzek
Vermisst man den Alkohol in der Abstinenz – oder wäre kontrolliert trinken doch eine Option?
Was in diesem Beitrag anklingt, hat in der Psychologie einen Namen: Negativitätsverzerrung. Das Gehirn speichert schmerzhafte und bedrohliche Erlebnisse intensiver und detailreicher als angenehme – ein uralter Schutzmechanismus, der in der Abstinenz stabilisieren kann. Viele Alkoholiker erleben eher das Gegenteil: Die Erinnerung verklärt das Trinken, eine typische Romantisierung von Alkohol und ein bekanntes Rückfallrisiko. Aufschlussreich ist auch die Beobachtung, dass die guten Erinnerungen weniger am Alkohol hängen als an einem Lebensgefühl. Dieses Lebensgefühl lässt sich auch ohne Alkohol wiederfinden. Wer das kontrollierte Trinken nicht einmal vermisst, hat einen klaren inneren Kompass – eine starke Grundlage für wirksame Rückfallprävention.
Häufig gestellte Fragen zu Abstinenz und kontrolliertem Trinken (FAQ)
Ist kontrolliertes Trinken für Alkoholiker möglich?
Bei einer ausgeprägten Alkoholabhängigkeit gelingt kontrolliertes Trinken auf Dauer nur selten. Das Suchtgedächtnis bleibt bestehen, und viele Betroffene rutschen nach einiger Zeit in alte Trinkmuster zurück. Abstinenz gilt deshalb als das stabilste Ziel.
Vermisst man den Alkohol in der Abstinenz für immer?
Das Vermissen ist am Anfang oft stark und lässt mit der Zeit bei vielen deutlich nach. Was bleibt, hängt häufig weniger am Alkohol selbst als an Situationen und Gefühlen, die mit dem Trinken verbunden waren. Diese lassen sich mit der Zeit neu besetzen.
Warum erinnert man sich an negative Suchterlebnisse besser?
Das Gehirn gewichtet bedrohliche Erfahrungen stärker, weil sie für das Überleben wichtiger sind. Für Menschen in der Abstinenz kann das ein Schutz sein: Wer die Schattenseiten der Alkoholsucht klar vor Augen hat, ist weniger anfällig für verklärende Erinnerungen.
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