Oder ich denke an all die peinlichen Situationen, in denen ich mich an nichts mehr erinnern konnte, Filmrisse hatte, als ich irgendwo aufgewacht bin, vielleicht verletzt, mit fiesem Geschmack im Mund und höllischen Kopfschmerzen und Ganzkörperschmerzen. Oder als ich das Handy ins Klo geschmissen habe. SMSen geschrieben habe, die ich besser nicht hätte schreiben sollen.
Bisher haben diese Gedanken die Alkohol-Nostalgie übertroffen. Ich habe heute bessere Gespräche, kann tanzen ohne zu stolpern und bleibe Herrin der Lage. Das genieße ich sehr.
Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkoholiker-Forum von Alkohol adé.
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Alkohol-Nostalgie in der Abstinenz: Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Warum vermisst man den Alkohol manchmal trotz Filmrissen und Kater – und was hilft gegen diese Alkohol-Nostalgie in der Abstinenz?
Was die Autorin beschreibt, hat in der Suchtforschung einen Namen: Romantisierung von Alkohol. Das Gehirn speichert die angenehmen ersten Stunden eines Rausches bevorzugt ab, während die Folgen am nächsten Morgen schnell verblassen. Gerade in der Abstinenz kann diese verklärte Erinnerung zum Rückfallrisiko werden. Die Gegenstrategie der Autorin ist wirksam: Sie denkt den Abend bis zum Ende, bis zum Filmriss, zu den Verletzungen und zu den Nachrichten, die sie lieber nicht geschickt hätte. Ein Filmriss entsteht, weil hohe Alkoholspiegel die Gedächtnisbildung im Hippocampus blockieren, und er ist ein klares Warnzeichen für gefährliche Trinkmengen. Ebenso wichtig ist jeder nüchterne Abend mit guten Gesprächen und sicherem Heimweg, denn er legt neue, positive Erinnerungen an, die der Nostalgie etwas entgegensetzen.
Häufig gestellte Fragen zu Alkohol-Nostalgie und Filmriss in der Abstinenz (FAQ)
Was ist Alkohol-Nostalgie?
Alkohol-Nostalgie ist die verklärte Erinnerung an die eigene Trinkzeit. Positive Momente wie Lockerheit oder Geselligkeit bleiben im Gedächtnis, Kater, Scham und Kontrollverlust treten in den Hintergrund. In der Abstinenz kann diese Romantisierung Saufdruck auslösen.
Was hilft gegen Alkohol-Nostalgie in der Abstinenz?
Bewährt hat sich, den Trinkabend gedanklich bis zum Ende durchzuspielen: Filmriss, Verletzungen, peinliche Nachrichten, der Morgen danach. So wird die verklärte Erinnerung durch die realistische ergänzt. Zusätzlich helfen bewusst erlebte nüchterne Abende, die neue positive Erfahrungen schaffen.
Wie entsteht ein Filmriss durch Alkohol?
Bei hohen Blutalkoholwerten kann der Hippocampus neue Erlebnisse nicht mehr ins Langzeitgedächtnis übertragen. Die Erinnerung fehlt dann ganz oder in Teilen. Ein Filmriss zeigt, dass die Trinkmenge in einem gefährlichen Bereich lag.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
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