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Alkoholentzug zu Hause (Teil 1): So bereitest Du Dich vor

    Frau steht in ihrer Küche und gießt Rotwein aus einer Flasche in die Spüle. Hinter ihr steht eine Kiste mit weiteren Alkoholflaschen – sie entfernt ihren Alkoholvorrat aus der Wohnung.

    Dein Arzt hat grünes Licht gegeben: Du kannst den Alkoholentzug zu Hause machen, unter seiner Begleitung. Jetzt stehst Du da und fragst Dich: Was genau muss ich tun, bevor ich das letzte Glas stehen lasse? Dieser Artikel hilft bei der Vorbereitung — Teil eins einer zweiteiligen Serie.

    Dr. med. Bernd Guzek
    Dr. med. Bernd Guzek Arzt & Wissenschaftsjournalist

    Alexandra sitzt im Auto auf dem Parkplatz vor der Arztpraxis und starrt auf den Zettel, den ihr Hausarzt ihr mitgegeben hat. Darauf stehen sein Handynummer, ein Termin für Montag und ein Rezept für „Diazepam”, das sie in der Apotheke einlösen soll. Alexandra hat ihrem Arzt vor zwanzig Minuten zum ersten Mal gesagt, dass sie ein Problem mit Alkohol hat. Seit gut vier Jahren trinkt sie abends Wein, meistens eine Flasche, manchmal mehr. Ihr Arzt hat Blut abgenommen, den Blutdruck gemessen, ein paar Fragen gestellt. Dann hat er gesagt: „Sie können das zu Hause machen. Aber nicht allein, und nicht ohne mich.”

    Alexandra fährt jetzt nach Hause. In ihrem Kopf läuft ein einziger Satz auf Endlosschleife: Und jetzt?

    Wenn Du in einer ähnlichen Situation bist, ist dieser Text für Dich. Nicht die Diskussion, ob es für den Entzug ohne Klinik geht — die haben wir hier bereits ausführlich geführt. Sondern der praktische Plan: Was musst Du vorbereiten, wenn Dein Arzt gesagt hat, dass es zu Hause geht?

    Kurzer Realitätscheck: Ist das wirklich was für mich?

    Bevor wir in die Vorbereitung einsteigen, eine ehrliche Frage an Dich: Bist Du Dir sicher, dass ein Entzug zu Hause in Deinem Fall überhaupt verantwortbar ist? Die medizinischen Leitlinien sind da eindeutig: Ein ambulanter Entzug kommt nur infrage, wenn bestimmte Risikofaktoren nicht vorliegen.

    Stopp — ein Entzug zu Hause ist nichts für Dich, wenn:

    Du Delirium tremens oder Krampfanfälle in früheren Entzügen hattest, wenn Du täglich und in großen Mengen trinkst und schon morgens Alkohol brauchst, wenn Du schwere körperliche oder psychische Begleiterkrankungen hast, wenn Du allein lebst und niemanden hast, der in den ersten Tagen bei Dir sein kann, wenn ein früherer ambulanter Entzug gescheitert ist, oder wenn Du schwanger bist.

    In diesen Fällen gehörst Du in ärztliche stationäre Betreuung. Bitte nimm das ernst — es geht um Dein Leben.

    Falls Du unsicher bist, wo Du stehst: Auf unserer Seite findest Du einen Selbsttest auf Basis des PAWSS. Der PAWSS ist ein medizinisches Werkzeug, das die Mayo-Klinik entwickelt hat und das systematisch Dein persönliches Entzugsrisiko einschätzt. Er ersetzt kein Arztgespräch, aber er gibt Dir eine erste Orientierung.

    Eine Zahl dazu: Die große amerikanische NESARC-Studie, eine der größten Untersuchungen zum Thema Alkohol überhaupt, hhat gezeigt, dass nur rund neun Prozent der Menschen mit einer aktuellen Alkoholabhängigkeit dem schwersten Abhängigkeitstyp angehörten. Das heißt umgekehrt: Für die große Mehrheit gibt es Wege, die nicht zwingend über die Klinik führen. Aber bitte nicht ohne Arzt.

    Das Arztgespräch: Was besprochen werden muss

    Der erste und wichtigste Schritt ist das Gespräch mit Deinem Hausarzt. Ja, das kostet Überwindung. Ja, es fällt schwer, zum ersten Mal laut auszusprechen: „Ich habe ein Alkoholproblem und will davon weg.” Aber mach Dir klar: Du bist damit nicht allein. Dein Arzt hat das in seiner Berufslaufbahn schon viele Male gehört. Er wird Dich nicht auslachen und nicht verurteilen.

    Im Gespräch wird Dein Arzt abklopfen, wie stark die Abhängigkeit ist. Er wird Fragen stellen: Wie viel trinkst Du? Seit wann? Wie oft? Hattest Du schon einmal Entzugserscheinungen, wenn Du mal nichts getrunken hast — Zittern, Schwitzen, Herzrasen? Gibt es Vorerkrankungen?

    Frau im Gespräch mit ihrem Arzt in einer hellen Praxis. Der Arzt hört ihr aufmerksam und zugewandt zu. Links steht die Aufforderung, mit dem Arzt offen über ein Alkoholproblem und den Wunsch aufzuhören zu sprechen.

    Sprich mit Deinem Arzt – das ist am wichtigsten

    Ja, das kostet Überwindung. Ja, es fällt schwer, zum ersten Mal laut auszusprechen: „Ich habe ein Alkoholproblem und will davon weg.” Aber mach Dir klar: Du bist damit nicht allein. Dein Arzt hat das in seiner Berufslaufbahn schon viele Male gehört. Er wird Dich nicht auslachen und nicht verurteilen.


    Wahrscheinlich wird er Blut abnehmen und den Blutdruck messen. Danach gibt es im Prinzip drei Möglichkeiten: Er kommt zu dem Schluss, dass Du es ohne medizinische Begleitung schaffen kannst. Er bietet Dir einen ambulanten Entzug an — Du bleibst zu Hause, er betreut Dich engmaschig. Oder er rät Dir zur Klinik.

    Fällt die Entscheidung auf ambulant, solltest Du als nächstes Folgendes mit ihm klären:

    Erreichbarkeit: Wie erreichst Du Deinen Arzt außerhalb der Sprechzeiten? Die medizinischen Leitlinien schreiben vor, dass bei einem ambulanten Entzug eine 24-Stunden-Erreichbarkeit eines ärztlichen Bereitschaftsdienstes sichergestellt sein muss. Das klingt bürokratisch, ist aber überlebenswichtig. Frag Deinen Arzt, wie das in seinem Fall geregelt ist.

    Kontrolltermine: In den ersten Tagen solltest Du Dich täglich oder zumindest alle zwei Tage in der Praxis melden. Blutdruck, Puls, ein Blick darauf, wie es Dir geht. Dein Arzt wird mit Dir einen Rhythmus vereinbaren.

    Medikamente: Möglicherweise verschreibt Dir Dein Arzt etwas, das eventuelle Entzugssymptome abmildern soll — oft ein Benzodiazepin wie Diazepam oder auch Clomethiazol (Distraneurin). Diese Medikamente bedeuten: kein Autofahren in dieser Zeit. Bitte halte Dich daran.

    Krankschreibung: Dein Arzt wird Dich für die ersten Tage krankschreiben. Keine Sorge: Den Grund erfährt Dein Arbeitgeber nicht.

    Tipp: Wenn Dein Hausarzt abblockt

    Nicht jeder Hausarzt kennt sich mit Suchtmedizin aus. Manche spielen das Problem herunter, andere raten nur pauschal zur Klinik. Wenn Du das Gefühl hast, nicht ernst genommen zu werden, wende Dich an eine Suchtberatungsstelle. Davon gibt es über 1.000 im deutschsprachigen Raum, viele bieten eine erste Beratung telefonisch und anonym an. Die Berater dort können Dir Ärzte in Deiner Nähe empfehlen, die sich mit der Betreuung von Alkoholpatienten auskennen. Anlaufstelle: beratung.help/b/alkoholberatung

    Tagesklinik: der Mittelweg, den viele nicht kennen

    Es gibt nicht nur ganz zu Hause oder ganz in der Klinik. Dazwischen liegt die Tagesklinik — eine teilstationäre Behandlung, bei der Du tagsüber in einer Einrichtung betreut wirst und abends nach Hause gehst.

    Allerdings muss man hier ehrlich sein: Die meisten suchtmedizinischen Tageskliniken in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind auf die Phase nach der akuten Entgiftung ausgerichtet — also auf die sogenannte qualifizierte Entzugsbehandlung und die Entwöhnung. Das bedeutet: Sie setzen voraus, dass die ersten, körperlich anstrengenden Tage bereits überstanden sind.

    Einzelne Kliniken bieten auch für die akute Phase ambulante Entgiftungsprogramme mit tagesklinischer Anbindung an. Das Angebot hängt stark von der Region ab. Ein guter erster Schritt: Frag Deinen Arzt oder die Suchtberatungsstelle, ob es in Deiner Nähe teilstationäre Angebote gibt. Für manche ist das genau die richtige Zwischenlösung — tagsüber professionelle Betreuung, abends das eigene Bett.

    Deine Wohnung vorbereiten

    Alexandras Arzt hat ihr geraten, sich vier freie Tage am Stück zu organisieren. Idealerweise Donnerstag und Freitag frei nehmen, Samstag und Sonntag dazu — fertig ist ein Zeitfenster, in dem sie sich ganz auf sich konzentrieren kann. Kein Arbeitsstress, keine Termine, keine Situationen, die den Saufdruck anfeuern.

    Alkohol raus aus Deiner Bude — komplett

    Klingt offensichtlich, wird trotzdem unterschätzt. Jede Flasche, die noch irgendwo steht, ist eine Einladung. Der Küchenwein, das Mitbringsel der letzten Gäste, die „edlen Tropfen für besondere Anlässe” — weg damit. Wegschütten oder verschenken. Und ja: Auch die Geheimverstecke. Du weißt, welche gemeint sind.

    Nein, die sind nicht „zu schade”. Aufheben „für später, wenn man vielleicht mal wieder was trinken kann” ist nichts anderes als die Hintertür schon mal auf Kipp zu stellen.

    Kühlschrank und Vorräte auffüllen

    In den ersten Tagen machst Du einen großen Bogen um Supermärkte. Die Spirituosenabteilung ist ein Hochleistungsmagnet. Also vorher einkaufen — und zwar ordentlich. Alles, was Dir schmeckt, darf aufs Band. Ja, auch Süßigkeiten: Schokolade, Eis, Gummibärchen. Dein Blutzuckerspiegel kann in den ersten Tagen absacken, dann ist Süßes kein Luxus, sondern eine Notbremse. Sonst verwechselst Du ruckzuck den Stress eines niedrigen Blutzuckers mit dem Drang nach Alkohol.

    Buchanzeige Mehr als Beratung

    Denk auch an gute Hauptmahlzeiten. Wenn Dir nicht nach Kochen sein wird — Tiefkühl-Fertigessen ist völlig in Ordnung. Die ersten Tage stehen unter einem einzigen Motto: kein Alkohol. Alles andere ist zweitrangig.

    Außerdem ins Haus: sprudelndes Mineralwasser. Reichlich davon. Wenn der Gedanke an Alkohol zu laut wird, ist ein großes Glas Sprudel auf ex eine erstaunlich wirksame Soforthilfe.

    Und noch einer darf vorher volltanken: Dein Auto. Tankstellen sind Orte der Verlockung — wie oft hast Du Dir dort schon was mitgenommen? Einmal voll, dann musst Du in den ersten Tagen da nicht mehr hin.

    Dein Sicherheitsnetz

    Vertrauenspersonen einweihen

    Weihe mindestens ein oder zwei Menschen offen in Dein Vorhaben ein. Ja, Du wirst denen auch sagen müssen, dass Du ein Alkoholproblem hast. Mach mit diesen Vertrauten ab, dass Du sie jederzeit anrufen kannst. Jederzeit meint wirklich: jederzeit. Speichere ihre Nummern als Notfallnummern ab.

    Verabrede mit ihnen, dass sie Dich — wenn Du anrufst — aus dem Trinkwunsch rausquatschen sollen. Das klingt vielleicht seltsam. Funktioniert aber.

    Partner oder Partnerin ins Boot holen

    Wenn Du in einer Beziehung lebst, muss Dein Partner oder Deine Partnerin mitmachen. Wenn er oder sie abends mit einem Glas Wein auf dem Sofa sitzt — wie lange hältst Du das durch? Bitte Deine Partnerin oder Deinen Partner, zu Hause bis auf Weiteres auf Alkohol zu verzichten. Dir zuliebe.

    Geh davon aus, dass Dein Partner sowieso schon weiß, dass da ein Problem ist. Du denkst nur, das wäre niemandem aufgefallen. Wahrscheinlich erntest Du eher einen Seufzer der Erleichterung als schiefe Blicke.

    Nicht allein sein

    Die medizinischen Leitlinien sagen es ganz klar: Ein ambulanter Entzug setzt voraus, dass eine Begleitperson da ist. Jemand, der in den ersten Tagen bei Dir zu Hause ist und im Notfall reagieren kann. Alexandra hat ihren Mann. Wer allein lebt, muss sich das organisieren — eine Freundin, Bruder, Schwester, jemand, dem Du vertraust und der ein paar Tage da sein kann.

    Tipp: Noch viel mehr praktische Hilfe

    Vom Ummodeln der Wohnung über Strategien für Geschäftsreisen bis zu bewährten Notbremsen gegen akuten Suchtdruck — im Buch „Alkohol adé” findest Du einen ausführlichen Schritt-für-Schritt-Plan für die erste Zeit ohne Alkohol. Was hier im Blog steht, ist ein Ausschnitt. Das Buch liefert das komplette Werkzeug.

    Infografik zu Warnzeichen beim ambulanten Alkoholentzug: Krampfanfall, Halluzinationen, starke Verwirrtheit, unkontrollierbares Zittern, Herzrasen oder Brustschmerzen, Fieber über 38,5 °C, starkes Schwitzen mit Kreislaufproblemen und anhaltendes Erbrechen erfordern sofortige medizinische Hilfe. Zusätzlich werden Beschwerden genannt, bei denen zeitnah ein Arzt kontaktiert werden sollte.

    Krampfanfall: Plötzliche Bewusstlosigkeit, unkontrolliertes Zucken, Sturz. Ein medizinischer Notfall. Nicht abwarten, ob es „nur einmal” war.

    Halluzinationen: Du siehst, hörst oder fühlst Dinge, die nicht da sind. Das kann ein Zeichen für ein beginnendes Delirium sein.

    Starke Verwirrtheit: Du weißt nicht mehr, wo Du bist, welcher Tag ist oder erkennst vertraute Personen nicht.

    Unkontrollierbares Zittern: So stark, dass Du ein Glas nicht mehr halten kannst.

    Herzrasen oder Brustschmerzen: Puls dauerhaft über 120, Herzstolpern, Engegefühl in der Brust.

    Fieber über 38,5 °C: Kann auf ein Entzugsdelir hindeuten.

    Starkes Schwitzen mit Kreislaufproblemen: Schweißausbrüche mit Schwindel, Schwarzwerden vor den Augen, Ohnmachtsgefühl.

    Erbrechen, das nicht aufhört: Gefahr der Austrocknung und Aspiration.

    Zeitnah den Arzt kontaktieren — nicht bis zum nächsten Termin warten — solltest Du bei: kompletter Schlaflosigkeit über mehr als zwei Nächte, zunehmenden Angstzuständen oder Panikattacken, die nicht nachlassen, oder wenn sich Dein Zustand insgesamt verschlechtert statt verbessert.


    Warnzeichen: Wann Du sofort den Arzt rufen musst

    Die meisten ambulanten Entzüge verlaufen ohne dramatische Komplikationen. Aber „die meisten” heißt eben nicht „alle”. Auch bei einem scheinbar milden Verlauf können Situationen auftreten, in denen Du nicht mehr abwarten darfst. Druck Dir diese Liste aus, häng sie an den Kühlschrank und besprich sie mit Deiner Begleitperson. Bitte präge Dir die folgende Grafik ein oder drucke sie sogar aus:

    Die Checkliste

    Bevor Du den letzten Drink stehen lässt, sollte all das erledigt sein:

    Arztgespräch geführt, grünes Licht für ambulanten Entzug erhalten. Erreichbarkeit, Kontrolltermine und ggf. Medikamente mit dem Arzt geklärt. PAWSS-Selbsttest gemacht. Krankschreibung organisiert. Vier freie Tage am Stück eingeplant. Alkohol komplett aus der Wohnung entfernt. Vorräte aufgefüllt — Lebensmittel, Süßigkeiten, Sprudel. Auto vollgetankt. Vertrauenspersonen eingeweiht und Notfallnummern gespeichert. Partner oder Partnerin informiert und ins Boot geholt. Begleitperson für die ersten Tage organisiert. Warnzeichen-Liste ausgedruckt und mit Begleitperson besprochen.

    Checkliste zur Vorbereitung eines ambulanten Alkoholentzugs mit Punkten zu Arztgespräch, PAWSS-Selbsttest, Krankschreibung, Vorräten, Begleitperson und Notfallvorsorge.

    Checkliste zur Vorbereitung eines ambulanten Alkoholentzugs mit Punkten zu Arztgespräch, PAWSS-Selbsttest, Krankschreibung, Vorräten, Begleitperson und Notfallvorsorge.


    Wenn all das steht, bist Du vorbereitet. Im zweiten Teil geht es um das, was dann tatsächlich passiert: Was Dein Körper in den ersten Tagen macht, wie Du durch die schwierigsten Stunden kommst und wann Du spüren wirst, dass es bergauf geht.

    Und falls Du Dich jetzt fragst, ob andere das schon geschafft haben: ja. Tausende. Viele davon tauschen sich in unserem kostenlosen und anonymen Forum aus.

    Die zweite Folge erscheint in ca. einer Woche. Willst Du benachrichtigt werden? Dann melde Dich kostenlos und anonym an.

    Häufig gestellte Fragen zum Alkoholentzug zu Hause (FAQ)

    Kann ich einen Alkoholentzug zu Hause machen oder muss ich in die Klinik?

    Die S3-Leitlinie erlaubt einen ambulanten Entzug ausdrücklich, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind: keine schweren Entzugssymptome in der Vorgeschichte, keine schweren Begleiterkrankungen, keine Suizidalität, kein gescheiterter ambulanter Versuch und keine Schwangerschaft. Außerdem brauchst Du eine Begleitperson, die in den ersten Tagen bei Dir ist, und einen Arzt, der Dich engmaschig betreut und rund um die Uhr erreichbar ist. Ob ein Entzug zu Hause für Dich infrage kommt, kann nur ein Arzt beurteilen — nicht das Internet.

    Wie bereite ich mich auf einen Alkoholentzug zu Hause vor?

    Die wichtigsten Schritte: Sprich zuerst mit Deinem Hausarzt und kläre Erreichbarkeit, Kontrolltermine und eventuelle Medikamente. Organisiere Dir vier freie Tage am Stück. Entferne allen Alkohol aus der Wohnung — auch die Geheimverstecke. Füll Kühlschrank und Vorräte auf, damit Du in den ersten Tagen nicht einkaufen musst. Tank Dein Auto voll. Weihe mindestens eine Vertrauensperson ein und speichere ihre Nummer als Notfallkontakt. Bitte Deinen Partner oder Deine Partnerin, zu Hause bis auf Weiteres keinen Alkohol zu trinken. Und organisiere eine Begleitperson, die in den ersten Tagen bei Dir ist.

    Brauche ich einen Arzt für den Alkoholentzug zu Hause?

    Ja. Ein Alkoholentzug ohne ärztliche Begleitung ist riskant, auch wenn er mild verläuft. Komplikationen wie Krampfanfälle oder Kreislaufentgleisungen können plötzlich und ohne Vorwarnung auftreten. Die medizinischen Leitlinien schreiben vor, dass bei einem ambulanten Entzug engmaschige Kontrolluntersuchungen und eine 24-Stunden-Erreichbarkeit eines ärztlichen Bereitschaftsdienstes sichergestellt sein müssen. Dein Arzt kann Dir außerdem Medikamente verschreiben, die Entzugssymptome abmildern.

    Was ist eine Tagesklinik beim Alkoholentzug?

    Eine Tagesklinik ist ein teilstationäres Angebot: Du wirst tagsüber in einer Einrichtung betreut und gehst abends nach Hause. In der Praxis sind die meisten suchtmedizinischen Tageskliniken im deutschsprachigen Raum allerdings auf die Phase nach der akuten Entgiftung ausgerichtet — also auf die sogenannte qualifizierte Entzugsbehandlung und die Entwöhnung. Einzelne Kliniken bieten auch für die akuten ersten Tage ambulante Entgiftungsprogramme mit tagesklinischer Anbindung an. Frag Deinen Arzt oder die Suchtberatungsstelle, ob es in Deiner Nähe solche Angebote gibt.

    Wann muss ich beim Alkoholentzug zu Hause sofort den Arzt rufen?

    Sofort den Notruf wählen oder den Arzt kontaktieren solltest Du bei einem Krampfanfall, bei Halluzinationen, bei starker Verwirrtheit oder Desorientierung, bei unkontrollierbarem Zittern, bei Herzrasen oder Brustschmerzen, bei Fieber über 38,5 °C, bei starkem Schwitzen mit Kreislaufproblemen oder bei Erbrechen, das nicht aufhört. Auch bei kompletter Schlaflosigkeit über mehr als zwei Nächte oder zunehmenden Panikattacken solltest Du nicht bis zum nächsten Arzttermin warten.

    Was mache ich, wenn mein Hausarzt den Alkoholentzug zu Hause ablehnt?

    Nicht jeder Hausarzt kennt sich mit Suchtmedizin aus. Wenn Du das Gefühl hast, nicht ernst genommen zu werden, wende Dich an eine Suchtberatungsstelle. Davon gibt es über 1.000 im deutschsprachigen Raum, viele bieten eine erste Beratung telefonisch und anonym an. Die Berater dort können Dir Ärzte empfehlen, die Erfahrung mit der ambulanten Betreuung von Alkoholpatienten haben.

    Weiterlesen auf Alkohol adé

    Weiterführende Literatur

    Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
    Die Texte auf der Seite ersetzen keine medizinische Beratung.

    Mehr über das Alkoholiker-Forum: “Ehrlicher Austausch auf dem Weg aus der Sucht”

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