Ich habe mir lange eingeredet, ich hätte kein Problem. Denn sechs Flaschen Bier, also drei Liter, sind doch noch im Rahmen, dachte ich. Und das jeden Tag … Dann habe ich angefangen, mir erst einmal selbst einzugestehen, dass das nicht normal ist. Ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, wie mein Leben ohne Alkohol aussehen soll. Für mich war das so notwendig wie Wasser, Brot und Luft zum Atmen. Ohne ging es einfach nicht. Und genau wie die meisten hier habe auch ich anfangs von „moderaten Mengen“, einer „geringen Menge“ oder „ein paar Flaschen“ geschrieben. Es hat mich unheimliche Überwindung gekostet, den anderen hier die echten Zahlen mitzuteilen. Als ich das aufgeschrieben habe, habe ich die Zahlen immer wieder verändert und mich selbst dabei ertappt: Ich wollte es herunterspielen, damit es für mich und für die anderen besser aussieht.
Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkoholiker-Forum von Alkohol adé.
Zum geschützten Austausch für Betroffene
Mach’ mit. Lies hier, was neue Mitglieder schreiben.
Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek: Trinkmengen verharmlosen bei Alkoholsucht
Warum spielen so viele Menschen mit Alkoholsucht ihre tägliche Trinkmenge herunter?
Sechs Flaschen Bier sind rund drei Liter. Bei üblichem Bier entspricht das etwa 120 Gramm reinem Alkohol pro Tag, ein Vielfaches dessen, was als risikoarme Tagesmenge Alkohol gilt. Dass sich diese Menge trotzdem „im Rahmen“ anfühlt, ist kein Charakterfehler. Es ist eine Folge der Neuroadaptation: Das Gehirn hat sich so an den Alkohol angepasst, dass er sich tatsächlich so notwendig anfühlt wie Wasser oder Luft. Das Kleinreden der Trinkmenge gehört zu den typischen Merkmalen einer Alkoholsucht. Es schützt vor Scham, verhindert aber gleichzeitig, dass man das Problem klar sieht. Deshalb ist der Moment so wertvoll, in dem jemand die echten Zahlen aufschreibt. Er ist oft der eigentliche Anfang des Weges in die Abstinenz.
Häufig gestellte Fragen zu Trinkmenge und Alkoholsucht (FAQ)
Ist man mit sechs Bier am Tag alkoholabhängig?
Die Menge allein entscheidet nicht über die Diagnose. Wer aber täglich drei Liter Bier trinkt und sich ein Leben ohne Alkohol nicht vorstellen kann, zeigt zentrale Merkmale einer Alkoholsucht. Eine ehrliche Selbsteinschätzung oder ein ärztliches Gespräch schafft Klarheit.
Warum verharmlosen Alkoholiker ihre Trinkmenge?
Das Herunterspielen schützt vor Scham und vor der Konsequenz, etwas ändern zu müssen. Hinzu kommt die Gewöhnung: Wer regelmäßig viel trinkt, empfindet hohe Mengen irgendwann als normal. Das ist kein bewusstes Lügen, sondern ein typischer Teil der Suchterkrankung.
Kann man bei täglich drei Litern Bier einfach aufhören?
Bei so hohen täglichen Trinkmengen kann ein abrupter Alkoholentzug körperlich gefährlich werden. Krampfanfälle und Entzugsdelir sind möglich. Der Ausstieg sollte deshalb ärztlich begleitet werden, ob ambulant oder in einer Klinik.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
Die Texte auf der Seite ersetzen keine medizinische Beratung.
Mehr über das Alkoholiker-Forum: “Ehrlicher Austausch auf dem Weg aus der Sucht”


