… ich war da damals beim Psychiater..und habe dem über meine Symptome berichtet … der hat mir damals soviel dazu gesagt wie meine Wand zuhause …. wüsste nicht, dass ich da ne Diagnose bekommen haben … er hat mir damals nur Mirtazapin verschrieben … zum Schlafen … und meinte nur, ich brauche eine Therapie … mehr hat er auch nicht dazu gesagt..
Es war schwer, einen Therapieplatz zu finden, ich sag mal die guten waren immer belegt …irgendwann hat er mich einfach beleidigt und meinte ich wäre verpeilt … dann habe ich die Therapie bei dem abgebrochen….
Beim zweiten Versuch das war bei einer älteren Frau … die auch sehr nett war. Die hat dann immer nur Fragen gestellt, also aus meiner Vergangenheit. Ich dachte erstmal, die wollte sich irgendwie ein Bild dazu machen, die hatte sich auch immer so Notizen gemacht. Irgendwann merkte ich aber auch, dass immer wieder die selben Fragen aufkamen …. dann habe ich aber auch gesag, das habe ich Ihnen letztes mal schon erzählt. Ahja stimmt, ja, und dann ging das in einer endlos Schleife weiter, es führte einfach zu nichts. …
Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkohol adé-Forum. Zum geschützten Austausch für Betroffene
Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Kann es sein, dass Alkoholsucht in der psychiatrischen Versorgung oft nicht richtig erkannt oder behandelt wird?
Was dieser Bericht beschreibt, ist leider kein Einzelfall. Menschen mit einer Alkoholkonsumstörung berichten häufig von psychiatrischen Kontakten, die oberflächlich bleiben – ein kurzes Gespräch, ein Rezept, keine Diagnose. Mirtazapin wird in solchen Fällen oft pragmatisch verordnet: Es wirkt sedierend und erleichtert das Einschlafen, greift aber die zugrunde liegende Problematik nicht an. Die therapeutische Versorgung scheitert dann nicht selten an mangelnder Passung – ein Therapeut, der beleidigt, oder eine Therapeutin, die sich in Wiederholungsschleifen verliert, kann keine tragfähige Arbeitsbeziehung aufbauen. Dabei gilt gerade die therapeutische Allianz als einer der stärksten Wirkfaktoren in der Psychotherapie. Wer bei Alkoholproblemen Hilfe sucht, braucht Behandler, die Sucht als eigenständiges Störungsbild ernst nehmen – und nicht nur als Begleiterscheinung abhandeln. Der Mut, eine nicht funktionierende Therapie abzubrechen, ist kein Scheitern, sondern ein notwendiger Schritt auf der Suche nach der richtigen Unterstützung.
Häufig gestellte Fragen zu Therapie und Alkoholsucht (FAQ)
Was tun, wenn der Psychiater bei Alkoholproblemen keine Diagnose stellt?
Nicht jeder Psychiater ist auf Suchterkrankungen spezialisiert. Betroffene können gezielt nach Fachärzten mit suchtmedizinischer Zusatzqualifikation suchen oder sich an eine Suchtberatungsstelle wenden. Dort erfolgt in der Regel eine strukturierte Einschätzung der Situation, oft auch ohne lange Wartezeiten.
Darf man eine Therapie abbrechen, wenn sie nicht hilft?
Ja. Eine Therapie wirkt nur, wenn die Beziehung zwischen Therapeut und Patient trägt. Wenn sich nach mehreren Sitzungen keine Arbeitsgrundlage entwickelt oder das Gespräch sich im Kreis dreht, ist ein Wechsel nicht nur erlaubt, sondern sinnvoll. Suchtberatungsstellen und Krankenkassen helfen bei der Vermittlung neuer Therapieplätze.
Wird Mirtazapin bei Alkoholsucht verschrieben?
Mirtazapin ist ein Antidepressivum, das wegen seiner schlaffördernden Wirkung häufig verordnet wird – auch bei Menschen mit Alkoholproblemen. Es behandelt jedoch nicht die Abhängigkeit selbst. Bei bestehender Alkoholkonsumstörung sollte die medikamentöse Therapie immer in ein suchttherapeutisches Gesamtkonzept eingebettet sein.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
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