Als ich vor 2 Jahren definitiv mit dem Trinken aufhörte, war ich ebenfalls in einem Zwiespalt, Einerseits hatte ich eine längere Therapie hinter mir, wurde rückfällig, Suchtberatung konnte mir nicht weiterhelfen, kontrolliert zu trinken auf Dauer nie geklappt, und es gab Spannungen mit meinen Söhnen. In meinem Bekanntenkreis beruflich hat niemand von meinem Alkoholproblem gewusst. Ich trank heimlich, nach Feierabend und in meiner Freizeit. Alkohol war Entspannung und Schlafmittel.
Beruflich (…) war ich öfters mit Menschen konfrontiert, welche teilweise schwerwiegende gesundheitliche Probleme hatte, ausgelöst durch Alkohol oder und anderen Drogen. Vielleicht ist es dieser vorgehaltene Spiegel, der mich nach 10 jähriger Odyssée an einem Sonntag veranlasst hat in diesem Forum zu schreiben angemeldet war ich schon länger. Der Aufbruch, die ersten Tage waren nicht einfach. Ein Forums Mitglied hat mir damals geraten meine Gedanken aufzuschreiben, was ich getan habe, täglich. …
Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkoholiker-Forum von Alkohol adé. Zum geschützten Austausch für Betroffene
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Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Kann Alkohol als Schlafmittel und Entspannung ein Zeichen für eine schleichende Abhängigkeit sein?
Dieser Bericht zeigt ein Muster, das in der Suchtmedizin häufig vorkommt: Alkohol wird nicht als Genussmittel konsumiert, sondern übernimmt eine Funktion – hier als Schlafmittel und Entspannungshilfe. Diese funktionale Einbindung in den Alltag macht die Abhängigkeit nach außen unsichtbar und erschwert die Selbsterkenntnis. Dass kontrolliertes Trinken bei einer manifesten Abhängigkeit dauerhaft nicht funktioniert, ist wissenschaftlich gut belegt. Das Suchtgedächtnis speichert die erlernte Verknüpfung zwischen Alkohol und Entlastung dauerhaft – selbst nach Jahren ohne Konsum. Der Wendepunkt kam hier nicht durch eine weitere Behandlung, sondern durch zwei Elemente wirksamer Rückfallprävention: den Austausch in einer Gemeinschaft und das tägliche Aufschreiben eigener Gedanken. Beides schafft Struktur und macht unbewusste Muster sichtbar.
Häufig gestellte Fragen zu heimlichem Trinken und Alkoholabhängigkeit (FAQ)
Ist heimliches Trinken nach Feierabend ein Warnsignal für Alkoholabhängigkeit?
Wenn Alkohol regelmäßig und verdeckt konsumiert wird – etwa als festes Ritual nach der Arbeit –, spricht das für eine funktionale Abhängigkeit. Typisch ist, dass das Umfeld nichts bemerkt, während der Konsum längst zur Bewältigungsstrategie geworden ist. Gerade das Verstecken deutet darauf hin, dass die eigene Kontrolle bereits eingeschränkt ist.
Warum funktioniert kontrolliertes Trinken bei Alkoholsucht langfristig nicht?
Bei einer manifesten Abhängigkeit reagiert das Gehirn auf bereits geringe Mengen Alkohol mit verstärktem Verlangen. Das Suchtgedächtnis reaktiviert eingespielte Konsummuster, sodass kontrolliertes Trinken in der Regel schrittweise wieder zur alten Trinkmenge führt.
Wie hilft das Aufschreiben von Gedanken bei der Alkoholentwöhnung?
Tägliches Journaling macht Trinkmuster, emotionale Auslöser und Fortschritte bewusst sichtbar. Es gibt dem Tag Struktur und fördert die Selbstreflexion – beides zentrale Bausteine in der Rückfallprävention.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
Die Texte auf der Seite ersetzen keine medizinische Beratung.
Mehr über das Alkoholiker-Forum: “Ehrlicher Austausch auf dem Weg aus der Sucht”

