Oh, und wie ich das kenne. Und ganz schlimm: früher war ich auch so. Was haben wir über die angeblich so witzigen Verhalten von Betrunkenen gelacht. Jetzt, nach 3 Jahren Abstinenz, finde ich das alles so erschreckend. Und ich kann mir überhaupt nicht mehr vorstellen, wie ich das damals witzig finden konnte. Ich habe damals ja auch über mich selbst gelacht, obwohl das alles überhaupt nicht witzig war.
Mir tun die Menschen mittlerweile einfach nur leid, die sich das Verhalten von Besoffenen schön reden und glorifizieren. …
Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkoholiker-Forum von Alkohol adé.
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Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek: Abstinenz und der neue Blick auf Betrunkene
Warum wirkt das Verhalten von Betrunkenen erst in der Abstinenz so erschreckend?
Wer selbst trinkt, sieht Betrunkene durch denselben Filter wie sich selbst. Das Lachen hat dabei eine Schutzfunktion: Was witzig ist, kann nicht gefährlich sein. So lässt sich auch der eigene Kontrollverlust verharmlosen, statt Scham oder Sorge zuzulassen. Verstärkt wird das durch die soziale Modellwirkung: Wer ständig erlebt, dass Rauschverhalten belacht wird, übernimmt diese Bewertung. Mit wachsender Abstinenz fällt der Filter weg, und dasselbe Verhalten wird neu bewertet, oft mit Erschrecken. Diese Klarheit schützt gegen die Romantisierung von Alkohol, die Rückfälle begünstigen kann.
Häufig gestellte Fragen zum Blick auf Betrunkene in der Abstinenz (FAQ)
Warum finden so viele Menschen das Verhalten von Betrunkenen lustig?
In Trinkkulturen wird Rauschverhalten früh als harmlos und unterhaltsam gelernt. Das Lachen verdrängt dabei die Frage, was mit dem Menschen gerade passiert. Wer selbst trinkt, schützt mit diesem Blick auch den eigenen Konsum vor kritischer Prüfung.
Ist es normal, in der Abstinenz Betrunkene plötzlich erschreckend zu finden?
Ja, das berichten viele Menschen nach längerer Abstinenz. Ohne den eigenen Alkoholkonsum fällt der verharmlosende Filter weg. Der veränderte Blick ist kein Zeichen von Überheblichkeit, sondern von gewonnener Klarheit.
Warum lachen Alkoholabhängige über ihre eigenen Rauscherlebnisse?
Humor hilft, Scham und Kontrollverlust erträglich zu machen. Wer die eigenen Ausfälle als lustige Anekdote erzählt, muss sich nicht mit ihrer Bedeutung auseinandersetzen. Erst mit Abstand wird oft sichtbar, wie wenig witzig diese Situationen tatsächlich waren.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
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