Ich habe auf der Suche nach “professioneller Hilfe” ein wildes Durcheinander erlebt. Einrichtungen die streng nach den Vorgaben der Krankenkassen handeln, obwohl eine Behandlung möglicherweise doch individuelle Schritte erfordert hätte. Suchtberatung mit dem Standardprogramm aus den üblichen Elementen sinnvolle Beschäftigung und Tagesstruktur, obwohl das nie mein Problem war. Ich bekam immer mehr das Gefühl, dass teilweise autoritär über und für mich entschieden wurde. Letzten Endes hat das die Sucht eher noch befeuert.
Sicherlich auch aufgrund einer anderen Krankheit entstanden widersprüchliche Empfehlungen, teils sogar Fehldiagnosen. Ich hatte wiederkehrend das Gefühl durch Programme durchgeschleust zu werden, die sich anfühlten wie einen Arm eingipsen, obwohl eine Bauchwunde besteht. …
Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkoholiker-Forum von Alkohol adé. Zum geschützten Austausch für Betroffene
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Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Kann eine standardisierte Suchttherapie die Alkoholabhängigkeit sogar verschlimmern?
Was hier beschrieben wird, ist kein Einzelfall. Das sogenannte Treatment Matching – also die Abstimmung der Therapie auf die individuelle Situation – gilt in der Suchtmedizin als entscheidender Wirkfaktor. Wenn Betroffene das Gefühl haben, durch ein Standardprogramm geschleust zu werden, leidet die therapeutische Allianz. Kommt eine psychiatrische oder somatische Begleiterkrankung hinzu, steigt das Risiko für widersprüchliche Behandlungsempfehlungen erheblich. Das Erleben, fremdbestimmt behandelt zu werden, kann den inneren Widerstand verstärken und paradoxerweise den Suchtdruck erhöhen. Gerade bei einer komplexen Alkoholkonsumstörung braucht es einen Behandlungsplan, der die gesamte Krankheitsgeschichte einbezieht. Wer sich in der Therapie nicht gesehen fühlt, verliert oft genau das Vertrauen, das für eine nachhaltige Rückfallprävention unverzichtbar ist.
Häufig gestellte Fragen zu Suchttherapie und Alkoholsucht (FAQ)
Warum hilft Suchttherapie bei Alkoholsucht manchmal nicht?
Suchttherapie kann scheitern, wenn die Behandlung nicht auf die individuelle Situation abgestimmt ist. Standardisierte Programme berücksichtigen Begleiterkrankungen oder persönliche Lebensumstände oft zu wenig. Fehlt die sogenannte therapeutische Allianz – also das Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Behandler – sinkt die Wirksamkeit deutlich.
Was tun, wenn die Suchtberatung sich falsch anfühlt?
Wenn Du das Gefühl hast, in der Suchtberatung nicht richtig aufgehoben zu sein, ist ein Wechsel der Einrichtung oder des Therapeuten keine Niederlage. Es ist sinnvoll, konkret zu benennen, was nicht passt, und bei der nächsten Anlaufstelle gezielt nach individueller Behandlungsplanung zu fragen.
Welche Rolle spielen Begleiterkrankungen bei der Alkoholtherapie?
Begleiterkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder ADHS verändern den Therapiebedarf erheblich. Werden sie nicht erkannt oder falsch eingeordnet, kann es zu widersprüchlichen Empfehlungen kommen. Eine sogenannte Doppeldiagnose-Behandlung, die Sucht und Begleiterkrankung gleichzeitig adressiert, gilt heute als Standard.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
Die Texte auf der Seite ersetzen keine medizinische Beratung.
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