So erholt sich das Gehirn, wenn man nicht mehr trinkt

Ehestreit, Burnout, Alkoholsucht oder Depressionen – für alles scheint der Psychologe und Psychiater zuständig. „Blanker Unsinn“ wettert der Amerikaner Dr. Daniel Amen. Amen könnte wissen, wovon er spricht: Er ist Psychiater und Radiologe, eine sehr seltene Kombination von Facharztausbildungen.

Psychiatrie ist die einzige medizinische Disziplin, die niemals das Organ betrachtet, das sie behandelt. Jeder andere Facharzt tut das. Kardiologen, Neurologen, Gastroenterologen – alle sehen sich das genau an. Nur der Psychiater nicht. Der behandelt seine Patienten immer noch nur aufgrund von Verdachtsmomenten und Symptomen“, legt Amen nach. Er blickt auf einen Fundus von mehr als 150.000 Aufnahmen von Gehirnen von Menschen, die als psychisch krank diagnostiziert wurden. „Diese Gehirnaufnahmen seien etwas für die Forschung, aber nicht für die Diagnostik von Patienten“, hätte er oft genug von Psychiatern gehört, wenn er sie auffordere, die Patienten durchleuchten zu lassen.

Das Gehirn eines trockenen Trinkers dämmert vor sich hin

Für Menschen mit problematischen Alkoholkonsum hat das eine besondere Bedeutung: Auf dem Foto zu diesem Beitrag finden Sie eine solche Aufnahme. Sie zeigt die Gehirnaktivität eines Trinkers nach zehn Tagen ohne Alkohol, nach drei Wochen und nach 30 Tagen. Schauen Sie das Bild an: In der obersten Reihe der Aufnahmen erscheint es wie ausgeknippst. Mit jeder Woche ohne Alkohol steigt die Aktivität wieder – und damit logischer Weise auch das Wohlbefinden des Betroffenen.

Das Gemeine: Ein Glas Alkohol würde im dämmernden Gehirn sofort wieder ein wahres Feuerwerk entfachen, weil der Alkohol scheinbar wie auf Knopfdruck die Hirn-Aktivität zurückbringt.

„Ist es Willensschwäche, da nicht „Nein“ sagen zu können? Treibt da eine nebulöse ‘Psyche’ zum nächsten Glas? Wohl kaum. Das ist ein sichtbares, knallhartes und körperliches Problem“, schreibt Gaby Guzek im Buch „Alkohol adé“: „Ich frage mich, warum man das den Betroffenen nicht genau so erklärt. Diabetiker, Rheumatiker, Asthmatiker – alle unterrichtet man möglichst genau über ihre Krankheit, damit die Betroffenen gut mitarbeiten können, wenn es ums Gesund- werden geht. Nur Alkoholiker lässt man nach wie vor in dem Glauben, aufzuhören sei am Ende doch eine reine Willenssache. Alkoholismus ist aber keine ‘psychische Erkrankung.’ Diabetes heilt man ja auch nicht auf der Couch.“



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