Ich hatte nach reichlich Alkoholkumsum vor 14 Tagen eine Ohnmacht, bin gestürzt und habe mich im Gesicht ziemlich verletzt. Danach war ich 10 Tage im Krankenhaus zur Entgiftung. Ich habe regelmäßig bereits vormittags getrunken, insofern war ich immer schnell müde und schläfrig, aber ich habe vor allem auch meine noch beruflichen und privaten Aufgaben liegen gelassen…..kann man ja morgen machen. (…?
Ich will aufhören – dafür bin ich hier. Ich bin immer für ein paar Wochen trocken und es geht mir wieder gut, dann denke ich, auch ein Glas Wein kann ja kein Problem sein…..
…. und dann werden es zwei … drei….eine Flasche Wein……zwei Flaschen Wein……
und ich bin wieder drin. Das möchte ich gern unterbrechen. …
Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkohol adé-Forum. Zum geschützten Austausch für Betroffene
Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Kann ein einziges Glas Wein nach der Entgiftung wirklich den kompletten Rückfall auslösen?
Was hier beschrieben wird, ist ein klassisches Muster der Alkoholabhängigkeit: Nach einer Phase der Abstinenz setzt die Überzeugung ein, kontrolliert trinken zu können. Medizinisch spielt dabei der sogenannte Priming-Effekt eine zentrale Rolle – schon ein einziger Schluck Alkohol kann im sensibilisierten Gehirn das gesamte Verlangen reaktivieren. Das Belohnungssystem reagiert auf den Reiz, und die Eskalation von einem Glas auf zwei Flaschen folgt einer neurobiologischen Logik, nicht einem Willensproblem. Die stationäre Entgiftung behandelt die körperliche Abhängigkeit, doch das Suchtgedächtnis speichert die erlernten Verknüpfungen zwischen Alkohol und Belohnung über Monate und Jahre. Genau deshalb kehrt das Muster zurück, sobald der erste Schluck die alten Bahnen wieder aktiviert. Dass dieser Beitrag im Forum steht, zeigt: Der Wille ist da – und das ist ein guter Anfang.
Häufig gestellte Fragen zu Rückfall nach Entgiftung (FAQ)
Reicht eine stationäre Entgiftung, um dauerhaft abstinent zu bleiben?
Die Entgiftung behandelt den körperlichen Entzug – Zittern, Kreislaufprobleme, Schlafstörungen. Die psychische Abhängigkeit bleibt davon weitgehend unberührt. Ohne weiterführende Maßnahmen wie Therapie, Selbsthilfegruppen oder ein stabiles Umfeld ist das Rückfallrisiko hoch. Die Entgiftung ist ein wichtiger erster Schritt, aber kein abgeschlossener Prozess.
Was passiert im Gehirn, wenn man nach Wochen der Abstinenz wieder Alkohol trinkt?
Schon ein einzelner Schluck kann den sogenannten Priming-Effekt auslösen: Das Suchtgedächtnis wird reaktiviert, Dopamin wird ausgeschüttet, und das Verlangen nach mehr setzt ein. Das Gehirn unterscheidet nicht zwischen einem Glas und einer Flasche – es erkennt den Reiz und aktiviert das alte Trinkmuster. Deshalb eskaliert kontrolliertes Trinken bei Alkoholabhängigkeit fast immer.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
Die Texte auf der Seite ersetzen keine medizinische Beratung.

