Jeden Tag nehme ich mir die Abstinenz vor, mittags ist die innere Unruhe groß und mein Kopf arbeitet ohne Ende. Es geht mir schlecht, da ich mir gegenüber ein schlechtes Gewissen habe, meiner Familie gegenüber auch. Und es mal wieder nicht schaffe.
Nächste Woche habe ich den nächsten Diagnostiktermin. Gibt es hier Erfahrungen mit den ADHS Medis? Ich hoffe so sehr, dass es mich runter bringt und ich Ruhe und Klarheit in Körper und Geist bekomme 🙏 Und dass damit auch das Mittel Alkohol wegfällt! Ich bin gerade wieder richtig verzweifelt. Hatte es doch schonmal geschafft… Kennt ihr das, dass man sich so klein fühlt, da es nicht gelingt?!?
Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkoholiker-Forum von Alkohol adé.
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Fachliche Einordnung zu ADHS und Alkohol – Dr. med. Bernd Guzek
Kann ein unbehandeltes ADHS der Grund sein, warum die Abstinenz immer wieder scheitert?
Was hier beschrieben wird, ist ein Muster, das in der Suchtmedizin gut bekannt ist: Menschen mit unerkanntem ADHS erleben eine chronische Unterstimulation im Belohnungssystem des Gehirns. Die innere Unruhe, das rastlose Kreisen der Gedanken – das sind keine Charakterschwächen, sondern Zeichen einer Dopamin-Dysregulation. Alkohol wirkt auf dieses System wie ein schneller, aber zerstörerischer Beruhiger. Dass der Vorsatz jeden Morgen steht und mittags zerfällt, ist deshalb kein Versagen – es ist die Konsequenz einer unbehandelten Grunderkrankung. Eine gesicherte ADHS-Diagnose und eine passende medikamentöse Einstellung können genau diese neurobiologische Lücke schließen und den Teufelskreis aus Unruhe, Selbstmedikation und Scham unterbrechen.
Häufig gestellte Fragen zu ADHS und Alkoholsucht (FAQ)
Warum trinken Menschen mit ADHS häufiger Alkohol?
ADHS geht mit einer chronischen Unterstimulation des Belohnungssystems einher. Alkohol hebt den Dopaminspiegel kurzfristig an und lindert innere Unruhe – das macht ihn für Betroffene besonders verführerisch. Fachleute sprechen von Selbstmedikation.
Können ADHS-Medikamente bei der Abstinenz helfen?
Studien zeigen, dass eine medikamentöse ADHS-Behandlung die innere Unruhe reduzieren und den Drang zur Selbstmedikation mit Alkohol abschwächen kann. Die Medikation ersetzt keine Suchttherapie, kann sie aber wirksam ergänzen.
Ist das Gefühl, immer wieder zu scheitern, typisch bei ADHS und Alkohol?
Ja. Ohne Behandlung fehlt Betroffenen der neurobiologische Grundstein für Impulskontrolle und Selbststeuerung. Das wiederholte Scheitern ist kein Willensproblem, sondern ein Symptom der unbehandelten Doppelbelastung aus ADHS und Alkoholabhängigkeit.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
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