Da ich an Depressionen und einer Angststörung leide – habe ich diese Ängste und das Gedankenkarussell über Jahre mit Alkohol therapiert. Auch bei meinem geringen Selbstwertgefühl hat das Nervengift eine für mich hervorragende Wirkung gezeigt. Ich war plötzlich Selbstbewusst und hatte beinahe das überhebliche Gefühl von “Unbesiegbarkeit”.
Leider hat der Alkohol auch diverse Nebenwirkungen die sich im Laufe der Zeit immer mehr bemerkbar gemacht haben. Ich war ständig müde und ausgelaugt, noch depressiver und noch ängstlicher wenn ich nicht getrunken habe oder verkatert war…ich habe Partnerinnen verloren…musste meinen Arbeitsplatz wechseln…habe zweimal meinen Führerschein verloren…
Letztllich musste ich schmerzhaft feststellen, dass die Medizin Alkohol mir das Leben nur zusätzlich schwer gemacht hat und mich noch mehr in die Depression, Angst und Verzweiflung getrieben hat. Die Probleme dadurch immer mehr wurden . All das – für 4 Stunden sich “normal” fühlen zu können…
Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkoholiker-Forum von Alkohol adé.
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Depression und Alkohol – fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Warum verstärkt Alkohol Depressionen und Angst, obwohl er sich zunächst wie eine Medizin anfühlt?
Was Du beschreibst, nennen Fachleute Selbstmedikation: Die Depression und die Angststörung waren zuerst da, und der Alkohol wurde zum Beruhigungsmittel. Kurzfristig wirkt er tatsächlich angstlösend, weil er das hemmende GABA-System verstärkt und das Gedankenkarussell dämpft. Das Gehirn gleicht diese Dämpfung jedoch aus. Sobald der Alkohol abgebaut ist, schlagen Unruhe, Angst und Niedergeschlagenheit umso stärker zurück, ein Zustand, der als Hangxiety – Angst nach dem Trinken bekannt ist. Zudem wirkt Alkohol selbst depressionsfördernd und raubt Schlaf und Energie, sodass jede Entlastung die nächste Verschlechterung vorbereitet. In der Abstinenz klingen die alkoholbedingten Anteile meist innerhalb einiger Wochen ab. Die zugrunde liegende Angststörung und die Depression brauchen dann eine eigene, gezielte Behandlung.
Häufig gestellte Fragen zu Depression und Alkohol (FAQ)
Kann Alkohol Depressionen verschlimmern?
Ja. Alkohol hellt die Stimmung nur kurzfristig auf. Bei regelmäßigem Konsum verstärkt er depressive Symptome, stört den Schlaf und verschiebt den Botenstoffhaushalt im Gehirn. Viele Betroffene erleben deshalb eine Abwärtsspirale aus Trinken und zunehmender Niedergeschlagenheit.
Warum ist die Angst nach dem Trinken schlimmer als vorher?
Alkohol dämpft das Nervensystem, und das Gehirn reagiert darauf mit Gegenregulation. Lässt die Wirkung nach, bleibt diese Übererregung zurück und zeigt sich als Unruhe, Herzklopfen und verstärkte Angst. Deshalb fühlen sich Angstsymptome am Tag danach oft stärker an als vor dem Trinken.
Werden Depressionen besser, wenn man mit dem Trinken aufhört?
Oft ja, zumindest der Anteil, den der Alkohol verursacht oder verstärkt hat. Dieser Anteil bessert sich in der Abstinenz häufig innerhalb einiger Wochen. Eine Depression, die schon vor dem Trinken bestand, verschwindet dadurch aber nicht von selbst und sollte ärztlich oder psychotherapeutisch behandelt werden.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
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