Ich verliere die Kontrolle über meinen Konsum und das ist für mich das absolute No-Go. Ich bin ein sehr freiheitsliebender Mensch und somit ist der Zustand in dem ich mich schon lange befinde eigentlich keine Option. Das ist mir in den letzen 2 Jahren immer mehr aufgefallen. Ich muss bzw möchte/will die “Reißleine” ziehen.
Ich habe einen wahnsinnigen Respekt vor dem Druck. Ich lese sehr viel über die biochemischen Abläufe im Gehirn nach Alkoholentzug. Das hilft mir sehr. Bin seit 8 Tagen ohne Alkohol. Aktuell geht es recht gut. Ich trinke gleich bei aufkommenden Druck ein großes Glas Wasser oder beobachte ob ich evtl. Hunger habe und esse dann etwas. Meistens ist es das Belohnungszentrum nach erfolgreichem Stress das schreit. Der Druck ist auch immer der Grund gewesen immer wieder zu trinken. (…)
Habe schon einige Psychotherapien hinter mir. Warum ich dann immer weiter konsumiert habe ist wahrscheinlich ziemlich dumm von mir gewesen. Ich komme sehr schlecht mit dem “Alleine-Sein” vor allem am Abend zurecht.
Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkoholiker-Forum von Alkohol adé.
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Suchtdruck in den ersten Tagen ohne Alkohol: Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Was hilft gegen Suchtdruck in den ersten Tagen ohne Alkohol – und warum ist gerade der Abend allein so schwer?
Die beschriebenen Strategien sind fachlich ausgesprochen klug. Wasser trinken und prüfen, ob eigentlich Hunger dahintersteckt, entspricht dem HALT-Prinzip aus der Suchttherapie: Hunger, Ärger, Einsamkeit und Müdigkeit verstärken den Suchtdruck. Auch die Beobachtung zum Belohnungssystem trifft zu. Nach überstandenem Stress fordert das Gehirn die gewohnte Belohnung ein, und bisher war das der Alkohol. Das Alleinsein am Abend ist genau der Punkt, an dem das „L“ für „Lonely“ greift. Hier lohnt es sich, gezielt etwas vorzuplanen, etwa ein Telefonat oder den Austausch im Forum. Dass frühere Therapien nicht zur Abstinenz geführt haben, ist kein Zeichen von Dummheit. Sucht ist eine Erkrankung des Gehirns, kein Denkfehler.
Häufig gestellte Fragen zu Suchtdruck ohne Alkohol (FAQ)
Was hilft sofort gegen Suchtdruck?
Oft hilft schon eine kleine Unterbrechung: ein großes Glas Wasser, etwas essen oder ein paar Minuten an die frische Luft. Suchtdruck kommt in Wellen und flaut meist nach einer Viertelstunde wieder ab. Wer diese Zeit überbrückt, hat die Welle überstanden.
Was bedeutet das HALT-Prinzip?
HALT steht für Hungry, Angry, Lonely und Tired, also hungrig, wütend, einsam und müde. Diese vier Zustände verstärken das Verlangen nach Alkohol besonders stark. Wer bei Suchtdruck kurz prüft, welcher davon gerade zutrifft, kann gezielt gegensteuern.
Warum ist der Abend allein ohne Alkohol so schwer?
Der Abend war oft die feste Zeit für den Alkohol, und das Gehirn erwartet dann die gewohnte Belohnung. Kommt Einsamkeit dazu, wird der Suchtdruck besonders stark. Feste Abendrituale, ein Telefonat oder der Austausch mit Gleichgesinnten können diese Lücke füllen.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
Die Texte auf der Seite ersetzen keine medizinische Beratung.
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