Ich muss generell sagen, dass ich mich beim Hausarzt und Neurologen (das sind die beiden Ärzte, bei denen ich regelmäßig bin) besser verstanden fühle als es z.B. bei meinem letzten Entzug in der Suchtstation war. In der Klinik, die ja auf Suchtkranke spezialisiert ist, kam ich mir mehr wie ein “Sünder” vor als z.B. bei Entzügen im ganz normalen Krankenhaus (dort hatte ich sogar mal einen total engagierten jungen Arzt, der sich extra alles angelesen hat, was man am besten an Medikamenten gibt – das war total nett). …
Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkoholiker-Forum von Alkohol adé.
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Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek: Scham und Stigma im Alkoholentzug
Warum fühlen sich so viele Menschen mit Alkoholsucht im Entzug verurteilt – ausgerechnet dort, wo ihnen geholfen werden soll?
Was Du beschreibst, erleben viele Betroffene: Gerade im Alkoholentzug, wenn Körper und Psyche am verletzlichsten sind, schwingt ein moralischer Unterton mit. Medizinisch ist Alkoholsucht aber keine Schuldfrage, sondern eine Erkrankung. Die Fachwelt spricht heute von einer Alkoholkonsumstörung. Scham und Stigmatisierung gehören zu den größten Hürden, überhaupt Hilfe zu suchen oder nach einem Rückfall wiederzukommen. Nach mehreren Entzügen ist zudem eine sorgfältige medikamentöse Begleitung besonders wichtig, weil das Gehirn mit jeder Entzugsphase empfindlicher reagieren kann. Fachleute nennen das den Kindling-Effekt. Ein Arzt, der sich gezielt einliest, handelt deshalb nicht nur menschlich, sondern auch medizinisch klug.
Häufig gestellte Fragen zu Alkoholentzug, Scham und Stigma (FAQ)
Ist Alkoholsucht eine Krankheit oder Willensschwäche?
Alkoholsucht ist eine anerkannte Erkrankung, medizinisch als Alkoholkonsumstörung bezeichnet. Sie verändert nachweisbar Botenstoffsysteme und Lernprozesse im Gehirn. Mit Charakterschwäche oder fehlendem Willen hat das nichts zu tun.
Kann ich den Alkoholentzug auch im normalen Krankenhaus machen?
Ja, die körperliche Entgiftung wird oft auch auf internistischen Stationen allgemeiner Krankenhäuser durchgeführt. Suchtstationen bieten zusätzlich einen qualifizierten Entzug mit psychotherapeutischen Elementen. Welche Form passt, hängt von Deiner Vorgeschichte und Deinem Bedarf ab.
Warum ist ärztliche Begleitung bei wiederholtem Alkoholentzug so wichtig?
Jeder weitere Entzug kann schwerer verlaufen als der vorherige, weil das Nervensystem zunehmend empfindlicher reagiert. Das Risiko für Krampfanfälle und Delir steigt. Eine passende medikamentöse Begleitung unter ärztlicher Aufsicht macht den Entzug sicherer.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
Die Texte auf der Seite ersetzen keine medizinische Beratung.
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