Wenn ich ehrlich bin, war auch nicht alles schlecht. Es gab ausgelassene Abende, gemeinsame Erlebnisse und Momente, an die ich mich durchaus gern erinnere. Warum sollte ich mir das im Nachhinein schlechtreden? (…)
Heute kann ich genauso ausgelassen feiern, lachen und das Leben genießen wie früher. Nur fühlt es sich für mich ehrlicher und wahrhaftiger an. Und wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich ohne zu überlegen mein heutiges, nüchternes Leben wählen.
Ich vermisse nichts. Und das ist keine Überzeugung, die ich mir jeden Tag aufs Neue einreden muss. Es ist einfach das, was ich heute empfinde.
Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkoholiker-Forum von Alkohol adé.
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Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek: Schöne Erinnerungen und Leben ohne Alkohol
Darf man gute Erinnerungen an die Zeit mit Alkohol haben – und trotzdem dauerhaft abstinent leben?
Ja – und genau diese Haltung spricht für eine stabile Abstinenz. Problematisch wird es erst bei der Romantisierung von Alkohol: Das Gedächtnis behält dann nur die ausgelassenen Abende und blendet Kater, Scham und Kontrollverlust aus. Doch auch das ständige Schlechtreden der eigenen Vergangenheit hält den Alkohol gedanklich präsent. Wer beides nebeneinander stehen lassen kann, hat sich innerlich vom Alkohol gelöst. Dass Feiern und Lachen heute genauso gelingen, zeigt: Das Belohnungssystem im Gehirn hat gelernt, Freude wieder ohne Alkohol zu erzeugen. Eine Entscheidung, die man sich nicht täglich neu einreden muss, trägt meist dauerhaft.
Häufig gestellte Fragen zu Erinnerungen an die Trinkzeit und Leben ohne Alkohol (FAQ)
Ist es normal, sich in der Abstinenz gern an Abende mit Alkohol zu erinnern?
Ja, das ist völlig normal. Schöne Erinnerungen gehören zur eigenen Geschichte. Entscheidend ist, ob man auch die Schattenseiten ehrlich mitdenkt oder ob das Gedächtnis die Trinkzeit verklärt.
Kann man ohne Alkohol genauso ausgelassen feiern?
Viele Menschen erleben das so, wenn sich die Abstinenz gefestigt hat. Das Gehirn lernt wieder, Freude und Entspannung aus Begegnungen, Musik und Erlebnissen zu ziehen – ohne den Umweg über Alkohol.
Hört man irgendwann auf, Alkohol zu vermissen?
Bei vielen Betroffenen lässt das Vermissen mit der Zeit deutlich nach. Ein gutes Zeichen ist, wenn das nüchterne Leben nicht mehr als Verzicht empfunden wird, sondern als die bessere Wahl.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
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